Dialog veröffentlicht - Unterwäsche-Fetischist belästigt Grünen-Nationalrätin Meret Schneider

Aktualisiert

Meret Schneider (29)Unterwäsche-Fetischist belästigt Grünen-Nationalrätin

Seit Wochen schreibt ein Unbekannter der Nationalrätin aus dem Kanton Zürich. Er will, dass sie ihm Kleider schickt, die sie getragen hat. Schneider hatte nun aber genug und hat darum Screenshots der Nachrichten publiziert.

von
Patrick McEvily
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Meret Schneider, Nationalrätin Grüne.

Meret Schneider, Nationalrätin Grüne.

Adrian Moser / Tamedia AG
Auf Twitter hat sie Screenshots der Nachrichten des Unbekannten geteilt.

Auf Twitter hat sie Screenshots der Nachrichten des Unbekannten geteilt.

Screenshot/Twitter
Gemäss der Nationalrätin blieb der Stalker trotz der aufdringlichen Nachrichten «meist respektvoll».

Gemäss der Nationalrätin blieb der Stalker trotz der aufdringlichen Nachrichten «meist respektvoll».

Screenshot Twitter

Darum gehts

Die grüne Nationalrätin Meret Schneider hat auf Twitter eine Konversation mit einer ihr fremden Person auf dem Messengerdienst Telegram publiziert, die äusserst aufdringlich nach gebrauchten Kleidungsstücken der 29-Jährigen fragt. «Wollte unbedingt paar Sachen von dir abkaufen. Klamotten oder Schuhe oder Unterwäsche. Versand zahl ich natürlich», schreibt die unbekannte Person in einer von vielen Nachrichten. Zudem sagt die Person, Schneider könne die Konversation jederzeit beenden, wenn diese nur «Nein» sage. Als sie dies tut, hört der Unbekannte dennoch nicht auf.

«Hab mir kurz überlegt Ja zu sagen, um an die Adresse zu kommen»

20 Minuten hat mit der Nationalrätin aus dem Kanton Zürich gesprochen. Sie erklärt, dass die Belästigungen bereits mehrere Monate andauern würden. «Ich habe keine Ahnung, wie und wieso das angefangen hat», sagt sie. Obwohl sie die Nummer in der Vergangenheit blockiert hatte, gelang es der Person, sich wieder bei ihr zu melden. Für die Politikerin, die häufig an Standaktionen zu sehen ist, sind Beleidigungen nichts Neues. «In Uster ist mir mal ein Herr einfach ständig hinterher gelaufen. Die Polizei hat dann eingegriffen und es war fertig.» Auch nach ihren Kleidungsstücken wurde sie nicht zum ersten Mal angefragt. «Getragene Kleider sind offenbar beliebt», sagt sie. «Ich schreibe dann immer dezidiert Nein.»

Die aktuellen Belästigungen haben gemäss der Politikerin aber eine neue Dimension erreicht. «In dieser Hartnäckigkeit habe ich das noch nie erlebt.» Weil die Person unter einer blockierten Nummer schreibt, sieht Schneider keine Möglichkeit für eine Anzeige. Sie sagt aber auch: «Ich habe keine Angst.» Auch wenn sie bislang von keiner Politikerin gehört habe, die ebenfalls angefragt wurde, gebrauchte Kleidung zu verschicken, weiss sie, dass beispielsweise Nationalrats-Kollegin Tamara Funiciello (31) immer wieder Ziel von Belästigungen in den sozialen Medien sei.

Auf ihren Tweet hat Schneider (abgesehen von den Kommentaren) noch keine Rückmeldungen bekommen – «ausser Scherznachrichten, dass ichs doch hätte machen sollen». Sie habe sich zwar kurzzeitig tatsächlich überlegt, der Person zu sagen, sie würde die Kleider schicken, nur um an deren Adresse zu gelangen, «aber es wars mir nicht wert, so viel Aufwand für den zu betreiben.»

Phänomen ist weit verbreitet

In ihrem Tweet hat Schneider auch die Organisation Netzcourage und deren Leiterin Jolanda Spiess-Hegglin markiert. In Fällen, in denen der Absender bekannt ist, könnten diese eingreifen. «Ich bin mir aber nicht sicher, ob dieser Fall als Belästigung durchgehen würde. Der Herr fordert zwar ständig, blieb dabei aber relativ respektvoll.» Seit der Veröffentlichung des Tweets hat sie nichts mehr von der unbekannten Person gehört.

Gemäss der Stadtpolizei Zürich ist es nicht strafbar, nach getragenen Kleidungsstücken zu fragen. Ignoriert jemand aber – wie im Fall von Meret Schneider – ein klares Nein, könnte dies strafrechtlich relevant sein. Man würde von Fall zu Fall schauen, erklärte ein Mediensprecher im vergangenen Sommer gegenüber 20 Minuten. Das Phänomen ist offenbar weit verbreitet. Die Psychologin und Sexualtherapeutin Janice Karen Spiess rät Betroffenen in solchen Fällen nicht zu reagieren, die Person zu blockieren und, wenn möglich, der Plattform zu melden, auf denen die Nachrichten geteilt wurden.

Wirst du oder wird jemand, den du kennst, sexuell belästigt?

Hier findest du Hilfe:

Belästigt.ch, Onlineberatung bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz

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