Unterhaltsame Musen und ihre Genies
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Unterhaltsame Musen und ihre Genies

LEBENSGESCHICHTEN – Ein weltberühmter Rockstar hat musikalische und menschliche Probleme in seiner Band und weiss nicht so recht, wie es weitergehen soll. In einer Ausstellung trifft er eine japanische Avantgarde-Künstlerin, die ihn schwer beeindruckt. So lernen sich John Lennon und Yoko Ono kennen. Ein schon etwas älterer Herr erzählt einem hübschen zehnjährigen Mädchen an einem heissen Sommernachmittag eine Geschichte von sprechenden Hasen. So entsteht «Alice im Wunderland» von Lewis Carroll.

Scharfzüngig erzählt Francine Prose von neun Musen und ihren Genies, beispielsweise von Gala Eluard und dem surrealistischen Superstar Salvador Dalí oder von Lou Andreas-Salomé, die nacheinander mit Nietzsche, Rilke und Freud verbandelt war. Manchmal ist die Muse die psychiatrische Pflegerin des Künstlers, manchmal Partnerin beim Drogengenuss, manchmal unerreichbares Ideal seltsamster Begierden.

Detailreich und unterhaltsam schildert Francine Prose das Leben dieser Künstlerpaare und schreckt auch nicht vor der Aufdeckung von Peinlichkeiten zurück. Sie beschreibt sehr gescheit die verschiedenen Arten des künstlerischen Einflusses und zeigt, dass Musen wie Lou Andreas-Salomé, Gala Dalí oder Yoko Ono keine passiven Objekte der Anschauung oder der Bewunderung, sondern selbstbewusste Agentinnen des eigenen Erfolgs waren.

Wolfgang Bortlik

Francine Prose «Das Leben der Musen», Nagel & Kimche, 460 Seiten,44.50 Franken.

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