Unterkühlte Stimmung bei historischem Treffen

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Unterkühlte Stimmung bei historischem Treffen

Für den nordkoreanischen Gastgeber Kim Jong Il gab es inszenierten Jubel, für den Gast aus dem Süden, Roh Moo Hyun, eine militärische Ehrengarde. Roh muss es schwer gefallen sein, dem Diktator in Pjöngjang die Hand zu geben.

In unterkühlter Atmosphäre hat am Dienstag das zweite innerkoreanische Gipfeltreffen begonnen. Die zwölfminütige Begegnung der beiden Präsidenten bildete einen deutlichen Gegensatz zum ersten Gipfeltreffen vor sieben Jahren, als Kim den damaligen südkoreanischen Präsidenten Kim Dae Jung mit einem Lächeln begrüsst und beide Hände ergriffen hatte.

Roh schien den Empfang dennoch zu geniessen und winkte herzlich in die Menge, die rote und rosafarbene Papierblumen schwenkte. In einer Meldung der amtlichen nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA hiess es, der Jubel der Menge für Kim habe «Erde und Himmel erschüttert».

Roh legte die 200 Kilometer weite Fahrt mit dem Auto zurück. An der Grenze zum Norden unterbrach er die Reise und überschritt in der Nähe der Stadt Kaesong zu Fuss die Demarkationslinie, die dort ein gelber Streifen mit der Aufschrift «Frieden» und «Wohlstand» markiert. «Diese Linie ist eine Mauer, die unsere Nation seit einem halben Jahrhundert geteilt hat», sagte Roh. «Diese Mauer wird fallen.» Der Koreakrieg von 1953 wurde nur mit einem Waffenstillstand beendet. Seitdem ist die Halbinsel in einen kommunistischen Norden und einen kapitalistischen Süden geteilt.

Die eigentlichen Gespräche beginnen erst am Mittwoch. Dabei soll es nach den Worten Rohs um vertrauensbildende Massnahmen, Abrüstung und die Aufnahme von Verhandlungen über einen Friedensvertrag gehen. Roh sagte, er wolle auf den Ergebnissen des ersten Gipfels aufbauen und den Versöhnungsprozess beschleunigen. Roh wird auf seiner Reise von weiteren Politikern sowie Managern und Künstlern begleitet.

Nordkorea erhofft sich von dem Gipfeltreffen bessere Beziehungen zwischen beiden Staaten und eine Entspannung der Lage in der Region, wie der nordkoreanische UN-Botschafter Pak Gil Yon am Montag in einem Gespräch mit UN-Generalsekretär Ban Ki Moon in New York erklärte. Ban, früher südkoreanischer Aussenminister, äusserte die Hoffnung auf ein historisches Ergebnis. (dapd)

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