Aktualisiert 18.09.2018 08:29

Haldenstein GR«Unser Sohn hat einen guten Freund verloren»

Ein 18-Jähriger baute in der Nacht auf Samstag einen Unfall. Dabei starb ein sehr guter Freund von ihm. Nun droht dem Unfallfahrer ein Verfahren.

von
Qendresa Llugiqi
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In einer langgezogenen Kurve in Haldenstein GR kam es zum Unglück: Das Auto geriet ins Schleudern, kam links von der Strasse ab und prallte heftig gegen einen Stromverteilerkasten.

In einer langgezogenen Kurve in Haldenstein GR kam es zum Unglück: Das Auto geriet ins Schleudern, kam links von der Strasse ab und prallte heftig gegen einen Stromverteilerkasten.

Kapo GR
Bei dem Unfall kommt der 17-jährige A. C. ums Leben, wie der «Blick» berichtete. Er sass hinten links und wurde laut der Polizei bei dem Unfall aus dem Auto geschleudert und tödlich verletzt.

Bei dem Unfall kommt der 17-jährige A. C. ums Leben, wie der «Blick» berichtete. Er sass hinten links und wurde laut der Polizei bei dem Unfall aus dem Auto geschleudert und tödlich verletzt.

Kapo GR

Ohne vorgeschriebene Begleitung ist ein 18-jähriger Lernfahrer in der Nacht auf Samstag mit einem BMW X3 herumgefahren. Mit dabei: vier junge Männer – alle unter 23 Jahre alt. In einer langgezogenen Kurve in Haldenstein GR kam es zum Unglück: Das Auto geriet ins Schleudern, kam links von der Strasse ab und prallte heftig gegen einen Stromverteilerkasten. Beim Unfall kommt der 17-jährige A. C.* ums Leben, wie der «Blick» berichtete. Er sass hinten links und wurde laut der Polizei bei dem Unfall aus dem Auto geschleudert und tödlich verletzt.

Ein Freund des Fahrers gaben der Zeitung an, dass er mit 120 km/h in die Kurve gefahren sei. Auch soll er darüber gelogen haben, dass er den Fahrausweis bereits besitzt. Nach dem Unfall sei der Fahrer einfach weggerannt.

Fahrer und seine Familie leiden mit

Am Sonntag nahmen Familie und Freunde Abschied von C. Beerdigt wird er aber erst am Dienstag. Auch in den sozialen Medien trauern viele um den jungen Mann. So zeigen viele Profilbilder keine Fotos mehr, sondern einfach Schwarz. C.s Onkel schreibt auf Facebook: «Mein Leben, mein Ein und Alles, mein Neffe A. Ich kann fast nicht schreiben. Ich kann es fast nicht aussprechen. Sterne sollen dich begleiten. Schlafe unter schönen Lichtern. Die Schmerzen sind gross.»

Der Vater des jungen Unfallfahrers lässt über seinen Anwalt Erich Vogel ausrichten: «Mein Sohn stand nach dem Unfall unter Schock. Er hat einen sehr guten Freund verloren, wodurch er traumatisiert ist. Er ist deswegen auch in psychologischer Behandlung. Auch uns tut der Verlust sehr leid. Wir haben das Opfer gekannt, er ging bei uns ein und aus. Wir trauern mit der Familie.»

Dem Fahrer droht ein Verfahren

Laut Maurus Eckert, Sprecher der Staatsanwaltschaft Graubünden, befand sich der Fahrer nach dem Unfall für zwei Tage in Haft, ist nun aber auf freiem Fuss. Auch wurde er bereits einvernommen. Gegen welche Gesetze der 18-Jährige durch diese Fahrt verstossen haben könnte, könne man noch nicht kommunizieren: «Wir sind gerade daran, den Unfallhergang sauber abzuklären. Erst wenn wir alles rekonstruiert haben, können wir Angaben zum Tatbestand machen», sagt Eckert.

«Im für den Unfalllenker schlimmsten Fall könnte hier die Staatsanwaltschaft den Tatbestand der fahrlässigen Tötung und den Rasertatbestand als erfüllt betrachten», erklärt der auf Verkehrsrecht spezialisierte Anwalt Yann Moor von der Kanzlei Prof. Giger & Partner. Mit grosser Wahrscheinlichkeit müsse sich der junge Mann aber wegen diverser Verstösse gegen das Strassenverkehrsgesetz verantworten: «Beispielsweise wegen mehrfacher grober Verletzung der Verkehrsregeln, weil er unter anderem zu schnell fuhr, oder aber wegen pflichtwidrigen Verhaltens nach einem Unfall, weil er sich trotz eines Personenschadens vom Unfallort entfernte.»

«Er ist damit bereits gestraft»

Der Tod des Freundes dürfte sich in einem Verfahren strafmildernd auswirken: «Er ist damit lebenslang gestraft. Er muss nun mit dem Tod des Freundes, mit seiner Trauer und Verzweiflung, aber auch mit den Anfeindungen im Ort klarkommen», erklärt Moor. Er schätzt: «Ausgehend von anderen Fällen ist davon auszugehen, dass der junge Mann bei einem Verfahren mit einer bedingten Freiheitsstrafe von maximal zwei Jahren davonkommt – insbesondere, falls er bisher nie auffällig geworden ist.»

Auch wird ihm der Lernfahrausweis für mindestens drei Monate entzogen werden. «Wobei angesichts der Vielzahl von Widerhandlungen eine längere Entzugsdauer im Raum stehen dürfte», sagt Moor. «Sollte der sogenannte Rasertatbestand erfüllt worden sein, wird der Führerausweis für mindestens zwei Jahre entzogen.» Allerdings sei grundsätzlich von der Unschuldsvermutung auszugehen.

*Name der Redaktion bekannt

944 Unfälle verursacht

Lernfahrer sorgen im Strassenverkehr immer wieder für Unfälle. Alleine im Jahr 2017 verursachten sie laut dem Bundesamt für Strassen 944 Unfälle – dies immer in korrekter Begleitung. In neun Fällen verloren Personen ihr Leben. In 134 Unfällen gab es Schwerverletzte und in 402 Fällen Leichtverletzte. Hinzu kommen 399 Fälle mit Sachschaden. In dieser Statistik sind sowohl Lernfahrer von Personenwagen als auch Motorräder und Lastwagen aufgeführt.

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