18.05.2015 19:32

Hauchdünne Antenne

Unsere Haut wird zum Funkgerät

Das Wundermaterial Graphen wird massentauglich. Bieg- beziehungsweise tragbare Funktechnik soll schon bald für alle erschwinglich sein.

von
pst
Antennen-Haut: Jetzt können ultra-dünne RFID-Chips günstig produziert und vielfältig eingesetzt werden.

Antennen-Haut: Jetzt können ultra-dünne RFID-Chips günstig produziert und vielfältig eingesetzt werden.

Forschern der University of Manchester ist es zusammen mit der Firma BGT Materials Limited gelungen, eine Antenne aus gepresster Graphen-Tinte herzustellen. Der aus dem Drucker stammende Graphen-Transponder sei stark genug, um beispielsweise in der Radio-Frequenz-Identifikation (RFID) eingesetzt werden zu können, wie die Forscher auf Sciencedaily.com berichten.

Ausserdem könnte er auf kabellosen Sensoren zum Einsatz kommen. Die Vorteile von Graphen als Leiter-Material sind seine Biegsamkeit, die Umweltverträglichkeit und – was bisher noch nicht bekannt war – die günstige Herstellung. Deshalb tauge das Material auch bestens zur Massenproduktion.

«Kein wissenschaftliches Wunder mehr»

Graphen soll gemäss den Wissenschaftlern der University of Manchester schon sehr bald viele Anwendungsbereiche im täglichen Leben finden. «Der Punkt ist, dass Graphen kein wissenschaftliches Wunder mehr ist», so Projekt-Koordinator Kostya S. Novoselov gegenüber Sciencedaily.com.

Indem die Graphen-Tinte gepresst wird, kann ihre Leitfähigkeit um das über 50-fache erhöht werden. Das durch die Pressung entstandene Graphen-Laminat ist zudem doppelt so konduktiv wie bisher hergestellte Graphen-Tinte und kann zur Übermittlung von Radiofrequenzen eingesetzt werden.

Vom Papier auf die Haut

Getestet wurde das Laminat, indem die Forscher eine 14 Zentimeter auf 3,5 Millimeter grosse Graphen-Antenne auf ein Stück Papier druckten. Sie sei in der Lage gewesen, Radiofrequenzen effizient auszustrahlen, wie der am Forschungsprojekt beteiligte Xianjun Huang von der Universität Manchester sagte.

Die Möglichkeit, elektronische Komponenten auf günstige, biegsame Materialien wie Papier oder Plastik zu drucken, könnte der nächste Meilenstein für kabellose Technologien sein. Systeme zum automatischen und berührungslosen Identifizieren und Lokalisieren von Objekten und Lebewesen mit Radiowellen, die schon heute in den verschiedensten Bereichen eingesetzt werden, dürften künftig noch allgegenwärtiger werden. So sollte es auch möglich sein, RFID-Sender auf statt unter der Haut zu tragen.

Die meisten heute kommerziell genutzten RFID-Chips bestehen aus relativ teuren Materialien wie Aluminium oder Kupfer. «Auf Graphen basierende RFID-Chips können die Produktionskosten signifikant reduzieren, da sie viel einfacher herzustellen sind und das Material viel günstiger ist», so Huang.

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