Publiziert

Ernstfall auf SeeUnterwasser-Gurken für die US-Marine

In den U-Booten der US-Marine drängt sich die Besatzung monatelang auf engstem Raum. Das drückt auf die Stimmung. Ein Bauernsohn sinnt auf Abhilfe.

von
Jennifer McDermott
AP
1 / 3
Ingenieur Don Holman, der Bauernsohn aus Michigan, im Labor der US-Armee in Massachusetts: «Wenn Du ihnen etwas gibst, was sie wollen, verbessert das die Moral. Und wenn die Moral hoch ist, leisten sie mehr.»

Ingenieur Don Holman, der Bauernsohn aus Michigan, im Labor der US-Armee in Massachusetts: «Wenn Du ihnen etwas gibst, was sie wollen, verbessert das die Moral. Und wenn die Moral hoch ist, leisten sie mehr.»

AP/Elise Amendola
Techniker tüfteln in einem zwölf Meter grossen Gewächshaus-Container mit Nährgut und künstlichem Licht, die Obst und Gemüse auch unter Wasser gedeihen lassen sollen.

Techniker tüfteln in einem zwölf Meter grossen Gewächshaus-Container mit Nährgut und künstlichem Licht, die Obst und Gemüse auch unter Wasser gedeihen lassen sollen.

AP/Elise Amendola
Seine Frühlingszwiebeln seien prächtig gewachsen, berichtet Holman. Auch das Wurzelgemüse liess nur wenig zu wünschen übrig. Dagegen entpuppten sich Gurken als Reinfall.

Seine Frühlingszwiebeln seien prächtig gewachsen, berichtet Holman. Auch das Wurzelgemüse liess nur wenig zu wünschen übrig. Dagegen entpuppten sich Gurken als Reinfall.

AP/Elise Amendola

Seefahrer legen seit Jahrtausenden Wert auf vitaminreiche Nahrung an Bord. Auch die US-Marine füllt die Vorräte ihrer U-Boote mit reichlich Obst und Gemüse, wenn sie die Kolosse auf monatelange Unterwasserfahrt schickt.

Doch spätestens nach zwei Wochen welkt frischer Salat und Tomaten werden unansehnlich. Frisches gibt es erst wieder, wenn ein Hilfsschiff Nachschub bringt oder das U-Boot einen Hafen anläuft.

Obst und Gemüse sollen unter Wasser wachsen

Also ersetzt die Schiffsküche das Obst durch Pudding. An die Stelle frischer Gurken und Rüebli treten Büchsengemüse oder aufgetaute Tiefkühlkost und der Salat wird aus Bohnen oder Nudeln statt aus Rucola kreiert. Ausserdem gibt es mehr Suppe.

Das schmeckt vielen Seeleuten auf die Dauer nicht und das US-Militär sinnt auf Abhilfe für seine Krieger. Techniker tüfteln in einem zwölf Meter grossen Gewächshaus-Container mit Nährgut und künstlichem Licht, die Obst und Gemüse auch unter Wasser gedeihen lassen sollen. Künftig sollen die Gewächse vor dem Auslaufen gepflanzt, an Bord wachsen und während der Unterwasserreise geerntet werden.

Prächtige Frühlingszwiebeln, Gurken als Reinfall

«Wenn du ihnen etwas gibst, was sie wollen, verbessert das die Moral. Und wenn die Moral hoch ist, leisten sie mehr», sagt Ingenieur Don Holman über die US-Matrosen. Der Bauernsohn aus Michigan versuchte sich in einem Labor bei Boston zunächst an 83 Arten Obst und Gemüse, um deren Tücken und Besonderheiten kennenzulernen.

Seine Frühlingszwiebeln seien prächtig gewachsen, berichtet Holman. Auch das Wurzelgemüse liess nur wenig zu wünschen übrig. Dagegen entpuppten sich Gurken als Reinfall. Erdbeeren und Rhabarber wuchsen zwar, doch der Ertrag war gering. Tomaten setzten keine Früchte an, weil es zu kalt und zu dunkel war. Andere Gewächse gerieten in Konflikt mit der Technik: Wein rankte sich überall hin und die Zucchini-Blätter wucherten die Lampen zu.

Von der Trockenübung zum Ernstfall auf See

Seine erfolgreichsten Sprösslinge verpflanzte Holman auf Tabletts voller Torfmoos. In dieser Woche kommen sie in mehr als 250 Gestelle, die an Schienen hängen. Von der Decke leuchten rote und blaue LED-Lampen und ersetzen das Tageslicht. Holman nennt die Vorrichtung einen Bauernhof ohne Dreck und Insekten. Er will sehen, welchen Ertrag die Pflanzen unter diesen Bedingungen bringen.

Im September wird Holman der Marine über den Stand seiner 100'000 Dollar (90'000 Euro) teuren Forschungen berichten. Die muss dann entscheiden, ob aus der Trockenübung an Land ein Ernstfall auf See wird. Die grösste Herausforderung sei der Platz, sagt der frühere U-Boot-Kommandant Ronald Steed. In ein gut 120 Meter langes U-Boot müssen 130 Seeleute passen. Und selbst in 170 Meter langen Raketen-U-Booten drängen sich 170 Matrosen. Da bleibe wenig Raum für eine Gärtnerei. «Aber wenn sie es hinbekommen, wäre es grossartig», sagt Steed.

«Wichtig für die Moral»

Natürlich möge die Besatzung auch Spaghetti und Lasagne mit Büchsentomaten, sagt Chefkoch Brian Pearson, der auf der «USS Missouri» am Herd steht. Kartoffelbrei koche er aus trockenen Kartoffelflocken, Butter, Knoblauch und Sour Cream. Doch es gebe nichts Besseres als frische Zutaten.

Deine Meinung