24.06.2019 04:46

Fürs KlimaUnter 16-Jährige sollen gratis Bus und Zug fahren

Damit Jugendliche auf den ÖV umsteigen, fordert BDP-Nationalrat Hans Grunder Gratis-Angebote. Teuer und ineffizient, sagen Kritiker.

von
P. Michel
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Geht es nach der BDP, sollen Jugendliche bis 16 Jahre künftig gratis Tram fahren können.

Geht es nach der BDP, sollen Jugendliche bis 16 Jahre künftig gratis Tram fahren können.

Keystone/Christof Schuerpf
Nationalrat Hans Grunder hat dafür eine Motion eingereicht. Aber auch Personen bis 25 sollen profitieren: Ihr ÖV-Abo soll je nach steuerlichem Einkommen «stark verbilligt» werden.

Nationalrat Hans Grunder hat dafür eine Motion eingereicht. Aber auch Personen bis 25 sollen profitieren: Ihr ÖV-Abo soll je nach steuerlichem Einkommen «stark verbilligt» werden.

Keystone/Peter Klaunzer
Für junge Menschen ist der öffentliche Verkehr in der Schweiz teuer», sagt Grunder zu 20 Minuten. Es brauche deshalb Anreize, dass sie bereits früh auf den C02-armen öffentlichen Verkehr umsteigen.

Für junge Menschen ist der öffentliche Verkehr in der Schweiz teuer», sagt Grunder zu 20 Minuten. Es brauche deshalb Anreize, dass sie bereits früh auf den C02-armen öffentlichen Verkehr umsteigen.

Keystone/Alessandro Della Valle

Die Bürgerlichen springen auf die grüne Welle auf: BDP-Nationalrat Hans Grunder fordert in einer Motion, dass «alle Jugendlichen mit Wohnsitz in der Schweiz bis zum erreichen des 16. Altersjahr die öffentlichen Verkehrsmittel (ÖV) gratis benützen können». Aber auch Personen bis 25 sollen profitieren: Ihr ÖV-Abo soll je nach steuerlichem Einkommen «stark verbilligt» werden.

«Für junge Menschen ist der öffentliche Verkehr in der Schweiz teuer», sagt Grunder zu 20 Minuten. Es brauche deshalb Anreize, dass sie bereits früh auf den C02-armen öffentlichen Verkehr umsteigen. Für ihn ist klar: Der Gratis-ÖV entlastet den Individualverkehr im Auto und leistet «einen grossen Beitrag, um die Klimaziele zu erreichen». Seine Hoffnung: Wer in der Jugend gratis Zug fahren konnte, wird auch später ÖV nutzen.

«Auch Nichtstun kostet Milliarden»

Dass Züge und Busse zu Stosszeiten dann noch voller wären, lässt Grunder nicht gelten: «Die Platzknappheit könnte sich verschärfen. Aber dann braucht es Investitionen in den Netz-Ausbau.» Auch bei der Finanzierung sieht er kein Problem: «Nichtstun kostet uns beim Klimawandel ebenfalls Milliarden von Franken. Die Investition in Gratis-ÖV wird sich mehrfach bezahlt machen.»

Bisher kam die Forderung nach gänzlich staatlich finanziertem öffentlichen Verkehr jeweils von links: Die Juso lancierte entsprechende Vorstösse in Luzern und St. Gallen. SP-Nationalrat Cédric Wermuth wollte erreichen, dass der Kanton den Aargauern die Tickets zu zahlt.

«Umsetzung ist heikel»

Auch der Verband öffentlicher Verkehr, der Dachverband aller Transportunternehmen, kann sich die Massnahme grundsätzlich vorstellen, wie er in einem Newsletter schrieb: «Es ist eine zielgerechte Lösung, aber die Umsetzung ist heikel.» Die langfristige Finanzierung müsse regelmässig angepasst werden, um die schwierig vorhersehbare Entwicklung des Angebotes und der Nachfrage zu bewältigen.

Was die kostenlose Benutzung für unter 16-Jährige, wie sie Hans Grunder vorschwebt, kosten würde, ist schwer zu beziffern. Die Schweizerische Verkehrsstiftung rechnet damit, dass der Gratis-ÖV für die ganze Schweiz mit sechs Milliarden Franken pro Jahr zu Buche schlagen würde. Wie viel es im nun diskutierten Vorschlag sei, könne er nicht sagen, sagt Stiftungspräsident Peter Vollmer.

Wie würde die Finanzierung gesichert?

Er ist skeptisch, ob die Idee die gewünschte Wirkung entfalten würde. «Es ist problematisch, den Menschen das Gefühl zu geben, Mobilität sei gratis zu haben», sagt Vollmer. Er befürchtet, dass schlussendlich dem ÖV Geld fehlen würde, um in sein Angebot zu investieren, weil bereits viel Geld durch die Finanzierung der Gratis-Tickets gebraucht würde.

Vollmer sieht ein weiteres Problem: «Wenn der Staat die gesamten Kosten trägt, bestimmt die Laune der Politik das Budget und damit die Ausstattung des ÖV.» Es sei zwar richtig, gerade junge Menschen dazu zu bewegen, auf den ÖV umsteigen und den umweltschädlichen Individualverkehr im Auto zu bremsen. Dafür sei die Förderung von Angeboten wie des SBB-Abos «Seven25» sinnvoller.

Jeder solle selber wählen können

Eine Diskriminierung der Autofahrer sieht dagegen SVP-Nationalrat Mike Egger im BDP-Vorstoss. «Jeder soll selbst auswählen können, welches Verkehrsmittel er benutzen möchte.» Ansonsten müsse man auch die Strassenverkehrssteuer für junge Autofahrer senken. Generell die Preise im ÖV ohne Subventionen sondern in Form von Prozessverbesserungen zu senken, sei aber zu diskutieren, sagt Egger. Man könne beispielsweise beim Nachtzuschlag anfangen.

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