Aktualisiert 06.02.2008 11:35

Unwissend zum Mann gemacht

In einem deutschlandweit beispiellosen Fall hat sich eine Krankenpflegerin nach jahrelangem unfreiwilligen Leben als Mann mit einer Klage gegen ihren früheren Chirurgen durchgesetzt.

Das Landgericht Köln bezeichnete einen operativen Eingriff bei der Klägerin vor mehr als 30 Jahren als rechtswidrig und gab damit der Klage der 48-Jährigen auf Schmerzensgeld grundsätzlich statt.

Vor der damaligen Entfernung ihrer Eierstöcke und der Gebärmutter sei die Klägerin «nicht zutreffend aufgeklärt» worden, urteilte das Gericht. Zur Höhe des Schmerzensgeldes traf das Gericht noch keine Entscheidung. Gegen das Urteil ist Berufung beim Oberlandesgericht möglich.

Zum Mann gemacht

Die Klägerin war durch die Operation 1977 biologisch zu einem Mann gemacht worden. Nach ihrer Geburt war sie als Junge angesehen worden, nachdem ihre äusseren Geschlechtsorgane nicht eindeutig einem Geschlecht zuzuordnen waren.

Während einer Blinddarmoperation bei der damals 17-Jährigen wurde entdeckt, dass sie Eierstöcke und eine Gebärmutter hatte. Die inneren Geschlechtorgane wurden der Klägerin ein Jahr später bei der umstrittenen Operation in einer Kölner Klinik entfernt.

Der Vorsitzende Richter Dietmar Reiprich betonte bei der Urteilsverkündung, bei dem chirurgischen Eingriff seien «eindeutig nur weibliche Geschlechtsorgane» gefunden worden. Dabei habe die Klägerin vor der Operation davon ausgehen müssen, dass sie «gemischtgeschlechtlich» sei.

Angesichts des gegenteiligen Befunds während der Operation habe es an der Einwilligung der Klägerin zu dem Eingriff gefehlt. Die Krankenpflegerin aus Düsseldorf zeigte sich «positiv überrascht» von dem Richterspruch. Sie müsse ihren Erfolg in erster Instanz nun «erst einmal geistig verarbeiten», sagte sie der Nachrichtenagentur AFP.

Auch der Rechtsbeistand der 48-Jährigen begrüsste das Urteil. Das Gericht habe festgestellt, dass seiner Mandantin «schweres Unrecht» geschehen sei, betonte der Anwalt.

(sda)

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