Aktualisiert 14.08.2019 10:58

Nach Todesfall

«Unternehmen alles, damit Reisende sicher sind»

Nachdem ein Zugbegleiter von einer Zugtür eingeklemmt und tödlich verletzt wurde, hat die SBB einen versteckten Mangel am Unfallmodell entdeckt.

von
ehs

Der Kundenbegleiter Bruno R. (54) starb, als er am 4. August um kurz nach Mitternacht im Bahnhof Baden von der Tür eines abfahrenden Interregio-Zugs eingeklemmt und mehrere Hundert Meter mitgeschleift wurde. Nach ersten Erkenntnissen der Sicherheitsuntersuchungsstelle des Bundes funktionierte der Einklemmschutz der Tür nicht. Beim Wagen handelte es sich um einen Einheitswagen IV (EW IV), von denen die SBB etwa 500 Stück im Einsatz hat.

Nun reagiert die SBB. Am Mittwoch präsentierte sie vor den Medien in Zürich ihre Sofortmassnahmen. Dazu gehören Sonderkontrollen an allen Türen des betroffenen Wagentyps. Sie sollen in sechs bis sieben Wochen abgeschlossen sein. Laut Linus Looser, Leiter Verkehrsmanagement bei der SBB, sind dabei fünf weitere Wagen mit defektem Einklemmschutz entdeckt worden. Laut Looser wäre der Fehler aber auch bei regulären Kontrollen entdeckt worden.

Kontrolleure finden unbekannten Mangel

Die SBB hat zudem beim Einklemmschutz-System einen versteckten Mangel aufgespürt. In gewissen Situationen reagiere dieses weniger sensibel als vorgesehen, heisst es in einer Medienmitteilung. Man habe die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle darüber informiert. Gemäss jetzigem Kenntnisstand sei es aber nicht nötig, die EW-IV-Wagen aus dem Verkehr zu ziehen, da es – nach aktuellem Stand der Untersuchung – keinen Zusammenhang zum tragischen Unfall vom 4. August gebe.

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Am 4. August verletzte sich ein Mitarbeiter der SBB tödlich, weil er in der Tür eines Einheitwagens IV eingeklemmt und mitgeschleift wurde. Nun präsentiert die SBB Sofortmassnahmen (Symbolbild).

Am 4. August verletzte sich ein Mitarbeiter der SBB tödlich, weil er in der Tür eines Einheitwagens IV eingeklemmt und mitgeschleift wurde. Nun präsentiert die SBB Sofortmassnahmen (Symbolbild).

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Bei Sonderkontrollen stellte die SBB bei fünf weiteren Wagen einen defekten Einklemmschutz fest.

Bei Sonderkontrollen stellte die SBB bei fünf weiteren Wagen einen defekten Einklemmschutz fest.

Keystone/urs Flueeler
Nach dem tödlichen Unfall wurden beim Bahnhof Baden Blumen niedergelegt.

Nach dem tödlichen Unfall wurden beim Bahnhof Baden Blumen niedergelegt.

20min

Laut der SBB sollen die Wagen noch bis in die 2030er-Jahre im Einsatz stehen. Derzeit hat sie 493 Wagen in Betrieb. Würde man sie von den Schienen nehmen, könnte die Bahn den Betrieb nicht mehr aufrechterhalten.

Zugbegleiter melden Einklemmfälle

SBB-Mitarbeiter melden laut der Mitteilung eine einstellige Anzahl Unfälle während der Arbeit, die im Zusammenhang mit dem Einklemmen beim Ein- und Aussteigen stehen. Auch hätten einzelne Mitarbeiter seit dem Unfall von ähnlichen Vorfällen berichtet, bei denen sie von Türen eingeklemmt wurden. Seit dem Jahr 2016 berichteten gemäss SBB 10 Mitarbeiter von Vorfällen mit Türen, davon sechs Kundenbegleiter. Mit Reisenden wurden 86 Fälle im Zusammenhang mit Türen gemeldet, wobei es nicht in jedem dieser Fälle zu einer Verletzung gekommen sei.

Wie die SBB weiter schreibt, hat sie nochmals alle Kundenbegleiter über den bewährten Abfertigungsprozess im Bahnhof informiert. Zudem hat sie eine Taskforce eingesetzt, um weitere Massnahmen zu prüfen.

«Die SBB unternimmt alles sinnvoll Mögliche, damit Reisende und Mitarbeitende stets sicher sind», so die Bahn. Man wolle den tödlichen Unfall aufklären und eine Wiederholung ausschliessen.

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