Aktualisiert 19.06.2015 12:29

Günstiger als in DeutschlandUnsere Abos machen uns zu Dauersurfern

Wir surfen viel mehr mit dem Handy als unsere deutschen Nachbarn. Grund: In der Schweiz zahlt es sich schlicht nicht aus, nur wenig ins Internet zu gehen.

von
Th. Bigliel

Die Schweiz ist eine App-Nation. Ob im Zug, im Restaurant oder auf dem Wanderausflug: Überall werden Facebook-Bilder hochgeladen, Begriffe gegoogelt oder Wetterinformationen abgerufen. Rund 83 Prozent der Schweizer nutzen ihr Telefon inzwischen, um damit ins Internet zu gehen. Laut einer kürzlich publizierten Studie verbringen wir pro Tag 50 Minuten im mobilen Internet. Damit hat sich der Internetkonsum seit 2010 mehr als versiebenfacht. Und bei der Tablet-Nutzung gehört die Schweiz sogar zur Weltspitze.

Auch in Deutschland und Österreich boomt das Surfen mit dem Smartphone. Den internetbegeisterten Schweizern können die beiden Länder aber nicht das Wasser reichen. So nutzen in Österreich zwar 77 Prozent die Onlinefunktion ihres Handys, in Deutschland sind es hingegen nur noch 50 Prozent. Die Hälfte der Deutschen nutzt ihr Telefon also nur zum Telefonieren. Das hat einen Grund. «Im Gegensatz zur Schweiz sind Flatrates mit hohem Datenvolumen in Deutschland eher die Ausnahme. Sie rechnen sich für den Durchschnittsnutzer einfach nicht», sagt Lundquist Neubauer vom deutschen Verbraucherportal Toptarif auf Anfrage von 20 Minuten.

Eine Aussage, die erstaunt, – denn normalweise ist es die Schweiz, die als Hochpreisinsel gilt. Im Ausland telefoniert und surft es sich wesentlich billiger, so die vorherrschende Meinung in der Schweiz.

Im Ausland ist es nicht zwingend günstiger

Bei genauerem Hinsehen erweist sich dies jedoch als falsch. Zumindest teilweise. Eine Auswertung des Online-Vergleichsdiensts Comparis im Auftrag von 20 Minuten zeigt: Für Wenignutzer ist die Schweiz tatsächlich ein teures Pflaster. In Deutschland und Österreich sind vergleichbare Angebote wesentlich billiger. Aber: Wer mit seinem Telefon regelmässig ins Internet geht, fährt in der Schweiz vergleichsweise gut. So bezahlt man für ein Flatrate-Angebot mit 10 GB in der Schweiz durchschnittlich 68 Franken. Mit «Mobile Super» von UPC Cablecom surft und telefoniert man hierzulande pro Monat sogar bereits ab 49 Franken. In Deutschland gucken Vielsurfer hingegen in die Röhre. Hier kostet ein 10-GB-Abo im Schnitt stolze 87 Franken. Selbst das günstigste Angebot von Billiganbieter Smartmobile schlägt mit umgerechnet 73 Franken zu Buche.

Laut Comparis-Mobilfunk-Experte Ralf Beyeler ist der Schweizer Wohlstand mitverantwortlich für die grossen Unterschiede zu den Nachbarländern. Die in der Schweiz bereits enorme und stark wachsende Verbreitung von Smartphones und Tablets habe einen grossen Einfluss auf die Preispolitik von Swisscom, Sunrise, Salt und UPC gehabt. Die Nachfrage nach hohen Datenvolumen war früh sehr gross. Eine Entwicklung, die durch Flatrate-Angebote zusätzlich befeuert wurde. «Mit der Einführung der Infinity-Abos hat die Swisscom 2012 kräftig an der Preisschraube gedreht», meint Beyler. Dass auch andere Anbieter auf diesen Zug aufgesprungen sind, habe nicht nur zu einem Anstieg beim Datenverkehr geführt, sondern auch die Gebrauchsgewohnheiten vieler Schweizer auf den Kopf gestellt. «Datenabos und Flatrates sind heute nicht mehr wegzudenken», so Beyeler.

Von den Österreichern lernen

Dass die Schweiz bei grossen Datenvolumen ein breites Angebot hat, anerkennt auch der Konsumentenschutz. «Die Handy-Nutzung in der Schweiz ist aber immer noch zu teuer», meint Konsumentenschützerin Sara Stalder. Insbesondere die Gelegenheitsnutzer müssten in Zukunft bessergestellt werden. Österreich sei dafür ein gutes Beispiel. Hier kommen surfbegeisterte Handynutzer durch die Bank am besten weg. Ein kleines oder mittleres Datenabo ist im österreichischen Nachbarland bereits für die Hälfte des Schweizer Preises zu haben. Und mit umgerechnet 47 Franken pro Monat kommen in Österreich sogar Vielsurfer auf ihre Kosten.

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