Foxconn-Selbstmorde: «Unser Sohn würde sich nie umbringen»
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Foxconn-Selbstmorde«Unser Sohn würde sich nie umbringen»

Seit Anfang Jahr starben nicht weniger als elf junge Mitarbeiter des taiwanesischen Unternehmens Foxconn. Dass es Selbstmord war, wird aber immer stärker angezweifelt.

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Ma Xiangqian hatte knapp 73 Tage beim Technologie-Unternehmen Foxconn gearbeitet, bevor man ihn tot auffand. Der 18-Jährige war von einem Hochhaus gesprungen. Er ist das erste von insgesamt elf Selbstmord-Opfern seit Anfang Jahr. Sechs Monate nach seinem Tod kann sein Vater immer noch nicht akzeptieren, dass er seinen Sohn verloren hat.

«Je länger wir darüber nachdenken, desto schmerzhafter wird es», sagt Vater Ma Zishan gegenüber dem Nachrichtendienst CNN. Sein Sohn habe sich über seine Jobgelegenheit bei Foxconn gefreut. Er habe dort einen relativ guten Lohn erhalten: Fast 300 US-Dollar pro Monat, Überstunden inklusiv. Seine Schwester Ma Liqun ist ebenfalls angestellt – in der Montagelinie.

«Wir müssen sehr präzise arbeiten, auf die Sekunde», erzählt sie. «Die Aufseher stehen hinter einem mit einer Stoppuhr. Während der Arbeit ist es uns nicht erlaubt zu reden oder uns umzusehen.» Ma Liquns Berichte sind nicht die einzigen, die ein schlechtes Licht auf die harschen Arbeitsbedingungen beim IT-Unternehmen werfen. Von der Organisation China Labor Watch befragte Arbeiter hatten bereits vor Wochen die hohe Selbstmordrate bei der Firma auf den hohen Arbeitsdruck zurückgeführt. Sie hätten nur einen Tag pro Woche frei und die Schichten dauern zehn bis zwölf Stunden, berichteten sie.

Leichen werden nicht eingeäschert

Doch Ma Xiangqians Eltern zeigen sich skeptisch. Sie glauben nicht, dass ihr Sohn fähig gewesen sei, sich das Leben zu nehmen. Der Vater deutet im Interview mit CNN auf merkwürdige Flecken auf der Leiche. In den Grossaufnahmen seien Narben zu erkennen, sagt er. Mutter Gao Chaoying kann sich auch nicht vorstellen, dass ihr Kind sich umgebracht hat. «Er würde alles aushalten, sogar wenn sie ihn zu Tode geschlagen hätten, aber er würde sich nie selber töten.»

Foxconn-Sprecher Liu Kun weist die Andeutungen der Eltern kategorisch zurück. Alle Todesfälle seien von der Polizei untersucht worden und es gebe keine Hinweise, dass die Selbstmorde mit den Arbeitsbedingungen in der Fabrik in Zusammenhang stehen. Doch trotz der polizeilichen Ermittlungen lassen die meisten Eltern die Leichen ihrer Kinder nicht einäschern. Sie haben bei den zuständigen Staatsanwaltschaft weitere Abklärungen beantragt. Ob diese tatsächlich stattfinden, wird erst in zwei Monaten entschieden.

Schuldgefühle bei Steve Jobs?

Doch nun melden sich die ersten US-Unternehmen, die bei Foxconn in Shenzhen ihre Produkte herstellen lassen. Foxconn produziert unter anderem für Apple das iPhone und das iPad. Hewlett Packard, Dell und Sony Ericsson gehören auch zu Foxconns zahlreichen Kunden.

Als erster nahm Apple-CEO Steve Jobs in einem E-Mail Stellung: Er hält seine Firma für das Unternehmen mit dem weltweit höchsten Mass an sozialer Verantwortung. Jeder Selbstmord sei tragisch, schreibt Jobs, aber die Selbstmordrate von Foxconn liege weit unter dem chinesischen Durchschnitt. Sein Unternehmen kümmere sich um die Angelegenheit.

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