Folgen des 9. Februar 2014: Unsicherheit an der Zürcher Universität hält an
Aktualisiert

Folgen des 9. Februar 2014Unsicherheit an der Zürcher Universität hält an

Die Uni Zürich will die besten Köpfe anlocken – trotz Problemen wegen der Masseneinwanderungsinitiative. Viele Forscher fühlen sich in der Schweiz jedoch nicht mehr willkommen.

Michael Hengartner ist seit einem Jahr Rektor der Universität Zürich.

Michael Hengartner ist seit einem Jahr Rektor der Universität Zürich.

«Der 9. Februar 2014 war das schlimmste Negativereignis des vergangenen Jahres», sagte Michael Hengartner, Rektor der Universität Zürich (UZH), vor Medien. Denn als Reaktion auf die Annahme der Masseneinwanderungsinitiative sistierte die Europäische Union die Teilnahme der Schweiz an den europäischen Forschungs- und Studierendenaustauschprogrammen.

Inzwischen habe sich die Lage beruhigt. 90 Prozent der Verträge mit ausländischen Hochschulen zum Studierendenaustausch konnten wieder unterschrieben werden, die Teilnahme Schweizer Forschender an den Forschungsprogrammen ist zumindest bis 2017 weiterhin möglich.

Grossschaden sei subjektiv

Der Grossschaden sei subjektiver Art, sagte der Rektor: Bei ausländischen Forschern bestehe Unsicherheit, ob sie in der Schweiz willkommen seien. Für die Top-Liga der Forschung sei zudem der Zugang zu den prestigeträchtigen Stipendien des Europäischen Forschungsrats, von denen die Schweiz künftig ausgeschlossen sein könnte, ein wichtiges Kriterium.

Die Universität wolle weiterhin die besten Köpfe rekrutieren, auch im Ausland, sagte Hengartner. Also habe sie sich im Vorfeld der Ecopop-Initiative in der Öffentlichkeit stärker gegen diese eingesetzt.

Mehr Drittmittel

Auf die Budgetsorgen des Kantons, der die Hälfte des Milliardenbudgets der Hochschule trägt, will der Rektor mit mehr Flexibilität reagieren. «Wir wollen die Drittmittelquote stärken», sagt er. Das betrifft vor allem Mittel des Schweizerischen Nationalfonds und der Europäischen Union.

Daneben seien aber auch «Donatoren interessant für gute Projekte», sagte Hengartner. Er nannte vier Bedingungen für Fremdfinanzierungen: Die Freiheit von Forschung und Lehre müssten garantiert sein, das Projekt müsse in die Strategie der UZH passen, ihren Ruf stärken sowie vollständig transparent machen, woher das Geld kommt und wofür es eingesetzt wird.

Kein Numerus clausus

Den Universitäten wird oft vorgeworfen, die «falschen» Akademiker auszubilden – etwa zu viele Geisteswissenschaftler und zu wenige Informatiker. Daraus abgeleitete Forderungen nach einem Numerus Clausus weist Hengartner zurück: «Die jungen Leute sollen studieren, was sie wollen.» Niemand könne heute sagen, welche Fähigkeiten in 20 Jahren benötigt würden.

Zudem wolle die Universität kritische Menschen ausbilden, nicht nur Fachwissen vermitteln. In diesem Zusammenhang hält der Rektor es für bedenklich, dass viele Maturanden die Mathematikprüfung nicht bestehen. Beherrschung der Muttersprache und logisches Denken seien Kompetenzen, die man an der Uni nur schwer nachholen könne.

Nur in der Medizin mache eine Zugangsbeschränkung Sinn: Die Infrastruktur für die Ausbildung von Ärzten stosse an ihre Grenzen. Als Lösung gegen den Ärztemangel seien indes auch andere Massnahmen nötig, statt nur mehr Ärzte auszubilden – zum Beispiel Teilzeitstellen für Ärztinnen und Ärzte mit Kindern zu schaffen, um deren Berufsausstieg zu verhindern. (sda)

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