Limitiertes Denken: Unsere Hirnleistung ist begrenzt
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Limitiertes DenkenUnsere Hirnleistung ist begrenzt

Das Leben besteht aus Geben und Nehmen - das gilt auch für das Gehirn: Wenn es eine Funktion hinzugewinnt, muss es an anderer Stelle Einbussen in Kauf nehmen.

Das menschliche Gehirn kann nicht immer klüger werden, ohne dass wir dafür an anderer Stelle etwas einbüssen müssen. Zu diesem Schluss kommt ein Psychologe der Universität Basel gemeinsam mit einem britischen Kollegen in einer Übersichtsstudie.

Der Begriff Hirndoping macht immer wieder Schlagzeilen: Eine neue Generation von Medikamenten verspricht intellektuelle Höhenflüge für jedermann. Doch können diese Pillen überhaupt halten, was sie versprechen? Und weshalb hat uns die Evolution bisher nicht klüger gemacht, als wir es sind?

Diesen Fragen gingen Thomas Hills von der britischen Universität Warwick und Ralph Hertwig von der Fakultät für Psychologie der Universität Basel nach. Im Fachmagazin «Current Directions in Psychological Science» zeigen sie auf, weshalb die Vorstellung, der Mensch der Zukunft habe ein «Superhirn», wohl Science-Fiction ist.

Ständiger Kompromiss

Aufgrund der Analyse diverser Studien kommen die beiden Forscher zum Schluss, dass eine fortwährende Steigerung der geistigen Fähigkeiten dazu führen kann, dass wir zu viel des Guten haben. Für jeden Gewinn - zum Beispiel ein besseres Gedächtnis - muss bei einer anderen Fähigkeit ein Preis bezahlt werden.

Hills und Hertwig zeigen dies anhand diverser Beispiele auf, wie die Universität Warwick mitteilte: Die Juden aus Mittel- und Osteuropa, die so genannten Aschkenasim, haben laut Studien zum Beispiel eine deutlich höhere Intelligenz als der durchschnittliche Europäer.

Das geht aber einher mit einem Nachteil: Bei den Aschkenasim sind vererbte Hirnkrankheiten wie Morbus Gaucher oder das Syndrom Thai-Sachs häufiger als in anderen Bevölkerungsgruppen. Auch Menschen mit unglaublicher Begabung in einem bestimmten Bereich, so genannte Savants, leiden laut den Forschern oft an Krankheiten, zum Beispiel Autismus.

Ritalin und Espresso

Auch Studien mit Substanzen wie dem Medikament Ritalin weisen darauf hin, dass das Hirn nicht unbegrenzt verbessert werden kann. Ritalin hilft laut den Forschern zwar bis zu einem bestimmten Grad bei Menschen mit kognitiven Problemen. Doch Menschen, die sich gut konzentrieren können, verschlechtern ihre Leistung eher, wenn sie die Substanz nehmen.

Auch beim Kaffeekonsum gibt es demnach einen solchen Güterkonflikt. Der Espresso macht zwar geistig hellwach, doch laut der Mitteilung kann er auch Angstgefühle wecken oder dafür sorgen, dass die feinmotorischen Fähigkeiten eines Menschen abnehmen.

Es scheine also eine Art Grenzwert zu geben für geistige Funktionen wie Aufmerksamkeit, Gedächtnis oder Intelligenz, wird Hills in der Mitteilung zitiert. Es sei ähnlich wie beim Autofahren: Ein Fahrer, der sich zu stark auf einen Aspekt konzentriert, etwa ein Fahrzeug im Rückspiegel, übersieht eher ein anderes Auto, das vorne die Spur wechselt. (sda)

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