Experimentelle Studie: Unsichtbar zu sein, fühlt sich gut an
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Experimentelle StudieUnsichtbar zu sein, fühlt sich gut an

Viele dürften sich schon einmal gewünscht haben, unsichtbar zu sein. Aber wäre das wirklich so toll? Ja, das haben schwedische Forscher herausgefunden.

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Dank seines Tarnumhangs kann sich Harry Potter unsichtbar machen.

Dank seines Tarnumhangs kann sich Harry Potter unsichtbar machen.

Keystone/AP/Jaap Buitendijk
Die Invisible Woman aus Marvels «Fantastic Four» muss nur ihre Superkräfte einsetzen, um sich selbst und andere unsichtbar zu machen und unsichtbare Kraftfelder aufzubauen.

Die Invisible Woman aus Marvels «Fantastic Four» muss nur ihre Superkräfte einsetzen, um sich selbst und andere unsichtbar zu machen und unsichtbare Kraftfelder aufzubauen.

Marvel
Ganz so weit sind die schwedischen Forscher nicht gekommen. Doch immerhin erzeugten sie die perfekte Illusion von Unsichtbarkeit.

Ganz so weit sind die schwedischen Forscher nicht gekommen. Doch immerhin erzeugten sie die perfekte Illusion von Unsichtbarkeit.

Staffan Larsson

Harry Potter kann es, ebenso die Invisible Woman aus der Comicserie «Fantastic Four»: sich unsichtbar machen. Reale Menschen hingegen konnten davon bislang nur träumen – auch wenn es Forschern bereits gelungen ist, winzige Objekte oder Teile von Gegenständen verschwinden zu lassen.

Trotzdem können Forscher schon sagen, wie es sich anfühlt, komplett unsichtbar zu sein. Denn das Team um Arvid Guterstam vom Karolinska-Institut in Stockholm hat 125 Probanden in eine virtuelle Welt versetzt (siehe Box), in der sie sich selbst als körperlos wahrnahmen, wie die Wissenschaftler im Fachjournal «Scientific Reports» schreiben.

Mit einem Mal frei von Angst

Doch damit gaben sich Guterstam und seine Kollegen nicht zufrieden. Sie wollten auch wissen, wie es sich anfühlt, unsichtbar zu sein. Um das herauszufinden, setzten sie die Probanden anschliessend einer für viele Menschen sehr unangenehmen Situation aus: Sie mussten vor einer virtuellen Gruppe ihnen unbekannter und finster dreinblickender Menschen stehen.

Normalerweise beschleunigt in solchen Momenten der Puls und Anspannung und Stress nehmen zu. Doch nicht so bei den sich unsichtbar fühlenden Studienteilnehmern: Sie hatten eine deutlich niedrigere Herzfrequenz und berichteten von weniger Stresssymptomen als die Vergleichsgruppe, die die Situation mit einem gut sichtbaren, virtuellen Körper durchstehen musste.

Nur auf den ersten Blick eine Spielerei

Die Studie hat einen ernsten Hintergrund. So werden Körperillusionen heute schon in der Therapie eingesetzt, beispielsweise bei Patienten, die nach einer Amputation unter Phantomschmerzen leiden. Spiegel täuschen dabei dem Gehirn vor, dass der fehlende Körperteil doch noch vorhanden ist. Das lindert die Schmerzen.

Ähnliches können sich Guterstam und seine Kollegen auch bei Menschen vorstellen, die unter starken Sozialängsten leiden: Sie könnten laut Mitteilung des Instituts mithilfe eines «unsichtbaren» Körpers versuchen, diese Ängste zu überwinden.

Virtuelle Unsichtbarkeit

Virtuelle Unsichtbarkeit

Die Versuchspersonen bekamen eine VR-Brille (siehe Bildstrecke) aufgesetzt. Wenn sie nun an sich hinunterschauten, sahen sie nicht wie gewohnt ihren eigenen Körper, sondern nichts - ganz so als ob sie unsichtbar wären. Dann strichen die Versuchsleiter mit einem Pinsel über verschiedene Körperteile der Probanden; in der Brille sahen sie dann, wie der virtuelle Pinsel über die entsprechende leere Stelle strich. Die Versuchsteilnehmer fühlten sich nach eigenen Angaben dabei tatsächlich so, als wären ihre Gliedmassen durchsichtig. Auch als die Probanden vermeintlich ein Messer sahen, begannen sie zu schwitzen– die Illusion war also geglückt.

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