Kritischer Artikel: Unternehmer droht Familie eines Journalisten
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Kritischer ArtikelUnternehmer droht Familie eines Journalisten

Er wollte einen kritichen Artikel verhindern und erschien am Arbeitsplatz des Journalisten, der über seine Praktiken schrieb. Dort hatte der Winterthurer Unternehmer dem Reporter und seiner Familie übel gedroht. Später tauchte er sogar noch am Wohnort des Journalisten auf. Nun wurde der agressive Versicherungsfachmann wegen Nötigung verurteilt.

Der Journalist des «Beobachter» hatte im vergangenen Juni für eine Reportage über Krankenkassenversicherungen auch über die Aktivitäten des Winterthurer Versicherungsunternehmers schreiben wollen. Nach dem Gegenlesen forderte der heute 57-jährige Verkäufer den Journalisten wegen kritischer Passagen über seine Firma auf, den Artikel nicht zu veröffentlichen. Zunächst stellte er ihm in Aussicht, ihm einen Schaden von rund zehn Millionen Franken in Rechnung zu stellen. Als der heute 43-jährige Journalist darauf nicht einging, tauchte der Unternehmer bei ihm am Arbeitsplatz auf und stiess Drohungen gegen seine Frau und seine beiden Kinder aus. Aus Angst um um seine Angehörigen verzichtete der Journalist schliesslich auf die Veröffentlichung.

Trotzdem erschien der Unternehmer später nochmals am Wohnort des Journalisten und ging erst nach mehrfacher Aufforderung. Zwanzig Tage später griff dann die Polizei ein. Der Unternehmer kam in Untersuchungshaft und schliesslich vors Bezirksgericht Zürich. Dieses verurteilte ihn nun wegen Nötigung zu einer bedingten Geldstrafe von 1000 Franken.

Das Gericht stufte das Verhalten des Angeklagten als nicht tolerierbar ein und warf ihm eine strafbare Machtdemonstration vor. Er habe systematische Recherchen über den Journalisten betrieben und diesen glauben lassen, dass er bereit sei, auch dessen Frau und Kinder ins Visier zu nehmen, um seine Ziele zu erreichen. Trotzdem ging der Richter von einem leichten Verschulden aus, weil sich der Unternehmer in einer ausweglosen Situation gewähnt habe. (dapd)

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