Aktualisiert 10.10.2013 12:42

Zweiter Anlauf

UPC Cablecom steigt ins Handy-Geschäft ein

UPC Cablecom will ein Mobilfunk-Angebot lancieren. Laut Insider-Berichten noch in diesem Jahr. Ein Branchenkenner räumt dem Unterfangen keine grossen Chancen ein.

von
Philipp Rüegg
Bald könnten Kunden ihr Handy-Abo bei UPC Cablecom abschliessen.

Bald könnten Kunden ihr Handy-Abo bei UPC Cablecom abschliessen.

UPC Cablecom bietet seinen Kunden bereits Internet, Fernsehen und Festnetztelefonie an. Laut einem Bericht der «Handelszeitung» soll noch in diesem Jahr ein eigenes Mobilfunkangebot dazu stossen. Schon einmal versuchte das Unternehmen unter der Marke Cablecom mobile im HandyGeschäft Fuss zu fassen. Das Angebot wurde 2011 eingestampft und die Partnerschaft mit Sunrise beendet.

Nun soll UPC Cablecom einen weiteren Versuch wagen. Dieses Mal in Zusammenarbeit mit Orange, auf dessen Mobilfunknetz die Dienste laufen sollen. Mediensprecher Andreas Werz erklärte gegenüber der Handelszeitung: «UPC ist zurzeit daran, verschiedene Prozesse in Verbindung mit ihrem geplanten Mobilfunkangebot vorzubereiten.» Anders als bei den bisherigen Angeboten sollen zukünftig alle Dienstleistungen von UPC Cablecom erbracht werden. Bestehende Kunden könnten auf ein Vierer-Komplettpaket upgraden. Bisher bieten nur Swisscom und Sunrise ein vollständiges Angebot von Internet, Fernsehen, Festnetz- und Mobiltelefonie an.

Schweizer sind treu

UPC Cablecom steht vor einer grossen Aufgabe. Der zwischen Sunrise, Orange und Swisscom aufgeteilte Markt dürfte schwer zu durchbrechen sein, meint Telecom-Experte von Comparis Ralf Beyeler. Schweizer sind bekanntlich schwer zu Abowechseln zu bewegen. «Die meisten Kunden wechseln erst, wenn sie unzufrieden mit ihrem Anbieter sind», so Beyeler. Dennoch findet er es gut, dass Cablecom ein eigenes Angebot plant. «Es ist eine Abrundung, besonders für die eigenen Kunden.»

Cablecom hat mit zwei Millionen Kunden eine gute Startposition. Beyeler bezweifelt allerdings, dass das reicht. «Es gab schon stärkere Anbieter, die eigene Angebote lancierten. Die meisten sind gefloppt.» Der Comparis-Experte nennt das Beispiel Mobilzone. Für die Kunden spiele es keine grosse Rolle, ob sie ihr Handy-Abo am gleichen Ort haben wie ihr Internet. Das seien reine Marketingüberlegungen. «Nur schon halb so gross zu werden wie Sunrise oder Orange ist eine Illusion». Ein paar 100'000 Kunden würde Cablecom wohl für sich gewinnen können. Primär zu Lasten von Sunrise, vermutet Beyeler, «da diese ähnlich positioniert sind».

Keine Gefahr für Orange

Dass Orange einem weiteren Konkurrenten sein Mobilfunknetz zur Verfügung stellt, liege an den hohen Fixkosten, die solche Netze verursachen. Cablecom würde sich indirekt an den Unkosten beteiligen. Preislich werde Cablecom allerdings kaum Spielraum bleiben, um Orange entscheidend zu unterbieten, vermutet Beyeler.

Dennoch könnte Cablecom zu einem interessanten Mitspieler im Mobilfunkgeschäft werden. Technisch wäre es Beyeler zufolge sogar möglich, dass das Unternehmen zusätzliche Verträge mit Sunrise und Swisscom abschliesst, um ein höhere Netzabdeckung zu gewährleisten. Ein eigenes Netz ist indes unwahrscheinlich, da die Frequenzen bis 2028 vergeben sind und Cablecom kaum Sunrise oder Orange übernehmen dürfte.

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