Aktualisiert 02.11.2011 13:41

TV-Sportchef

«Unsere Zuschauer haben gewonnen»

Urs Leutert sagt, warum die Fussball-Verhandlungen die anspruchsvollste Zeit seiner Karriere prägten und wie die TV-Zukunft unserer Fussball- und Eishockey-Meisterschaft aussieht.

von
Klaus Zaugg
Urs Leutert ist Sport-Leiter des Schweizer Fernsehens.

Urs Leutert ist Sport-Leiter des Schweizer Fernsehens.

20 Minuten Online: SRG-Generaldirektor Roger de Weck hat auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzung mit der Liga von einer «Nullbild-Strategie» gesprochen. Hand aufs Herz: Drohte wirklich die Gefahr, dass die Fussballmeisterschaft vom Bildschirm verschwindet?

Urs Leutert: Da es nicht so weit gekommen ist, brauchen wir uns nicht mehr mit diesem Szenario zu befassen. Aber auch wenn es fast unmöglich scheint: Es war nicht undenkbar.

Sie standen immer wieder im Mittelpunkt der Auseinandersetzung. Nach dem Motto: Der Leutert gegen die Fussball-Liga.

Es gehört zum Sport, dass auf den Mann gespielt wird. Ich bin jetzt seit 20 Jahren im Geschäft, und ja, der letzte Sommer war sicher die anspruchsvollste Zeit für mich. Auch wenn es da und dort so dargestellt worden ist: Es ging nie um meine Person. Meine Befindlichkeiten haben nie eine Rolle gespielt. Es ging mir immer nur um eines: Um die Interessen und Bedürfnisse unseres Publikums. Und alle Schritte waren immer mit der SRG-Geschäftsleitung abgestimmt.

Sie sind nun der grosse Sieger: Sie haben nun doch bekommen, was Sie ursprünglich von der Liga wollten, haben aber weniger Verpflichtungen. Die Abdeckung der Challenge-League, die Sie offeriert hatten, fällt nun beispielsweise weg.

Unsere Zuschauer haben gewonnen, es geht, wie ich schon sagte, nicht um mich. Aber es ist so: Alle Verpflichtungen, die wir gegenüber der Liga eingegangen wären – zum Beispiel die Abdeckung der Challenge League, die ganze Promotion und ein Fussball-Magazin -, fallen nun weg.

Heisst das, dass das Fussball-Magazin nun wegfällt?

Wie unsere Fussball-Berichterstattung aussehen wird, ist noch offen. Es gibt viele Ideen. Ein Fussball-Magazin oder ein Ausbau des Fussballteils im Sportpanorama sind denkbar.

Sie wollten ursprünglich für alle 36 Livespiele das Erstwahlrecht. Nun können sie lediglich bei 18 Runden das Spiel bestimmen.

Das sieht dramatischer aus, als es in Wirklichkeit ist. Es gibt ja meistens nicht nur ein Topspiel. Es gibt sehr oft mehrere interessante Spiele. Wir werden also 36 attraktive Partien übertragen und das Publikum wird kaum merken, ob wir die erste Wahl hatten oder nicht. Wir planen bei allen 36 Spielen einen einheitlichen Auftritt mit Begleitung im Stadion und einer Produktion im Champions-League-Standard.

Wenn die Meisterschaft im letzten Spiel entschieden wird, haben Sie dann in jedem Fall das Erstwahlrecht?

Die Regelung ist ziemlich kompliziert. Aber so viel kann ich sagen: Ja, dann haben wir das Recht, dieses Spiel direkt zu übertragen.

Sie haben dem Eishockeyverband jetzt bereits zugesichert, dass im neuen, noch nicht im Detail ausgearbeiteten TV-Vertrag ab Januar 2013 jede Woche ein Spiel aus der Qualifikation übertragen wird. An welchem Tag wird dieses Spiel übertragen?

Das ist noch offen. Weil der Fussball im Januar ruht, ist es denkbar, dass wir den Fussballtermin übernehmen und um 16.00 Uhr am Sonntagnachmittag übertragen. Möglich ist aber auch der Samstag.

Die Rechte am Spengler Cup werden erstmals nicht mehr Bestandteil des Eishockey-TV-Vertrages sein. Ist zu befürchten, dass der Spengler Cup nicht mehr übertragen wird?

Grundsätzlich wollen wir am Spengler Cup festhalten. Aber unsere Produktion ist sehr aufwändig und wir werden nicht bereit und nicht in der Lage sein, für die Übertragungsrechte viel Geld zu bezahlen. Wichtig ist für uns auch, dass die Liga weiterhin während der Altjahrswoche die Meisterschaft ruhen lässt.

Der HC Davos kann also nicht mit einer siebenstelligen Summe rechnen?

Siebenstellig? Nein.

Kann der Eishockeyverband beim neuen TV-Vertrag mit mehr Geld rechnen?

Die Zahlen sind vertraulich. Was ich sagen kann: Die SRG investiert in die Sportberichterstattung in allen Regionen weiterhin insgesamt rund 150 Millionen. Eine markante Erhöhung dieser Summe ist nicht vorgesehen.

Sie haben im Rahmen der Medienkonferenz einen Satz gesagt, der eingerahmt in Ihrem Büro an der Wand hängen sollte und eigentlich alles erklärt. Sie haben so beiläufig gesagt, in unserem Land gebe es im TV-Markt keine Konkurrenz. Nur Kooperationen. Sie hätten auch noch anfügen können: Und nur Kooperationen nach Ihren Wünschen und Bedürfnissen. Alle Macht dem Schweizer Fernsehen.

Das sind Ihre Interpretationen. Ich sehe es anders: Wir haben in der Schweiz das optimale TV-Angebot für die Zuschauer. Einerseits das Free-TV-Angebot der SRG mit allen grossen Events und einer einmaligen Vielfalt und andererseits das Pay-TV, das dem Sportinteressierten zusätzliche Übertragungen anbietet. Wenn ich gesagt habe, es gebe keine Konkurrenz, dann deshalb, weil es zwischen uns und den Pay-Plattformen keine direkte Konkurrenz gibt: Die Bezahlsender haben eine andere Strategie und ein anderes Publikum.

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