Protest wohl abgeschmettert - «Unsere Brüder wurden beraubt» – Tunesien schäumt nach Schiri-Eklat
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Protest wohl abgeschmettert«Unsere Brüder wurden beraubt» – Tunesien schäumt nach Schiri-Eklat

Beim Afrika Cup sorgt ein Schiedsrichter-Skandal nach der 0:1-Niederlage Tunesiens gegen Mali für Unmut. Nun soll der tunesische Verband erfolglos Protest gegen die Spielwertung eingelegt haben.

von
Florian Gnägi
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Janny Sikazwe pfiff beim Spiel Tunesien gegen Mali (0:1) zweimal zu früh das Spiel ab.

Janny Sikazwe pfiff beim Spiel Tunesien gegen Mali (0:1) zweimal zu früh das Spiel ab.

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Die Tunesier fühlen sich dadurch betrogen.

Die Tunesier fühlen sich dadurch betrogen.

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Tunesien-Trainer Mondher Kebaier sagt, so etwas habe er in 30 Jahren Fussball noch nie erlebt.

Tunesien-Trainer Mondher Kebaier sagt, so etwas habe er in 30 Jahren Fussball noch nie erlebt.

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Darum gehts

  • Beim Afrika Cup sorgt eine fragwürdige Schiedsrichter-Leistung beim Spiel Mali gegen Tunesien (1:0) für Aufsehen.

  • Der Unparteiische aus Sambia war bereits 2018 wegen Korruptionsvorwürfen suspendiert gewesen.

  • Die Tunesier legten Protest gegen die Spielwertung ein und hofften auf eine Wiederholung der Partie.

  • Der afrikanische Verband lehnte jenen jedoch offenbar ab.

So was hat die Fussball-Welt noch nicht gesehen. Bei der Partie Tunesien gegen Mali (0:1) am Afrika Cup pfeift Schiedsrichter Janny Sikazwe gleich zweimal zu früh das Spiel ab und sorgt damit für einen handfesten Eklat. Auf Geheiss des afrikanischen Verbandes sollte die Partie dann nochmals für drei Minuten fortgeführt werden, als sich der malische Trainer Mohamed Magassouba bereits an der Pressekonferenz befand. Malis Spieler kehrten dann wieder aufs Feld zurück, doch die Tunesier nicht, denn diese befanden sich zu jenem Zeitpunkt bereits beim Regenerationsprogramm. Damit blieb es beim knappen 1:0-Sieg von Mali.

«Erst fordert der Schiedsrichter uns auf, in die Umkleidekabine zu gehen, dann machen die Spieler bereits 35 Minuten ein Eisbad und anschliessend bitten sie uns, wieder auf den Platz zu kommen? So etwas habe ich in 30 Jahren im Profifussball noch nie erlebt», meint der stocksaure Tunesien-Coach Mondher Kebaier nach dem Skandal-Spiel und sagt weiter: «Ich kann nicht verstehen, wie er diese Entscheidung getroffen hat. Wir werden nun sehen, was weiter passiert.»

Protest vom tunesischen Verband wohl abgeschmettert

Hussein Jenayah, der Direktor des tunesischen Verbandes, widersprach seinem Trainer in dem Punkt, wonach die Spieler zu einer Wiederaufnahme der Partie aufgefordert wurden: «Niemand hat uns gebeten, das Spiel wieder aufzunehmen», verkündete Jenayah den anwesenden Journalisten in der südwestlichen Stadt Kameruns, Limbe.

Afrikanische Medien berichten am Mittwochabend, dass der tunesische Fussballverband bereits Protest gegen die Wertung des Spieles eingelegt habe. Denn: Offenbar besagt eine Passage in den Regeln des Turniers Folgendes: «Ein Spiel, das vor seinem Ende endgültig abgebrochen wurde, muss wiederholt werden, sofern die Wettbewerbsregeln nichts anderes vorsehen.»

BeinSports meldet dann am Mittwochabend, dass der Protest der Tunesier abgeschmettert wurde und dass sie nach der Niederlage auf dem grünen Teppich nun ihrerseits Sanktionen durch den afrikanischen Fussballverband befürchten müssen. Was genau den Kickern und Funktionären aus dem Maghrebstaat vorgeworfen wird, ist noch unklar.

Training der Reservisten wegen Terror-Bedrohungen abgesagt?

Weiter hätte es für die tunesischen Ersatzspieler nach der Partie eigentlich mit einer Trainingseinheit im Stadion gehen sollen, doch zu dem kam es nicht mehr. Wie das tunesische Radio «Radio Mosaïque FM» berichtete, soll die geplante Trainingseinheit auf Antrag der kamerunischen Sicherheit nach terroristischen Bedrohungen abgesagt worden sein.

Ob es sich dabei wirklich um Terror gehandelt hat oder ob die Veranstalter das Training aufgrund der aufgeheizten Stimmung rund um die Schiedsrichter-Entscheide fallen liessen, bleibt offen.

Schiedsrichter wurde bereits 2018 suspendiert wegen Korruptionsverdacht

Nicht geklärt ist bislang auch, was mit Janny Sikazwe los war. Offenbar soll auf dem Spielberichtsbogen vermerkt worden sein, dass der Unparteiische «krank» gewesen sei.

Gerade die tunesischen Spieler und Fans wittern jedoch viel eher einen Bestechungsskandal, denn der sambische Schiedsrichter wurde bereits 2018 wegen Korruptionsverdachts vorläufig suspendiert, nachdem er das Spiel zwischen Tunesiens Top-Club Esperance Tunis und Primeiro de Agosto aus Angola in der afrikanischen Champions League geleitet hatte. Die Suspendierung wurde letztlich jedoch aufgrund fehlender Beweise wieder aufgehoben. 2018 leitete Sikazwe auch zwei Partien an der WM in Russland.

Erinnerungen an Ahlenfelder und Bitte an Eto’o

Der Schiri-Skandal bei Mali gegen Tunesien schlägt auch in den sozialen Medien hohe Wellen. Vielen deutschen Fussball-Fans kam bei dem turbulenten Afrika-Cup-Spiel sofort der Fall Ahlenfelder in den Sinn. Dabei sorgte im November 1975 bei der Bundesliga-Partie zwischen Werder Bremen und Hannover 96 Schiedsrichter Wolf-Dieter Ahlenfelder für ein Kuriosum, als er unter starkem Alkoholeinfluss bereits nach 32 Minuten die erste Halbzeit abpfiff, dann doch weiterspielen liess und letztlich 90 Sekunden vor Ablauf der regulären Spielzeit endgültig zur Halbzeit pfiff.

Ein afrikanischer Twitter-User zeigte sich beschämt ob der Szenerie in Limbe und adressierte direkt an Kamerun-Legende Samuel Eto’o, der mittlerweile Präsident des Fussballverbandes seines Landes ist: «Das ist einer der Gründe, warum niemand Afrika respektiert, denn unsere tunesischen Brüder werden ausgeraubt. Sie geben immer gute Kommentare ab. Ich bitte Sie, dieses Problem zu lösen.»

Einem tunesischen Supporter ist die Lust auf den Africa Cup nach dem grotesken Turnierauftakt gleich komplett vergangen. Der Fan schreibt in einem Tweet: «An Stelle des Präsidenten des tunesischen Verbandes würde ich die Spieler mitnehmen und sofort wieder direkt nach Tunis zurückkehren und die Spieler zu ihren Clubs entlassen.»

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