Sixpack-Blog: Unter Frauen
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Sixpack-BlogUnter Frauen

Stefan geht mit Frauen ins Gym schwitzen, steht mit ihnen über Mittag für einen Salat an und braucht plötzlich länger im Bad.

von
sry

Seit der Geburt meines dritten Kindes kämpfe ich mit meinem Bauch. Ich war schon so verzweifelt, dass ich mich beim Mütter-Treff im Quartier neben die frisch entbundenen Frauen setzen und sie belauschen wollte, um an ihre konspirativ ausgetauschten Tipps aus dem Rückbildungsturnen zu kommen. Mittlerweile sind diese Pläne hinfällig, endlich habe ich den Anschluss gefunden und besuche selbst ein formidables Rückbildungsturnen.

Dabei bleiben die Frauen und ich meistens unter uns: Im Indoor Cycling frühmorgens (okay, ein, zwei Mitstreiter sind jeweils auch noch dabei, und ja, der Instruktor ist ein Instruktor), über Mittag beim Anstehen für ein Salöötli mit chly Shrimps (ja, gäll, weisch!) im gesunden Take-away, abends beim gemeinsamen Abendessen mit meiner Frau, natürlich. Ich kann Ihnen versichern, es gibt Schlimmeres, als sich ein wenig wie eine Frau zu fühlen. Natürlich wusste ich, was für ein gewaltiger gesellschaftlicher Druck auf uns Frauen lastet. Aber dass es sooo heftig ist, konnte ich als Mann früher nur erahnen.

Oft stelle ich mir vor, wie wir im Sommer eine Grillparty schmeissen, meine Kumpels und ich am Bier nippen und meine Frau in der Gartentür erscheint, in Dreiviertelhosen, Spaghettiträger-Shirt und mit Bierbauch. Entgeisterte Blicke wären ihr gewiss. Mich hat man vielleicht belächelt (im Spaghettiträger bestimmt), es wäre aber nicht weiter Thema gewesen (okay, ich war inoffizieller Schweizermeister im Baucheinziehen). Das müssen wir ändern. Erhöhen wir den Druck auf all die Männer, die sich wie ich jahrelang gehen liessen! Oder hören wir wenigstens auf zu lästern, wenn sich die Frau des Nachbars sichtbar gehen lässt.

Ist schon so: Auch viele Frauen findens nicht weiter schlimm, hat ihr Typ ein bisschen eine Wampe. «Gemütlich» ist ein Attribut, das ich in diesem Zusammenhang in letzter Zeit sehr oft gehört habe. Weil ein Mann, der sich plötzlich akribisch um seine Figur kümmert, in eine Domäne (Domäne, ha!) der Frau eindringt, die sie vorbehaltlos für sich reklamiert?

Meine Frau jedenfalls findet, sie wohne neuerdings mit ihrer besten Freundin in einer WG. Plötzlich sage ich ihr, welche Speiseöle wir besser nicht mehr kaufen und zu welcher Tageszeit man lieber nicht mehr allzu viele Kohlenhydrate schaufelt. Ich glaube, langsam nerve ich sie ein bisschen. Es ist halt mit uns schon wie mit besten Freundinnen.

Und wehe dem, der es wagt, sich in Fragen rund um die Schwangerschafts-Rückbildung einzumischen! Oder zu lange im Bad braucht, um die körperlichen Veränderungen ausgiebig in Augenschein (wie versprochen noch das Garderoben-Selfie nebenan; sehen Sie die Rippe, sehen Sie die Rippe? Ja, genau) zu nehmen.

Eine Verbündete habe ich dennoch, die es okay findet, wenn ich mich ab und zu ein bisschen wie eine Frau fühle. Es ist meine Waage, die meinen Fettanteil nur dann einigermassen richtig berechnet, wenn ich mich beim Einstellen des Profils als Frau ausgebe.

Küssli rechts-links-rechts!

Ihr Käpt'n Irrsinn

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