Finanzkrise: «Unser Finanzplatz steht im Moment sehr gut da»
Aktualisiert

Finanzkrise«Unser Finanzplatz steht im Moment sehr gut da»

Nach dem gescheiterten Finanzpaket spricht die USA von einem «wirtschaftlichen 11. September». Bankexperte Hans Geiger nimmt Stellung.

von
Deborah Balmer

Falls der 700-Milliarden-Dollar-Rettungsplan doch noch kommt: Ist dann alles gut?

Hans Geiger: Sicher nicht. Mit dem Rettungspaket würde der Staat die faulen Kre­dite nicht teuer zurückkaufen, sondern günstig. Die Verluste blieben weiterhin bei den Banken. Zudem muss zuerst wieder ein Markt für die Papiere entstehen. Zurzeit kauft niemand, und niemand weiss, wie viel die Kredite wert sind.

Und falls nicht?

Hans Geiger: Dann wären die USA wieder so weit wie vor einer Woche: Fed und Finanzdepartement müssten jeden Fall einzeln lösen. So wie dies bei Lehman Brothers der Fall war, die man bankrott gehen liess, und bei AIG, wo man sich für finanzielle Hilfe entschied.

War die Ankündigung des Plans ein Fehler, weil sich alle daran klammerten?

Hans Geiger: Nein, denn ein solches Paket muss vor den Kongress. Sehr einfach gesagt: Zahlen es die Steuerzahler nicht, zahlen es die Aktionäre.

Wie stark sind Schweizer Finanzinstitute gefährdet?

Hans Geiger: Nicht stärker als zuvor. Obwohl wir international verletzlich sind, weil unsere Banken für unser kleines Land sehr gross sind: Im Moment steht der Schweizer Finanzplatz sehr gut da.

Würde der Schweizer Staat bei Liquiditätsproblemen eingreifen?

Hans Geiger: Ja, die Nationalbank würde wohl Geld zur Verfügung stellen. Ich bin mir auch sicher, dass entsprechende Pläne bereitliegen.

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