«Unser Gesundheitssystem ist kaputt»
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«Unser Gesundheitssystem ist kaputt»

Dem Schweizer Gesundheitssystem fehle ein funktionierendes Kontrollsystem, deshalb sei es zu teuer, sagt der frühere BAG-Vizedirektor Hans Heinrich Brunner. Er bezeichnete das System als «kaputt».

Kontrollen auf verschiedenen Ebenen existierten nur auf dem Papier, sagte Brunner in einem Interview in der «Neuen Luzerner Zeitung» vom Freitag. «Sonst herrscht unter den verschiedenen Playern im Gesundheitsspiel eine grosse Kumpanei und Mauschelei.»

Wenn zum Beispiel ein Privatspital zusammen mit einer Krankenkasse ein Wellness-Programm aushecke, dann ärgere ihn das, sagte Brunner, der als BAG-Vizedirektor Ende 2005 zurücktrat und seither wieder vermehrt als Arzt tätig ist. Es zeige nämlich, wie abgeschliffen die Grenzen seien. «Die Kontrollen fehlen.»

Es gebe niemanden, nicht einmal die Patienten, die wirklich daran interessiert seien, dass die Kosten des Gesundheitswesens gesenkt würden. Es sei hauptsächlich ein strukturell bedingtes Problem, «weil niemand da ist, der dem anderen auf die Finger klopft», sagte der ehemalige FMH-Präsident Brunner weiter.

Es sei, wie wenn in der Politik Parlament, Bundesrat und Gerichte in einer Dauersitzung debattieren und gemeinsam entscheiden würden. «Das geht nicht. Unser Gesundheitssystem ist kaputt.» Es könne auch nicht einfach mit einer Revision des Krankenversicherungsgesetzes wieder geflickt werden.

Besserungen werde es erst geben, wenn der Druck aus dem Ausland oder der Wirtschaft so gross sei, dass die «megakartellähnlichen Strukturen» gebrochen und die Preise deshalb sinken würden. Brunner könnte sich vorstellen, «dass es zu einem Umdenken kommt, wenn das Gesundheitssystem 20 Prozent des Bruttosozialprodukts verschlingt».

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