Aktualisiert 15.04.2014 12:48

Mindestlohn-InitiativeUnternehmer sehen Frauen als Verliererinnen

Vertreter verschiedener Branchen warnten heute an einer Medienkonferenz vor den Auswirkungen der Mindestlohn-Initiative. Viele Stellen würden verschwinden.

Für Hotelleriesuisse-Präsident Guglielmo Brentel ist die Mindestlohn-Initiative «des Teufels». Auch Vertreter anderer Branchen warnen eindringlich vor den negativen Folgen eines landesweit einheitlichen Mindestlohns. Als Verlierer sehen sie vor allem Frauen und Berufseinsteiger.

Wo es Mindestlöhne gebe, würden schwächere Arbeitnehmende häufiger durch Maschinen oder produktivere Mitarbeiter ersetzt, sagte Gewerbeverbands-Präsident Jean-François Rime (SVP/FR) am Dienstag vor den Medien in Bern.

Berufseinsteiger mit wenig oder keiner Erfahrung hätten grosse Mühe, in der Arbeitswelt Fuss zu fassen. Probleme sieht Rime auch auf jene Frauen zukommen, die heute dank einer Teilzeitstelle ein Zusatzeinkommen verdienen können: Deren Stellen würden mit einem Mindestlohn verschwinden.

Hohe Kosten für Unternehmen

Arbeitgeber-Präsident Valentin Vogt glaubt ebenfalls, dass eine Annahme der Initiative, über die am 18. Mai abgestimmt wird, für Berufseinsteiger negative Folgen hätte. Gerade nach einer Lehre würden Stellen mit einem tiefen Lohn gute Einstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten bieten, sagte er.

Dass Lehrabgängern wie auch Ungelernten mindestens 22 Franken pro Stunde bezahlt werden müsste, ist in den Augen der Gegner eines der grössten Probleme der Initiative. Sie befürchten, dass dadurch auch die Löhne für Berufsleute mit Erfahrung angehoben werden müssten.

Arbeitnehmer müssen sich für Lohn anstrengen

Weil ein Unternehmer seine ganze Lohnskala anpassen müsste, würden sich die Kosten der Initiative auch nicht bloss auf 1,6 Milliarden Franken belaufen, wie dies die Initianten behaupteten, sagte Alain Guttmann, Präsident des Maschinen- und Anlagebauers Bobst Group.

Auch Brentel hält eine Lohndifferenz für notwendig, um den Wert der Aus- und Weiterbildung zu veranschaulichen. «Jemand soll von seinem Lohn leben können, aber dafür soll er sich erst anstrengen und sich weiterentwickeln», sagte der Hotelleriesuisse-Präsident.

Nachteile für Randregionen

Ihn stört zudem, dass der Mindestlohn überall gleich hoch sein soll. Die Initiative blende damit die regionalpolitische Dimension aus, sagte Brentel. Die Initiative fordere für die Zürcher Bahnhofstrasse dieselben Bedingungen wie im Luzerner Hinterland oder im Berner Oberland, kritisierte auch Rime. Diese Gebiete würden damit einen der wichtigsten Wettbewerbsvorteile verlieren, nämlich die tiefen Kosten.

Die Initiative des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB) fordert einen landesweiten Mindestlohn von 22 Franken – rund 4000 Franken pro Monat. Rund 330'000 Arbeitnehmende, zwei Drittel davon Frauen, arbeiten heute für einen tieferen Lohn. SP und Grüne unterstützen die Initiative, die übrigen grossen Parteien wie auch der Bundesrat bekämpfen sie. (sda)

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