Doktor Sex: Gino ist mit dem Sexleben mit seiner Freundin nicht zufrieden

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Doktor Sex«Unser Sexleben war schon immer schwierig!»

Gino ist enttäuscht von seiner Partnerin. Ihre Versprechen bezüglich Sex hält sie nicht ein und neulich behauptete sie auch noch, er würde sie nur auf Sex reduzieren. Was tun?

von
Bruno Wermuth
Ginos Freundin scheint Sex nicht so wichtig zu sein, ihm aber schon. Dr. Sex weiss Rat. (Symbolbild) 

Ginos Freundin scheint Sex nicht so wichtig zu sein, ihm aber schon. Dr. Sex weiss Rat. (Symbolbild) 

Pexels/Abhishek Gaurav

Frage von Gino (32) an Doktor Sex

Ich habe seit neun Jahren eine Freundin. Unser Sexleben war schon immer schwierig. Ich fand den Sex mit ihr nie wirklich gut und die Quantität nicht ausreichend. Wenn es hochkommt, haben wir einmal im Monat Geschlechtsverkehr und dazwischen gibts ab und zu einen Blowjob.

Als ich Geburtstag hatte, kündigte sie etwas Geiles an. Was kam? Nichts, wie immer! Ein andermal versprach sie mir Dessous und Sex nach meiner Arbeit. Ich war mega gespannt, als ich nach Hause kam und freute mich sehr. Aber sie hatte es vergessen.

In einem Gespräch sagte sie mir mal, dass ihr Sex nicht so wichtig sei. Als ich deshalb ärgerlich wurde, sagte sie, ich würde sie nur auf Sex reduzieren. Ich weiss nicht mehr weiter. Ich liebe meine Freundin und war ihr auch immer treu. Was soll ich tun?

Antwort von Doktor Sex

Lieber Gino

Was du schilderst, tönt schwierig und verfahren. Da sind zwei Menschen offensichtlich nicht in der Lage, ihre Beziehung zu klären und sich über ihre sexuellen Wünsche und Bedürfnisse so zu verständigen, dass beide einigermassen zufrieden sind.

Damit dies gelingen könnte, müsste euch beiden klar sein, wo ihr bezüglich Sex steht, also was ihr wollt und was nicht. Zudem müsstet ihr auch noch in der Lage sein, darüber offen und für das Gegenüber nachvollziehbar zu reden. Beides will gelernt sein und ich bezweifle, dass ihr diese Lernprozesse gemacht habt.

Was steht an?

Ihr habt euch gegenseitig genug lang bewiesen, dass eure bislang angewandten Strategien nicht zu einer Lösung führen, sondern zunehmend Verwirrung stiften und Leid erzeugen. Mehr vom selben ist also nicht nötig! Stattdessen geht es nun darum, Klarheit zu schaffen und ein Verhalten zu installieren, das einen echten Unterschied ermöglicht.

Beginnen wir mit der Bedürfnisklärung. Überlegt euch jede*r für sich, wie wichtig Sex grundsätzlich ist. Auf einer Skala von null – ich will keinen Sex und kann problemlos ohne leben – bis zehn – ich kann und will ohne Sex nicht leben: Welche Zahl bezeichnet den Stellenwert am eindeutigsten? 

Diese Einschätzung wird wohl bereits zu Ernüchterung führen, denn vermutlich werdet ihr euch auf den Extrempositionen gegenüberstehen: Du irgendwo zwischen sieben und zehn, deine Freundin zwischen null und drei.

Um die jeweilige Position auf der Skala verständlich zu machen, fragt ihr euch danach jede*r für sich, was für eine befriedigende körperliche Begegnung – also nicht nur bezüglich Sex – absolut unentbehrlich ist. Dadurch könnt ihr Gemeinsamkeiten erkennen, um die ihr euch in Zukunft kümmern könnt.

Was übrig bleiben wird, ist all das, was ihr nicht teilt und mit dem ihr für einander nicht anschlussfähig seid. Der Umgang mit diesen Differenzen wird herausfordernd sein. Ich empfehle euch daher, die Dienste einer erfahrenen Beratungsperson im Themenbereich Beziehung und Sexualität in Anspruch zu nehmen. Alles Gute!

Bist du zufrieden mit deinem Sexleben?

Deine Frage an Doktor Sex

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Bruno Wermuth führt in eigener Praxis in Bern und Zürich Paarberatung und Sexualberatung durch. Als «Doktor Sex» beantwortet er einmal wöchentlich eine Frage zu den Themen Beziehung, Liebe und Sexualität. www.brunowermuth.ch

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Lilli.ch, Onlineberatung

Tschau, Onlineberatung

Feel-ok, Informationen für Jugendliche

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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