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Sportlerreaktionen auf Social Media«Unsere Köpfe wären schon längst weggeblasen worden»

Die Tumulte in Washington lassen auch die Sportwelt nicht kalt. Zahlreiche grosse Namen haben sich auf Social Media zu Wort gemeldet.

von
Alpcan Özkul

Basketball-Spieler Russell Westbrook äussert sich zum Chaos in Washington.

20Min

Darum gehts

  • In den USA haben Demonstranten das Capitol gestürmt.

  • Profisportler aus allen Disziplinen reagieren auf Social Media.

  • Fast alle weisen auf eine vorherrschende Doppelmoral hin.

Nach den schockierenden Ausschreitungen im Washingtoner Capitol meldeten sich zahlreiche Profisportler auf Social Media zu Wort und verurteilten die Trump-Anhänger aufs Schärfste.

Basketball-Legende Dwyane Wade schreibt etwa: «Schwarze Menschen werden von der Polizei angehalten und überleben es nicht. Wir können nicht in unseren Betten schlafen, ohne getötet zu werden. Wir können nicht joggen, ohne getötet zu werden. Wir können nicht mit unseren Kapuzenpullis die Strasse runterlaufen, ohne getötet zu werden. Und sie können das tun?»

Warriors-Star Stephen Curry gräbt indes einen gar nicht so alten Tweet von Trump aus und deutet auf die Doppelmoral des amtierenden US-Präsidenten. Im Juli 2020 schrieb Trump: «Anarchisten, Unruhestifter oder Demonstranten, die vandalieren oder unseren Bundesgerichtshof in Portland oder andere Bundesgebäude in unseren Städten und Staaten beschädigen, werden (…) verurteilt. MINDESTENS ZEHN JAHRE GEFÄNGNIS! Tut es nicht!»

Celtics-Guard Jayler Brown schreibt derweil «Sich niederknien ist respektlos gegenüber Amerika, aber das Kapitol zu stürmen ist es nicht» und spielt dabei auf die von Colin Kaepernick losgelösten Proteste gegen Rassismus in der NFL an. Tatsächlich setzten die Spieler vor der Partie Boston Celtics gegen Miami Heat am Mittwoch ein Zeichen, indem sie sich allesamt während der Nationalhymne auf den Boden knieten.

Nach der Partie gegen Heat äusserte sich Brown weiter: «Es erinnert mich daran, was Dr. Martin Luther King sagte: Dass es zwei geteilte Amerikas gibt. Im einen wirst du umgebracht, weil du in deinem Auto schläfst, Zigaretten verkaufst oder in deinem Garten spielst. Im anderen Amerika kannst du das Kapitol stürmen. Kein Tränengas, keine Massenverhaftungen.»

«Ein beschämender Tag für unser Land»

Stan Van Gundy, Cheftrainer der New Orleans Pelicans, wirft derweil eine rhetorische Frage in den Raum: «Wie würdet ihr die Menschen im Kapitol klassifizieren? Demonstranten? Randalierer? Einheimische Terroristen? Anarchisten? Gewalttätige Extremisten?» In einem weiteren Tweet fügte Van Gundy an: «Wir ernten, was wir säen. Das Debakel im Capitol bahnte sich die letzten vier Jahre an. (…) An die, die solches Verhalten toleriert, ja sogar unterstützt haben: Seid ihr jetzt stolz?» Er redet weiter von «einem beschämenden Tag für unser Land».

«Unsere Köpfe wären schon lange weggeblasen worden» – einer bildhafteren Sprache bedient sich der momentan vereinslose, zweifache NBA-All-Star Isaiah Thomas.

«Das ist NICHT Amerika!»

«Wie lange würde es dauern, bis die Nationalgarde eingesetzt wird, wenn die Demonstranten schwarz wären?», fragt der elffache NBA-Champion Bill Russell. «Und wie viele wären tot? Das ist NICHT Amerika!», fügt er weiter an. Dazu postet er ein Foto, auf dem zu sehen ist, wie Demonstranten im Capitol eine Flagge der Konföderierten Staaten von Amerika schwingen, die heute auch als rassistisches Symbol verwendet wird.

Die Weltfussballerin von 2019, Megan Rapinoe, postete ein Video, auf dem zu sehen ist, wie Polizisten den Randalierern den Weg freimachen:

Auch hatten die Ereignisse in Washington DC Einfluss auf das Sportgeschehen auf dem Platz: Das College- Basketball-Spiel zwischen UMass und George Washington musste aufgrund der angespannten Lage in der US-Amerikanischen Hauptstadt abgesagt werden.

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