Sonnengruss, marsch!: Unternehmen verknurren Manager zu Yoga

Aktualisiert

Sonnengruss, marsch!Unternehmen verknurren Manager zu Yoga

Firmen organisieren immer häufiger Workshops, in denen ihre Mitarbeiter den richtigen Umgang mit Stress lernen sollen. Das Ziel: Burnout-Fälle verhindern.

von
Dorothea Vollenweider
Ab ins Yoga: Firmen zeigen ihren Mitarbeitern Wege, um mit Stress umzugehen.

Ab ins Yoga: Firmen zeigen ihren Mitarbeitern Wege, um mit Stress umzugehen.

Vielen Unternehmen liegt das Wohlergehen ihrer Mitarbeiter zunehmend am Herzen. In Tagungen und Workshops bieten sie Managern und Kaderleuten Gesundheits-Check-ups und Schulungen zum richtigen Umgang mit Stress an. Das übergeordnete Ziel ist Burnout-Vorbeugung. «In den letzten vier Jahren haben die Firmen-Anfragen für Burnout-Präventionsmassnahmen stark zugenommen», sagt Christina Anna Wettstein, Mediensprecherin der Krankenkasse Swica. Um rund 20 Prozent sei die Nachfrage pro Jahr gewachsen. Entsprechend habe Swica die Sparte betriebliches Gesundheitsmanagement ausgebaut.

Auch die Krankenkasse Helsana hat sich der Marktnachfrage angepasst. «Wir haben die Dienstleistungen im Bereich Stressprävention erweitert», erklärt Sprecher Stefan Heini.

Die plötzliche Fürsorge der Firmen kommt nicht von ungefähr: Manager, die aufgrund eines Burnouts für längere Zeit ausfallen, sind keine Seltenheit mehr. Auch an Beispielen aus der Welt der Prominenten fehlt es nicht. So wurde Natalie Rickli, SVP-Nationalrätin und Partner Relation Managerin bei Goldbach Media, die grosse Belastung zum Verhängnis. Sie verbrachte Ende 2012 zwei Monate in einer Burnout-Klinik. Auch Johann Rupert, Chef und Gründer des Luxusgüterherstellers Richemont, trat letztes Jahr auf die Bremse. Er gab seinen Posten vorübergehend ab, um sich zu erholen.

Yoga und Nackenmassage

Eine Schweizer Firma, die von dem Angebot der Swica Gebrauch machte, ist Hawa. Das international tätige Unternehmen für Schiebebeschlagsysteme organisierte letztes Jahr zusammen mit der Swica eine Kadertagung im Zeichen der Gesundheit. Auf dem Programm standen neben einem Gesundheits-Check-up eine Yoga-Lektion, eine Nackenmassage sowie ein Workshop zum Umgang mit Stress und Burnout. Der Event war für alle Kaderleute der Firma Pflicht.

«Die Yoga-Lektion wurde zum Glück von allen gut aufgenommen», sagt Rita Ebner, Personalleiterin der Hawa. Mit dem Workshop fiel auch der Startschuss für die Einführung des betrieblichen Gesundheitsmanagements. Dabei geht es darum, die Gesundheit, Zufriedenheit und Motivation der Mitarbeitenden gezielt zu fördern mit dem Ziel, Absenzen zu reduzieren.

«Gesundheit zahlt sich aus»

Ganz uneigennützig handeln Unternehmen also nicht, wenn sie sich um das Wohlergehen ihrer Mitarbeiter sorgen. Denn in die Gesundheit zu investieren lohnt sich laut Swica-Sprecherin Wettstein für Unternehmen auch finanziell: «Firmen unterstützen ihre Mitarbeiter mit Präventionsmassnahmen, weil daraus ein Mehrwert für beide Seiten resultiert», sagt sie.

Dem stimmt Georg Bauer, Gesundheits- und Arbeitswissenschaftler der Uni Zürich, zwar zu, gibt aber zu bedenken: «Viel wichtiger ist, dass der Betrieb gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen schafft.» Denn es nütze nichts, wenn Managern während eines Workshops Yoga nahegelegt werde, diesen jedoch die Zeit fehle, einen Yoga-Kurs zu besuchen.

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