«Es herrschte Gesetz des Schweigens» - Sexuelle Belästigungen und Missbrauch bei RTS doch schlimmer – sagt Bericht
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«Es herrschte Gesetz des Schweigens»Sexuelle Belästigungen und Missbrauch bei RTS doch schlimmer – sagt Bericht

Im Westschweizer Fernsehen RTS soll es über Jahre hinweg zu unerwünschten Berührungen und Küssen aber auch Beleidigungen gekommen sein. Nun liegt ein Bericht vor – die Vorwürfe darin sind happig.

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Am Donnerstag kamen weitere Vorwürfe gegen RTS-Mitarbeiter wegen sexueller Belästigung zutage.

Am Donnerstag kamen weitere Vorwürfe gegen RTS-Mitarbeiter wegen sexueller Belästigung zutage.

20min/Vanessa Lam
Gegen zwei weitere Mitarbeiter des Westschweizer Radios und Fernsehens laufen Untersuchungen.

Gegen zwei weitere Mitarbeiter des Westschweizer Radios und Fernsehens laufen Untersuchungen.

20min/Vanessa Lam
Sie werden für die Dauer der Ermittlungen suspendiert. 

Sie werden für die Dauer der Ermittlungen suspendiert.

20min/Vanessa Lam

Darum gehts

  • Ein von der SRG beauftragtes Anwaltskollektiv hat einen Bericht vorgelegt. Darin ist die Rede von «systemischem» Mobbing, sexuellen Übergriffen und Rassismus.

  • Gegen zwei Mitarbeiter wurden Untersuchungen eröffnet. Sie wurden für deren Dauer suspendiert.

  • Laut dem Bericht herrschten die Missstände über 20 Jahre lang.

Am Donnerstag kamen in einem Bericht weitere Vorwürfe gegen RTS-Mitarbeiter wegen sexueller Belästigung zutage. Die Untersuchung wurde von RTS selber beauftragt, durchgeführt wurde sie von drei Anwältinnen und einem Anwalt der Genfer Kanzlei Collectif de Défense, die mit insgesamt 230 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sprachen. Der «Tages-Anzeiger» hatte Einblick in den Bericht – und schreibt, die Missstände beim Sender seien weit vielfältiger und gravierender als bisher bekannt. Die Rede ist von unerwünschten Küssen und Berührungen an Brüsten und Hintern, Beleidigungen, Diskriminierung und Rassismus.

Im Fokus stehen insbesondere zwei aktuelle Mitarbeiter von Radio Télévision Suisse (RTS), welche sich Belästigungen zuschulden kommen liessen. «Sie werden für die Dauer der Ermittlungen suspendiert», schreibt RTS in einer Mitteilung. «Diese Untersuchungen werden in völliger Unabhängigkeit und unter strengster Achtung des Persönlichkeitsschutzes von einer unabhängigen Stelle durchgeführt.» Zudem seien fünf weitere Mitarbeiter zu Gesprächen aufgeboten worden.

Arbeitsklima soll analysiert werden

Das Collectif de Défense empfiehlt eine Analyse des Arbeitsklimas in zwei Abteilungen. Auch wurde im Bericht ein potentiell unangemessenes Verhalten von neun pensionierten Mitarbeitern erwähnt.

Die Anwälte geben bekannt, dass sich aus der Analyse der Zeugenaussagen viele Persönlichkeitsverletzungen ergeben hätten. Es habe ein «Gesetz des Schweigens» geherrscht, das auch dem Führungsstil des ehemaligen RTS-Chefs und heutigen SRG-Generaldirektors zuzuschreiben sei. Fehlbare Kadermitarbeiter seien von ihren Vorgesetzten geschützt worden. So sei ein «fruchtbarer Boden» für ein feindseliges Arbeitsklima und Fehlverhalten geschaffen worden. Über die aktuelle Situation gebe es allerdings keine Beschwerden.

Auch RTS-Direktor Pascal Crittin meldete sich zu Wort. Er sagt, dass jedes unangemessene und beleidigende Verhalten im beruflichen Kontext mit den Werten des Unternehmens unvereinbar sei. «Wenn uns Fälle zur Kenntnis gebracht werden, leiten wir sofort eine Untersuchung ein. Je nach Resultat werden Sanktionen
bis hin zur sofortigen Entlassung ergriffen.»

Wie krass der Bericht ausfiel, zeigen auch die Reaktionen einzelner Mitarbeiterinnen auf die Präsentation des Berichts: Mehrere seien in Tränen ausgebrochen und hätten von einem «absoluten Skandal» gesprochen.

Wirst du oder wird jemand, den du kennst, sexuell belästigt?

Hier findest du Hilfe:

Belästigt.ch, Onlineberatung bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz

Verzeichnis von Anlaufstellen

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

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(lea/trx)

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