Nach Hochwasserkatastrophe - Unwetter erwartet – Deutschland blickt mit Unbehagen aufs Wochenende 
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Nach HochwasserkatastropheUnwetter erwartet – Deutschland blickt mit Unbehagen aufs Wochenende

Die Aufräum- und Rettungsmassnahmen wegen des verheerenden Hochwassers von vor sechs Tagen laufen auf Hochtouren. Doch die Menschen in den betroffenen westdeutschen Gebieten sorgen sich bereits wieder ob der nächsten Wetteraussichten.

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Bundeswehrsoldaten räumen am 21. Juli in Bad Münstereifel, Nordrhein Westfalen, auf.

Bundeswehrsoldaten räumen am 21. Juli in Bad Münstereifel, Nordrhein Westfalen, auf.

REUTERS
Eine Frau ist fassungslos angesichts der Schäden in Bad Neuenahr-Ahrweiler, NRW. 

Eine Frau ist fassungslos angesichts der Schäden in Bad Neuenahr-Ahrweiler, NRW.

AFP
In Rheinland-Pfalz ist der Kreis Ahrweiler ein Schwerpunkt der Katastrophe.

In Rheinland-Pfalz ist der Kreis Ahrweiler ein Schwerpunkt der Katastrophe.

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Darum gehts

  • Im Westen Deutschlands werden am Wochenende wieder Unwetter erwartet.

  • Sie dürften lokal ausfallen, gewarnt wird vor Erdrutschen und überfluteten Kellern.

  • Tief «Dirk» wird aber keine erneute Flutkatastrophe nach sich ziehen.

  • Der Deutsche Wetterdienst geht aber davon aus, dass «2021 noch weitere Ereignisse hinzukommen».

«Es kommen neue Unwetter, ja», sagt Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst dem «Spiegel». Diese Aussage dürften die Menschen in Westdeutschland mit grosser Sorge hören.

Sie sind noch immer mitten in den Aufräumarbeiten- und Rettungsmassnahmen. Die Hochwasserkatastrophe liegt erst sechs Tage zurück und noch herrscht überall Zerstörung. Weiterhin werden Leichen geborgen, die Zahl der Toten ist inzwischen auf 175 gestiegen.

Starkregen, Sturmböen und Hagel

An den zwei Hochwasser-Horrortagen waren letzte Woche in Teilen von Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen über 200 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen– Mengen, die sonst im Westen Deutschlands eher über Zeiträume von zwei bis vier Monaten verzeichnet werden. Eine verheerende Flut war die Folge.

Bahnt sich am Wochenende die nächste Katastrophe an? Am Samstag erwartet der Deutsche Wetterdienst, dass sich in Rheinland-Pfalz von Südwesten schauerartige oder gewittrige Regenfälle ausbreiten. Es könne auch zu Hagel, Sturmböen und Starkregen kommen. Mit ersten Schauern wird bereits in der Nacht in der vom Hochwasser ohnehin schon schwer betroffenen Eifel gerechnet.

Böden nehmen kein Wasser mehr auf

Ab Samstagnachmittag soll es auch in Nordrhein-Westfalen schauerartigen Regen geben. Dabei seien auch einzelne kräftige Gewitter mit Starkregen möglich, lokal herrsche auch hier Unwettergefahr, so die Meteorologen. Dazu muss auch in Teilen Bayerns mit Gewittern und schweren Regenfällen gerechnet werden.

Sie mahnen, das Unwetter-Potential ernst zunehmen. Die Sorge: Auch in geringen Mengen kann neuer Regen zum Problem werden und Bäche wieder anschwellen lassen, weil die Böden zu nass sind, um noch mehr Wasser aufnehmen zu können.

Tief «Dirk» ist nicht Tief «Bernd»

Dennoch ist es wenig wahrscheinlich, dass sich die Unwetter und Regenfälle zu einer erneuten Flutkatastrophe auswachsen, zumal die Grosswetterlage jetzt eine andere ist, als bei Tief «Bernd» von letzter Woche: «Da kamen mehrere Tage Starkregen und vor allem Dauerregen mit riesigen Niederschlagsmengen über einem grösseren Gebiet zusammen, was dann zum Übertreten von Flüssen und Bächen und den heftigen Überschwemmungen geführt hat», sagt Meteorologe Andreas Friedrich.

Das dieses Wochenende erwartete Tief «Dirk» aber werde sich im Gegensatz zu «Bernd» nicht über Tage festsetzen, sondern angetrieben von stärkeren Luftströmungen durchziehen, so Friedrich weiter. Die gleiche Voraussage macht auch Meteorologe Jan Schenk vom deutschen «The Weather Channel».

«Es werden 2021 noch weitere Ereignisse hinzukommen»

Das heisst nicht, dass es lokal wegen des starken Regens nicht doch zu Erdrutschen und überfluteten Kellern kommen kann. «Was genau passiert, hängt aber von den konkreten Gegebenheiten vor Ort ab», sagt Meteorologe Friedrich. Es lasse sich aber wohl erst im Verlaufe des Samstagnachmittags näher eingrenzen, welche Gebiete in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen vom Unwetter betroffen sein werden. «Dann geben wir auch eine Vorabinformation heraus», so Meteorologe Friedrich.

Mit Blick auf die schwer verwüsteten Gebiete rund um den Einzugsbereich des Flusses Ahr in Rheinland-Pfalz und im Einzugsbereich der Erft, Kyll, Mosel, der Wupper und der Rur in Nordrhein-Westfalen sagt der Meteorologe: «Wenn wir Glück haben, ziehen die Gewitter einfach vorbei.»

Darauf hoffen alle. Doch es geht nicht nur um dieses kommende Wochenende. So weist der Deutsche Wetterdienst darauf hin, dass Deutschland bereits seit Mai von einer ganzen Serie solcher Extremregenfälle heimgesucht wird. Die Saison gehe noch bis September. «Es ist also davon auszugehen, dass noch weitere Ereignisse in 2021 hinzukommen werden.»

Kirchen lassen Glocken läuten

Freitag, 18 Uhr

Als Zeichen der Solidarität und im Gedenken an die vielen Opfer der Flutkatastrophe läuten um 18 Uhr am Freitagabend landesweit in vielen Kirchen die Glocken. Die evangelischen Landeskirchen haben gemeinsam mit katholischen Bistümern zum Geläut mit anschliessender Andacht aufgerufen. So haben auch viele Gemeinden in den Katastrophengebieten grosse Schäden durch das Hochwasser erlitten, hiess es beim Erzbistum Köln. Beeindruckt zeigten sich Vertreter der Kirchen von der grossen Hilfsbereitschaft. Es seien unzählige Engagierte aus den Gemeinden an Hilfsaktionen beteiligt. Auch viele Notfallseelsorger seien seit der vergangenen Woche im Einsatz.

(gux)

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