Aktualisiert 14.11.2011 08:03

Grosser Umbau«Uns fehlt eine Generation dazwischen»

Seit Juni 2001 ist er die Nummer 2 auf der Trainerbank der Nationalmannschaft. Seit einer Woche baut Michel Pont mit Nati-Trainer Ottmar Hitzfeld einmal mehr an einer neuen Nati.

von
Eva Tedesco
Luxemburg
Nati-Trainer Ottmar Hitzfeld und sein Assistent Michel Pont glauben an die Jungen und das «super Potenzial» der neuen Nati. (Keystone/AP)

Nati-Trainer Ottmar Hitzfeld und sein Assistent Michel Pont glauben an die Jungen und das «super Potenzial» der neuen Nati. (Keystone/AP)

«Zusammenkommen ist ein Beginn. Zusammenbleiben ist ein Fortschritt. Zusammenarbeiten ist ein Erfolg». Dieses Zitat von Henry Ford, der es mit dieser Ansicht bis zum Milliardär geschafft hat, könnte man derzeit auch auf die Nationalmannschaft und ihre «Macher» Ottmar Hitzfeld und Michel Pont übertragen. Zusammengekommen ist die neue Generation nach den Rücktritten der Arrivierten, wie Alex Frei, Beni Huggel, Stéphane Grichting, Marco Streller, Blaise Nkufo und Ludovic Magnin gezwungenermassen. Mit der Zusammenarbeit haben der Nati-Coach und sein Assistent vor einer Woche begonnen und feilen an der neuen Nati.

Hier ein Gruss. Da ein Spruch und immer gute Laune. Michel Pont geht selten wortlos an den Journalisten oder Fans vorbei, die der Nati beim Training zusehen. Wie so oft ist Pont vor seinem Chef auf dem Platz. Bis Ottmar Hitzfeld und die Spieler kommen, hat der Assistent seine Vorbereitungen im kleinen Stade Achille Hammerel abgeschlossen.

Seit zehn Jahren Assistent

Wie selbstverständlich gehen ihm die Dinge von der Hand. Schliesslich ist er seit zehn Jahren Assistenzcoach bei der Nati. Von 2001 bis 2008 die Nummer 2 hinter Köbi Kuhn, der ihn zum SFV geholt hat. Seit Sommer 2008 hinter Hitzfeld. In erster Linie ist der Romand ein Zulieferer von Daten. Er sichtet die 40 bis 45 Spieler, die entweder in der Nati sind oder mögliche Kandidaten für ein Aufgebot werden könnten. Er sichtet Videomaterial, analysiert den Gegner, feilt an Themen wie taktische Kompaktheit, Verhalten bei ruhenden Bällen, Pressing etc. Für Pont hat sich lediglich das Team verändert, nicht die Aufgaben. Und so steht der Romand erneut vor einem Neuanfang und baut mit Hitzfeld die nächsten Generation auf.

Aber diesmal ist es anders. «Uns fehlt eine Generation dazwischen – das Mittelalter», weist Pont auf die aktuelle Problematik hin. Spieler im besten Fussballeralter, die zwischen 26 und 28 Jahre alt sind. «Man kann nicht einfach aus heiterem Himmel eine Mannschaft aufbauen. Dieses junge Team hat ein super Potenzial. Die Spieler müssen spüren, dass die Nationalmannschaft speziell ist und wir möchten sie dahin kriegen, dass sie Lust drauf bekommen, das Land träumen zu lassen.»

Die Zeit bis zur WM-Quali ist knapp

Pont weiter: «Uns fehlt die Zeit, mit der Mannschaft zu arbeiten». Der Wunsch im Staff wäre, einmal im Jahr die Möglichkeit zu haben, eine Woche mit der Mannschaft zu arbeiten. So wie sie es zuletzt vor dem Spiel gegen Bulgarien konnte, weil der erste Spieltag frei war. Oder wie man es früher gehandhabt hat, mit einem Kurz-Trainingslager im Winter, wie zum Beispiel in Miami oder Zypern. «Aber leider ist das gegen den Willen der Klubs und geschützte Fifa-Termine dazu gibt es nicht.» So hat das Duo Hitzfeld/Pont keine Wahl, aber die Zeit bis zur WM-Qualifikation ab September 2012 ist knapp. «Der Druck auf die Jungen ist gross – vielleicht zu gross», sagt Pont, «deshalb müssen wir uns bemühen, dass sie möglichst schnell an ihrer Aufgabe wachsen können.»

Die Achillesferse der Nati ist derzeit die Stürmerposition. Das weiss auch der Hitzfeld-Assistent. «Klar haben wir wenig Sturmspitzen zur Auswahl, aber wir haben gute Möglichkeiten dahinter. Mit Mehmedi, Emeghara, Seferovic, Ben Khalifa, Karanovic und Matias Vitkieviez nähern sich einige der A-Auswahl. Unsere Aufgabe - zusammen mit den Klubtrainern - wird sein diese möglichst schnell weiterzuentwickeln, damit sie bald bereit sind, für die Nati zu spielen. Die Tür ist aber für alle offen. Jeder Schweizer Profi darf davon träumen, für die Nationalmannschaft zu spielen. Für die nächsten Monate ist vorrangig, und wichtig, dass wir möglichst schnell wieder einen stabilen Kern haben – ein Herz der Nati.»

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