Hans Eggenberger: «Unsere Gesellschaft gerät in Schieflage»
Aktualisiert

Hans Eggenberger«Unsere Gesellschaft gerät in Schieflage»

Nach 19 Jahren tritt Hans Eggenberger als Pressesprecher der Kapo St.Gallen zurück. Der bestinformierte Polizist über seinen Job und den Fall Ylenia.

von
Sascha Schmid

Herr Eggenberger, während Ihrer Amtszeit gab es im Kanton 188 Tötungen, 377 Vergewaltigungen und 688 Verkehrstote. Wie ist es, jeden Tag negative Nachrichten überbringen zu müssen?

Ich kann ja nichts dafür. Was wir mitteilen, ist das Spiegelbild unserer Gesellschaft. Wir können sie nicht verbessern. Aber man bekommt schon ein anderes Weltbild.

Welches Ereignis hat Sie am meisten geprägt?

Grundsätzlich Verbrechen, bei denen Kinder involviert waren. Der Fall Ylenia war dabei der schlimmste – auch weil die Tat so sinnlos und grausam war, ging sie mir sehr nahe. Zudem war die Arbeitsbelastung enorm. Pro Stunde erhielten wir bis zu 150 Anrufe von Medien.

Wie hat sich die Gesellschaft in 19 Jahren Ihrer Meinung nach verändert?

Ich habe manchmal das Gefühl, dass sie immer mehr in Schieflage gerät. Sie ist brutaler geworden, und gewisse Wertvorstellungen sind nicht mehr so wichtig. Zum Beispiel Respekt vor den Mitmenschen und vor fremdem Eigentum. Aber den Glauben an die Menschheit habe ich deswegen nicht verloren.

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