Aktualisiert 23.08.2019 09:15

Mahnung, na und?Unter 25-Jährige nehmen ihre Schulden oft zu locker

Jung und verschuldet sein – viele Schweizer zwischen 18 und 25 sehen darin kein grosses Problem. Diese gelassene Haltung rächt sich später.

von
Valeska Blank
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Ein Faktor, der bei jungen Menschen zur Verschuldung führt, ist der Konsum. Die Kauflust ist in den Städten besonders hoch.

Ein Faktor, der bei jungen Menschen zur Verschuldung führt, ist der Konsum. Die Kauflust ist in den Städten besonders hoch.

Getty Images/Christian Vierig
Waren bestellen, aber nicht bezahlen: Online-Shopping kann vor allem jüngere Kunden in die Schuldenfalle treiben. Klicken Sie sich durch die folgende Bilder, um weitere Kostenfallen für Jugendliche zu entdecken. (Archivbild)

Waren bestellen, aber nicht bezahlen: Online-Shopping kann vor allem jüngere Kunden in die Schuldenfalle treiben. Klicken Sie sich durch die folgende Bilder, um weitere Kostenfallen für Jugendliche zu entdecken. (Archivbild)

Keystone/Gaetan Bally
Das neueste Smartphone: Der Auszug von zu Hause ist für junge Menschen der wichtigste Schritt in die finanzielle Selbstständigkeit. Miete, Krankenkasse, Steuern, Versicherungen und natürlich das neueste Handymodell – alles muss nun ohne elterliche Hilfe bezahlt werden.

Das neueste Smartphone: Der Auszug von zu Hause ist für junge Menschen der wichtigste Schritt in die finanzielle Selbstständigkeit. Miete, Krankenkasse, Steuern, Versicherungen und natürlich das neueste Handymodell – alles muss nun ohne elterliche Hilfe bezahlt werden.

Tamedia

Hier eine Mahnung vom Onlineshop, da eine Zahlungsaufforderung vom der Telecom-Firma: Für viele junge Schweizer ist es zur Normalität geworden, mal etwas nicht zahlen zu können. Das zeigt eine Studie zur Verschuldungssituation in der Schweiz der Inkasso-Firma Intrum. «Schulden sind mehrheitsfähig geworden», sagt Sprecherin Daniela Brunner.

Die lockere Haltung der jungen säumigen Zahler spürt Intrum heraus, wenn sie die Schuldner nach mehreren erfolglosen Mahnungen kontaktiert. «Viele reagieren dann nicht verwundert und sehen es relativ gelassen», sagt Brunner. Es scheine, dass sich einige Betroffene daran gewöhnt hätten, schon in jungen Jahren Schulden zu haben: «Sie leben einfach damit.»

«Will ich haben»-Mentalität

Woher kommt diese Gelassenheit? Die Intrum-Sprecherin erklärt sie unter anderem mit den wachsenden Möglichkeiten, sich zu verschulden: Angebote für Kleinkredite, Ratenzahlungen oder Leasing sind heute allgegenwärtig und die Hürden, sich zu verschulden, niedriger. «Wo Schulden früher noch ein Tabuthema waren, merkt man jetzt, dass sie jetzt nicht mehr als gleich unerfreulich angesehen werden wie in der Vergangenheit», so Brunner.

«Die meisten nehmen es ernst»

Schuldenberater Sébastien Mercier relativiert. Natürlich gebe es immer wieder Klienten, die ihre Schulden im jungen Alter eher auf die leichte Schulter genommen hätten. Das ändere sich aber im Lauf der Zeit meist: «Die meisten Schuldner, die zu uns kommen, nehmen ihre Situation sehr ernst.»

Dass es manche zunächst gelassen sehen, wenn sie Schulden machen, erklärt Mercier mit den immer häufigeren Angeboten zur Kreditkarten- oder Ratenzahlung: «Diese sind oft so geschickt verpackt, dass der Kunde meint, er habe die Finanzierung im Griff.»

«Jugendsünden» mit Folgen

Bei Intrum beobachtet man die Entwicklung mit Sorge. «Wenn man schon mit 18 mit Schulden startet, ist es schwer, danach ein geordnetes Leben zu führen», sagt Sprecherin Brunner.

Das bestätigen auch die Ergebnisse des Schuldenradars: Früher haben die Schweizer ihre Schulden mehrheitlich bis zum Alter von 30 Jahren abgebaut. Heute tragen die Betroffenen ihre «Jugendsünden» zehn Jahre länger mit, wie Intrum schreibt.

«Will haben»-Mentalität

Gemäss dem aktuellen Schuldenradar werden Schweizer zwischen 18 und 25 am häufigsten betrieben. Fast die Hälfte der Fälle, die Intrum bearbeitet, resultieren in dieser Altersgruppe in einer Betreibung. Das «Will auch haben»-Gefühl nehme in der Gesellschaft zu, dementsprechend steige die Bereitschaft, sich zu verschulden.

Die Lust auf Konsum zeigt sich in den Schweizer Städten deutlicher als auf dem Land. Bei jungen Stadtbewohnern ist das Risiko, sich zu verschulden, überdurchschnittlich hoch.

Städte verführen zu Konsum

Das kann laut Intrum am urbanen Lebensumfeld liegen: In den Städten verführen die konstant verfügbaren Einkaufs-, Ausgangs- und Unterhaltungsmöglichkeiten zu mehr Ausgaben. Schuldenberater Mercier: «Die Schweizer Bevölkerung konsumiert heute klar mehr als früher.»

Aber auch die fixen Kosten belasten die Finanzen – etwa Krankenkassenprämien oder die Kosten für die Miete. «Die Lebenskosten sind in den letzten Jahren enorm gestiegen – auch das kann zu Verschuldung führen», erklärt Mercier.

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