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«Misanthropic Division»Unteroffiziere sind Teil von Neonazi-Netzwerk

Angehörige der Schweizer Armee sympathisieren mit einem rechtsextremen Netzwerk. Zwei sind als Feldweibel auch für Munitionsbestände zuständig.

von
ehs
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Mehrere Angehörige der Armee äussern in den sozialen Medien Sympathien für die rechtsextreme «Misanthropic Division» und ähnliche Gruppierungen, berichtet «La Liberté».

Mehrere Angehörige der Armee äussern in den sozialen Medien Sympathien für die rechtsextreme «Misanthropic Division» und ähnliche Gruppierungen, berichtet «La Liberté».

Keystone/Dominic Steinmann
Die «Misanthropic Division» wurde Ende 2013 in der Ukraine gegründet und gehört laut Nachrichtendienst des Bundes (NDB) zur rechtsextremen paramilitärischen Asow-Einheit.

Die «Misanthropic Division» wurde Ende 2013 in der Ukraine gegründet und gehört laut Nachrichtendienst des Bundes (NDB) zur rechtsextremen paramilitärischen Asow-Einheit.

Screenshot Facebook
Auch auf Youtube tritt die Gruppierung auf – etwa mit dem Slogan «Töten für Wotan». Wotan steht für «Will of The Aryan Nation» - zu deutsch «Der Wille der Arischen Nation».

Auch auf Youtube tritt die Gruppierung auf – etwa mit dem Slogan «Töten für Wotan». Wotan steht für «Will of The Aryan Nation» - zu deutsch «Der Wille der Arischen Nation».

Screenshot Youtube

Mindestens fünf Angehörige der Armee sind Sympathisanten der «Misanthropic Division Switzerland», einem Ableger eines neonazistischen Netzwerks. Die Gruppe wird auch vom Nachrichtendienst des Bundes (NDB) überwacht. Das berichtet die Zeitung «La Liberté» (Bezahlartikel).

Auf Facebook zeigt die «Misanthropic Division» aus der Ukraine etwa das Totenkopf-Emblem der Waffen-SS, das von Nazi-Deutschland entwickelte Sturmgewehr 44 oder den Slogan «Töten für Wotan». Das Wort wird in der rechtsextremen Szene als Abkürzung für «Will of The Aryan Nation» verwendet.

Feldweibel sind Sympathisanten

Auch die Macher der Schweizer Facebook-Seite bekunden öffentlich ihre Sympathien für die extrem rechte Ideologie. In einem Post bezeichnen sie etwa die Mitglieder des «Volkssturms» als «Helden». Der Volkssturm war eine Formation, in der die Nationalsozialisten ab 1944 Männer und Jugendliche ab 16 Jahren rekrutierten, um die Niederlage im Zweiten Weltkrieg zu verhindern.

Laut «La Liberté» sind auch drei Unteroffiziere Teil des Netzwerks. Sie hätten ihre diesbezüglichen Sympathien auf Facebook geäussert, so die Zeitung. Unter ihnen seien zwei Feldweibel – ein Rang, der in der Armee mit der Administration von Munitionslagern einhergeht.

Juden als «Tora-Lecker» beschimpft

Ein Feldweibel sei auf Facebook auch mit dem Gründer der «Misanthropic Division» befreundet. Mit ihm und einem weiteren Sympathisanten unterhalte er sich zu verschiedenen Themen wie Waffen, Migrationspolitik oder Juden. Die bezeichne er als «Tora-Lecker». Von der Zeitung auf seine Sympathien angesprochen, verneinte der Mann seine Zugehörigkeit zur Gruppe. Alle drei Teilnehmer der Unterhaltung sollen aus derselben Region im Wallis kommen.

Ein weiterer Unteroffizier hat laut «La Liberté» mehrere Screenshots mit neonazistischer Propaganda geteilt. Seinen Facebook-Auftritt halte er in kyrillischer Schrift. Ein weiterer Unteroffizier habe unter anderem auch die Facebook-Seiten «Skinheads Holland»,« Crew 38 Finnland», «Hammerskins» und «White & Radical 2.0» mit einem «Gefällt mir» markiert.

Amstutz: Soldaten sollen aufmerksam sein

Ein Sprecher der Armee sagt der Zeitung, man könne aus Datenschutzgründen keine Stellung zu Einzelfällen nehmen. Es würden aber mögliche Massnahmen geprüft. Dazu könnten unter anderem der Einzug der Waffe oder die vorübergehende Suspendierung gehören. Führe die Sicherheitsüberprüfung zu einer entsprechenden Risikobeurteilung, könnten die Armeeangehörigen ausgeschlossen werden. Aktivitäten in den sozialen Medien würden von der Armee nicht systematisch kontrolliert.

CVP-Nationalrätin Ida Glanzmann-Hunkeler sagt der Zeitung, nun müsse die Fachstelle Extremismus der Armee gestärkt werden. SVP-Nationalrat Adrian Amstutz erklärt, er verurteile jegliche Art von Extremismus. Der Staat könne aber nicht in jeder Soldatengruppe einen Überwacher installieren. Jeder Soldat müsse die Augen offen halten und entsprechende Verdachtsmomente melden.

Die «Misanthropic Division» wird auch im Lagebericht des Nachrichtendienstes des Bundes (NDB) erwähnt. Es handelt sich um eine rechtsextreme Gruppierung, die ursprünglich aus der Ukraine stammt und seit 2015 einen Schweizer Ableger hat (siehe Infobox).

Die «Misanthropic Division»

Die Gruppierung «Misanthropic Division» wurde Ende 2013 in der Ukraine gegründet. In der Schweiz macht sie seit 2015 von sich reden. Sie bezeichnet sich als Hilfsorganisation für Truppen im Osten der Ukraine. Die Gruppe gehört laut dem Nachrichtendienst des Bundes (NDB) zur rechtsextremen paramilitärischen Einheit Asow. «Diesem Regiment werden Kriegsverbrechen vorgeworfen; die Misanthropic Division bezieht sich in ihrem Auftritt auf nationalsozialistische Vorläufer», heisst es im Lagebericht des NDB. Mindestens zwei Rechtsextreme aus der Schweiz hätten zudem in der Ukraine gekämpft oder kämpften dort immer noch.

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