Veroljub Salatic leistet derzeit seinen Zivildienst-Einsatz
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Ex-GC-Star Salatic im Zivildienst«Untauglich sein und Profisport betreiben, ist nicht glaubwürdig»

Der langjährige GC-Captain Veroljub Salatic beendete letztes Jahr seine Karriere und betätigt sich nun auf einem unüblichen Gebiet für (Ex-)Profifussballer. Er leistet Zivildienst im Stadtspital Zürich Triemli.

von
Florian Gnägi
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Ex-Fussballer Veroljub Salatic absolviert zurzeit seinen Zivildienst im Triemlispital.

Ex-Fussballer Veroljub Salatic absolviert zurzeit seinen Zivildienst im Triemlispital.

20min/Taddeo Cerletti
Der frühere GC-Captain transportiert dabei Patienten und Patientinnen im Spital herum.

Der frühere GC-Captain transportiert dabei Patienten und Patientinnen im Spital herum.

20min/Taddeo Cerletti
Die Arbeit im Spital sei eigentlich eine Pflicht für ihn sagt Salatic …

Die Arbeit im Spital sei eigentlich eine Pflicht für ihn sagt Salatic …

20min/Taddeo Cerletti

Darum gehts

  • Veroljub «Vero» Salatic beendete 2020 seine Karriere als Profifussballer.

  • Momentan leistet der frühere GC-Captain Zivildienst im Stadtspital Zürich Triemli.

  • Salatic spricht exklusiv mit 20 Minuten über sein neues Leben als Zivi und über seinen Abgang bei GC.

Sterile Spitalumgebung statt volle Fussballstadien, Patienten und Patientinnen von A nach B transportieren statt Zweikämpfe auf dem Rasen bestreiten. Für Veroljub Salatic hat sich seit seinem Rücktritt vom Profifussball im Sommer 2020 einiges geändert. Der langjährige Captain der Grasshoppers leistet seit April dieses Jahres Zivildienst im Stadtspital Zürich Triemli und betätigt sich damit auf einem Feld, in dem nicht viele (frühere) Fussballer mit ähnlichem Renommee wie «Vero» aktiv sind.

«Eigentlich war es eine Pflicht für mich», sagt Salatic, angesprochen auf die Frage, wieso er diesen Job mache und ergänzt: «Mittlerweile ist die Freude aber da. Man lernt immer neue Leute kennen und lernt viel dazu. Man sieht hier Sachen, die man sonst nie erlebt, wenn man nur im Fussball ist. Zum Beispiel sieht man Leute, die in die Krebs-Bestrahlung müssen und topfit wirken. Ein paar Wochen später fährst du sie dann im Rollstuhl herum.»

«Mich untauglich schreiben zu lassen, war nie ein Thema für mich»

Salatic kam als knapp 18-Jähriger in die erste Mannschaft der Hoppers. Der normale Militärdienst wäre für das damalige Grosstalent nicht mit der Profikarriere zu vereinbaren gewesen. Eine Sportler-RS, wie sie heute viele angehende Spitzenathleten bestreiten, war damals nicht möglich, weil in jenem Jahr zu wenig Sportler verfügbar gewesen wären, meint der 35-Jährige.

Sowohl fürs Militär als auch für den Zivildienst muss man bei der Aushebung seine Tauglichkeit unter Beweis stellen. Sich untauglich (UT) schreiben zu lassen, um der Pflicht zu entkommen, sei für ihn nie ein Thema gewesen: «UT war nie ein Thema für mich, überhaupt nicht. Ich habe das auch von allen Seiten gehört, mich doch untauglich schreiben lassen zu sollen. Aber da wäre ich ja nicht mehr glaubwürdig, wenn ich daneben noch Profisport betreibe.»

Der damalige GC-Sportchef legte ihm 2012 nach seiner Rückkehr von einem einjährigem Abenteuer auf Zypern bei Omonia Nikosia nahe, doch Zivildienst zu leisten. Viel überlegt habe er sich bei diesem Entscheid nicht, meint der frühere Schweizer U-21-Natispieler und fügt an, er habe auch gar nicht gewusst, wieviele Tage er da insgesamt absolvieren müsse.

Teilerfolg beim Gang vors Bundesverwaltungsgericht

Vor einigen Jahren landeten Salatic und sein damaliger Arbeitgeber GC wegen des Zivildienstes sogar vor dem Bundesverwaltungsgericht in St. Gallen, weil der Fussballer schon zu Aktivzeiten in einem Jahr 232 Tage als Zivi hätte verbringen müssen. Salatic gelang es nicht, die Pflicht ganz zu umgehen, konnte nach dem Gang vors Gericht jedoch zumindest bewirken, dass er während seiner Zeit als Profi nur 26 Tage pro Jahr absolvieren musste.

«Vor meinem Wechsel nach Russland hatte ich noch 267 Tage offen, dann musste ich die Entscheidung fällen, mich dazu bereit zu erklären, diese nach der Karriere abzuarbeiten oder halt einfach Geld zu bezahlen. Ich hatte schon 15 Jahre drauf gezahlt, da war für mich klar, dass ich nach meinem Karriereende Zivildienst leisten werde.»

Ab und zu wird Salatic im Spital immer noch erkannt.

Ab und zu wird Salatic im Spital immer noch erkannt.

20min/Taddeo Cerletti

Zum Job beim Spital kam Salatic über einen persönlichen Kontakt. Privilegien als früherer Fussball-Star gibt es für ihn bei seiner Tätigkeit nicht. Einige Arbeitskollegen und Arbeitskolleginnen oder Patienten und Patientinnen schätzen es aber, sich mit einem früheren Profi-Kicker austauschen zu könnten. Salatic erzählt mit einem Schmunzeln, wie ihn vor kurzem eine ältere Patientin erkannt und etwas verlegen nach einem Autogramm gefragt habe.

«Der Fussball kann sich eine Scheibe abschneiden»

Rückmeldungen von ehemaligen Team-Kollegen zu seinem Zivi-Job erhalte Salatic kaum. Der 35-Jährige erwähnt aber einen Austausch mit Remo Gaugler, der die Tätigkeit Salatics lobte. Der Leiter Nachwuchs des FC Basel fand es «extrem gut und mega schön», dass der frühere GC-Profi im Spital arbeite.

Salatic sieht trotz der unterschiedlichen Welten, in denen sich das Fussball-Business und der Alltag im Spital befinden, Parallelen. «Im Fussball musst du ein Teamplayer sein, sonst funktioniert es nicht. Von dem her war es für mich auch einfach, hier im Spital Fuss zu fassen», sagt der Zürcher und fügt mit einem verschmitzten Lachen an, dass er hier im Spital jeden Tag rund 20 Kilometer abspule, also mehr als er jeweils auf dem Fussballplatz während einer Partie lief.

Vero Salatic sieht seine Zukunft im Trainer-Business.

Vero Salatic sieht seine Zukunft im Trainer-Business.

20min/Taddeo Cerletti

Aktiv ist der Mann, der fast 400 Super-League-Spiele für GC und Sion bestritt, auch neben seinem Fulltimejob als Zivi. Für die Fahrservice-App Vertt eines Kollegen weibelt Salatic mit ähnlichem Enthusiasmus, mit welchem er zurzeit sein B-Trainerdiplom absolviert. An der Seitenlinie coacht er seit vergangenem Juli bei Rapperswil-Jona die zweite Mannschaft in der 2. Liga. Zuvor war er kurze Zeit auch bei GC als Co-Trainer der U-21 tätig. Bis Ende des Jahres leiste er noch Zivildienst, danach sei er «offen für alles, auch für den FC Sion», meint der frühere Sittener Mittelfeldspieler mit einem Augenzwinkern.

Darüber, dass das Ende seiner Zeit bei GC nicht wunschgemäss über die Bühne lief, lässt Salatic keinen Zweifel offen. «Ich glaube, der Abschied ist immer noch hängig. Der ging komplett vergessen. Ich trauere dem nicht nach, aber ich finde, dass die Spieler grundsätzlich eine grössere Wertschätzung erhalten sollen. Das fehlt im Fussball extrem.»

Ein Aspekt, den Salatic nun bei seiner Arbeit im Spital tagtäglich erlebt. «Es gibt dir mega viel zurück, wenn du die Patienten siehst. Schon nur, wenn sie danke sagen, wenn ich sie von A nach B transportiere, ist mega lieb», so der frühere Profi-Kicker, der weiter meint: «Punkto dem Thema Wertschätzung kann sich der Fussball eine Scheibe abschneiden davon. Das wünsche ich mir.»

Das ist der Zivildienst

Der Zivildienst ermöglicht es Wehrpflichtigen, welche aus Gewissensgründen keinen Militärdienst leisten wollen, ihre Dienstpflicht im Rahmen von Zivildiensteinsätzen zu erfüllen. Um ihren Konflikt mit dem Gewissen zu beweisen, müssen Zivildienstleistende 1,5 Mal länger Dienst leisten als im Militär. Der Zivildienst ist seit 1992 in der Bundesverfassung verankert, im gleichen Artikel wie die Militärdienstpflicht (BV Art. 59). Der Zivildienst hat gemäss Zivildienstgesetz den Zweck, Dienstleistungen im öffentlichen Interesse zu erbringen, wo Ressourcen für die Erfüllung wichtiger Aufgaben der Gesellschaft fehlen oder nicht ausreichen. Weil der Zivildienst auch in Katastrophenfällen oder Notlagen mithilft, ist er neben der Armee und dem Bevölkerungsschutz als sicherheitspolitisches Instrument des Bundes anerkannt.

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