Unverbesserliche Langfinger
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Unverbesserliche Langfinger

Diebe sind arg rückfallgefährdet. Dies hat das Bundesamt für Statistik in einer Analyse festgestellt. Über die Hälfte der Personen, die wegen Diebstahls eine Haftstrafe absitzen, langen später erneut zu.

Bei anderen Straftatbeständen liegen die Wiederverurteilungsraten tiefer. Dies geht aus dem jüngsten Newsletter des Bundesamtes für Statistik (BFS) über Kriminalität und Strafrecht hervor. Laut den Rückfall-Analysen wurden 19 Prozent der Personen, die wegen Diebstahls ohne Gewaltanwendung verurteilt wurden, später wegen der gleichen Straftat erneut verurteilt.

Bei den Personen, die wegen dieses Delikts eine Haftstrafe abgesessen hatten, wurden 27,5 Prozent später wegen der gleichen Straftat wieder verurteilt. Der Anteil der Haftentlassenen dieser Kategorie, die später wegen irgendeiner Straftat erneut verurteilt wurden, erreichte 55,4 Prozent.

Die Analysen betreffen Minderjährige und Erwachsene, die 2002 und 2003 strafrechtlich verurteilt wurden, sowie während diesen zwei Jahren aus dem Straf- und Massnahmenvollzug entlassene Personen. Haben sie in den drei Jahren nach der Verurteilung oder Entlassung ein neues Verbrechen oder Vergehen begangen, das zu einer neuen Verurteilung führte, so wurde dies als Rückfall gewertet.

Höhere Rückfallraten bei Drogenhandel als bei Gewalttaten

Beim Betäubungsmittelhandel wurden von den verurteilten Personen 11 Prozent später für die gleiche Straftat wiederverurteilt, von den haftentlassenen Personen 15,5 Prozent. Fast 40 Prozent der haftentlassenen Drogenhändler wurden später wegen irgendeiner Straftat erneut verurteilt.

Von den Personen, die wegen Diebstahls mit Gewaltanwendung oder wegen Gewalthandlungen verurteilt wurden, gab es bei je rund 5 Prozent später eine Wiederverurteilung wegen der gleichen Straftat. Von den haftentlassenen Personen dieser Kategorien wurden 43 respektive 38 Prozent später wegen irgendeiner Straftat erneut verurteilt.

Bei Sexualdelinquenten handelt es sich beim spezifischen Rückfall um Einzelfälle (ein Prozent).

Wenig Unterschiede nach Altersgruppen

Während bei den meisten Delikt-Kategorien die Haftentlassenen eine höhere Rückfallquote aufwiesen als die Verurteilten, waren die Werte bei Fahren im angetrunkenen Zustand umgekehrt: Von den verurteilten Personen wurden 9,4 Prozent wegen der gleichen Straftat rückfällig; von jenen, die deswegen eine Strafe abgesessen hatten, nur 7,3 Prozent.

Die Analyse untersucht die Rückfälligkeit auch nach Altersgruppen: unter 18 Jahre, 18 bis 24 und ab 25 Jahre. Die Unterschiede sind eher gering. Die Rückfallrate der unter 18-Jährigen ist am niedrigsten für Diebstahl ohne Gewaltanwendung (12 Prozent, gegenüber 18 und 28 Prozent bei den anderen Altersklassen).

Ähnlich das Bild beim Drogenhandel: Von den Minderjährigen wurden 8,5, von den 18 bis 24-Jährigen 8 Prozent rückfällig, bei den über 25 Jährigen waren es knapp 14 Prozent.

Relativ hohe Rückfallraten hatten Minderjährige bei Diebstahl mit Gewaltanwendung (6,6 Prozent, gegenüber 2,7 respektive 3,7 Prozent der anderen Altersklassen). Allerdings handelt es sich hier um sehr niedrige Raten, räumt das BFS ein.

Die Rückfallanalysen berücksichtigen nur Personen schweizerischer Nationalität. Detailanalysen will das BFS im Herbst veröffentlichen.

Bundesamt für Statistik

(sda)

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