Blerim Dzemaili : «Unsere Nati ist eine grosse Mannschaft»

Aktualisiert

Blerim Dzemaili «Unsere Nati ist eine grosse Mannschaft»

Im Klub wie in der Nati steht Blerim Dzemaili hinter Gökhan Inler und Valon Behrami an. Am Dienstag gegen Slowenien will der Napoli-Söldner zeigen, was er kann.

von
S. Compagno und E. Tedesco

Blerim Dzemaili spricht vor dem Spiel gegen Slowenien vor den Medien über Topf 1, Konkurrenzkampf und Highlights. (Video: 20 Minuten)

Blerim Dzemaili, täuschen wir uns oder erinnert Ihre Situation in der Nationalmannschaft stark an jene bei der SSC Napoli?

Blerim Dzemaili: Das ist in der Tat so. Aber ich bleibe ruhig. Schliesslich ist Napoli eine grosse Mannschaft – und unsere Nati auch. Ende der letzten Saison hatte ich eigentlich gedacht, es wäre jetzt anders. Ich hatte eine sehr gute Rückrunde gespielt. Aber diese Saison habe ich mich plötzlich wieder in der gleichen Lage gefunden wie Anfang der letzten Saison als zweite Wahl. Was soll ich sagen? «Non mollare mai» – gib niemals auf.

In der Nati spielten Sie ausgerechnet im Spiel gegen Island durch, in dem die Schweiz vier Tore kassierte.

Ich hatte damals das Gefühl, ein gutes Spiel gezeigt zu haben. Aber nach dem 4:1 waren wir wohl zu sicher, dass wir schon gewonnen hatten und liessen die Isländer nochmals ausgleichen. Wir haben daraus viel gelernt und anschliessend zwei ganz starke Auswärtsspiele gezeigt.

Nach aussen entstand aber folgender Eindruck: Aha, Inler fehlt und die Nati kassiert vier Tore.

Ja, und ich war dann auch der einzige Wechsel in der Mannschaft vor dem Norwegen-Spiel. Offen gestanden tat das schon etwas weh. Aber ich muss das akzeptieren.

Sie haben schon vor sechs Jahren mit Gökhan Inler in Zürich gespielt. Sehen Sie ihn als Konkurrenten oder als Freund?

Ich bin kein neidischer Mensch. Es ist sicher mehr Freundschaft.

Spielen Sie am Dienstag gegen Slowenien?

Wir wissen noch gar nichts, haben nach dem Albanien-Spiel bis jetzt (das Gespräch fand am Montagvormittag in Feusisberg statt, Anm. d. Red.) auch noch keine taktischen Übungen gemacht. Aber da ich hier an der Medienkonferenz sitze, gehe ich schon davon aus, dass ich spiele.

Worum geht es konkret für Sie gegen Slowenien?

Es geht um eine Chance zu spielen und auch um eine Genugtuung für jene Spieler, die immer dabei waren, aber weniger spielen konnten. Für solche Spieler, wenn sie denn am Dienstag im Einsatz stehen, wird es auch eine Anerkennung sein, dass wir immer mitgezogen haben mit der Gruppe. Ich sehe einen allfälligen Einsatz auch als Chance. Letztlich geht es – obwohl Fussball ein Mannschaftssport ist – auch darum, Werbung in eigener Sache zu betreiben.

Wie schwierig ist es, die Spannung aufrechtzuerhalten nach dem Sieg in Albanien und der definitiven WM-Qualifikation?

Der Druck wird sicher kleiner sein, wir sind qualifiziert für die WM und das war das erste Ziel. Jetzt geht es darum, unseren Fans einen guten Match zu bieten und diese Qualifikation zu einem guten Abschluss zu führen. Wir wollen das Spiel auch geniessen.

Und mit einem Sieg kann die Schweiz in Los-Topf 1 vorstossen – neben grossen Fussball-Nationen wie Brasilien, Spanien, Deutschland oder Italien.

Wir haben ja bewiesen, dass wir mit guten Mannschaften mithalten können. Wenn wir es wirklich schaffen, dann stehen wir sicher verdient da oben in Topf 1. Wir sind 13 Spiele ungeschlagen und haben gezeigt, dass wir mit jedem Gegner mithalten können. Diese Nati hat unglaublich viel Qualität und Potenzial. Wenn man nur schon die zweite Garde betrachtet, die in Albanien auf der Bank sass, muss man sagen: Wow, was für eine Mannschaft! Zurzeit ist es eher so, dass die grossen Gegner Angst vor der Schweiz haben als umgekehrt.

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