Nachbefragung – Unter 35-Jährige wollten Zertifikat bodigen – Ältere siegten an der Urne
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NachbefragungUnter 35-Jährige wollten Zertifikat bodigen – Ältere siegten an der Urne

Die Nein-Kampagne zum Covid-Gesetz verfing nur bei SVP-Wählerinnen und -Wählern. Ein deutlicher Unterschied zeigt sich bei der Analyse nach Altersklassen.

von
Pascal Michel

Darum gehts

  • Die Nachbefragung von 20 Minuten und Tamedia zeigt, wie die deutliche Mehrheit von 62 Prozent beim Covid-Gesetz zustande kam.

Die Coronakrise und vor allem die Impfung sowie das Zertifikat spalten die Schweiz: Diese Feststellung wurde im Abstimmungskampf um das Covid-19-Gesetz immer wieder bemüht. Am Abstimmungssonntag zeigte sich ein anderes Bild: Eine deutliche Mehrheit von 62 Prozent der Stimmberechtigten stellte sich hinter das Covid-Gesetz und damit hinter Bundesrat und Parlament.

Nur die Kantone Schwyz und Appenzell-Innerrhoden lehnten die Vorlage ab. Justizministerin Karin Keller-Sutter (FDP) sprach denn auch an der Pressekonferenz am Sonntag von «Rissen», nicht von einer Spaltung.

Einer dieser Risse verläuft durch die Altersgruppen, wie die Nachbefragung von 20 Minuten und Tamedia zeigt. Bei den 18- bis 34-Jährigen stimmten 56 Prozent gegen das Gesetz. Bürgerinnen und Bürger ab 35 Jahren legten dagegen mehrheitlich ein Ja ein. Am deutlichsten die über 65-Jährigen: Sie stimmten zu 78 Prozent Ja.

Als Problem beim Urnengang werteten 55 Prozent der Stimmberechtigten die Verbreitung von Fakenews. Zwar sind Gegnerinnen und Gegner wie Befürworterinnen und Befürworter besorgt über die Entwicklung. Jedoch sehen jene, die fürs Covid-Gesetz gestimmt haben, zu 58 Prozent ein Problem in den Falschnachrichten. 50 Prozent sind es bei den Gegnerinnen und Gegnern.

Der Abstimmungskampf war von einer Aggressivität geprägt, wie sie die Schweiz selten erlebt hat. Die Kantonspolizei Bern musste den Bundesplatz am Sonntagnachmittag absperren. Splittergruppen wie «Mass-voll!» erklärten, man akzeptiere das Ja nicht.

Kein Stadt-Land-Graben

Die lärmigen Gegnerinnen und Gegner konnten trotz dieser Kampagne und einem Millionenbudget nicht überzeugen: Wie die Nachbefragung von 20 Minuten und Tamedia zeigt, punkteten sie mit ihren Argumenten nur bei den SVP-Wählern. 72 Prozent dieser Wählergruppe legten beim Covid-Gesetz ein Nein ein. Die Sympathisantinnen und Sympathisanten aller anderen Parteien sprachen sich mit grosser Mehrheit dafür aus. Am deutlichsten sind die Unterstützer der SP mit 82 Prozent.

Ein Stadt-Land-Graben tut sich nicht auf, auch wenn im Abstimmungskampf zeitweise der Eindruck entstanden ist, ländliche Gebiete seien wie gewisse Gemeinden im Kanton Schwyz vehement gegen das Gesetz. Wie die Nachbefragung zeigt, legten auch auf dem Land 59 Prozent der Stimmberechtigten ein Ja in die Urne. In der Agglomeration waren es 64 Prozent und in der Stadt 65 Prozent.

Welche Rolle spielte die Pandemie?

Der Pflege-Initiative, die mit 61 Prozent als erste Initiative aus dem links-gewerkschaftlichen Lager überhaupt an der Urne eine Mehrheit findet, stimmten mehr Frauen zu als Männer. 64 Prozent der Frauen legten ein Ja ein, bei den Männern waren es 58 Prozent.

Im Vorfeld wurde darüber spekuliert, wie gross der Einfluss der Pandemie auf den Erfolg der Initiative sein wird. In der Nachbefragung geben 87 Prozent der Unterstützerinnen und Unterstützer der Vorlage an, dass sie auch ohne Coronakrise der Vorlage zugestimmt hätten. Wobei grundsätzlich bei solchen Selbsteinschätzungen eine zurückhaltende Interpretation angebracht ist.

Die Umfrage

33’043 Personen aus der ganzen Schweiz haben zwischen dem 25. und dem 28. November online an der Nachbefragung von 20 Minuten und Tamedia teilgenommen. Die Umfrage wurde in Zusammenarbeit mit LeeWas durchgeführt. Sie modellieren die Umfragedaten nach demografischen, geografischen und politischen Variablen. Der Fehlerbereich liegt bei +/- 1 Prozentpunkten.

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