Unterdotierte Polizei: Ur-Dörfli und Dignitas als Sicherheitsrisiko
Aktualisiert

Unterdotierte PolizeiUr-Dörfli und Dignitas als Sicherheitsrisiko

Im Zürcher Oberland herrscht akuter Polizistenmangel. Prekär ist die Lage in Pfäffikon: Eine Suchthilfestation und Dignitas binden fast alle Kapazitäten.

von
Ronny Nicolussi
Sind mit Ur-Dörfli und Dignitas praktisch absorbiert: Polizisten in Pfäffikon

Sind mit Ur-Dörfli und Dignitas praktisch absorbiert: Polizisten in Pfäffikon

Im Zürcher Oberland ist die Kantonspolizei chronisch unterdotiert (20 Minuten Online berichtete). Augenfällig wird diese Situation in Pfäffikon, einem 10 000-Seelen-Ort ohne eigene Gemeindepolizei. Mit dem Zuzug der Suchthilfebetreuung Ur-Dörfli der Sozialwerke Pfarrer Sieber (SWS) und der Sterbehilfeorganisation Dignitas im vergangenen Jahr hat sich die Lage zugespitzt.

Recherchen von 20 Minuten Online haben ergeben, dass die beiden Institutionen die Ressourcen der lokalen Kantonspolizei praktisch absorbieren. Zu beiden muss sie durchschnittlich einmal täglich ausrücken. Während in der niederschwelligen, stationären Suchthilfebetreuung für Drogenabhängige Gewalttaten im Vordergrund stehen, müssen die Polizisten auch die Todesursache von jedem von Dignitas in den Freitod Begleiteten protokollieren.

Daneben nahmen in den vergangenen Jahren die Gewaltbereitschaft und Fälle von Vandalismus wesentlich zu. Wegen der Überlastung der Kantonspolizei setzt die Gemeinde seit sechs Jahren einen privaten Sicherheitsdienst ein, wie aus einer kürzlich veröffentlichten Medienmitteilung hervorgeht. Weil sie nicht die Kompetenzen von Polizisten hätten, erfüllten die privaten Sicherheitspatrouillen ihren Auftrag jedoch nur unbefriedigend, heisst es da.

Auch künftig keine Nachtpatrouillen

Derweil empfindet die Bevölkerung gewalttätige Übergriffe, Vandalismus, Littering, Drogenmissbrauch und Lärm vor allem nachts als ernsthaftes Problem. Ungestört werden im Naherholungsgebiet des Pfäffikersees Drogen konsumiert. Am kommenden 14. Juni steht deshalb ein Kredit über knapp eine halben Million Franken zur Abstimmung, mit dem zwei Gemeindepolizeistellen während vier Jahren finanziert werden sollen.

Die Sache hat jedoch einen Haken. Der Gemeinderat will diese Dienstleistung bei der Gemeindepolizei Fehraltdorf-Russikon einkaufen – einer derzeit vierköpfigen Polizei, die laut dem Fehraltorfer Gemeindeschreiber Marcel Wehrli aus strategischen Gründen keinem Regionalverbund angeschlossen ist und auch keinen Beitritt plant. Damit verfügt diese Polizei über keinen 24-Stunden-Dienst, womit sich am fehlenden Schutz der Bevölkerung in der Nacht nichts ändern würde.

Viermal monatlich bis 2 Uhr

«Das stimmt so nicht», sagte der Pfäffiker Sicherheitsvorstand Martin Hirschi. Nimmt die Gemeindeversammlung den Vorschlag des Gemeinderats an, erhält die Gemeindepolizei Fehraltorf-Russikon einen Leistungsauftrag, in dem auch konkrete Einsatzzeiten festgesetzt werden. «In Pfäffikon wird dann beispielsweise viermal pro Monat bis 2 Uhr oder auch 16-mal pro Monat bis 24 Uhr Polizei präsent sein», erklärte Hirschi. Zwischen 2 und 6 Uhr bleibt die Aufgabe hingegen wie bis anhin bei der Kantonspolizei.

Abnehmen dürfte die Polizeiarbeit derweil sicher nicht. Mit dem geplanten Bau eines Bordells im Industriegebiet Witzberg ist damit zu rechnen, dass die Beamten künftig noch weniger an den Brennpunkten Seequai, Bahnhof-Areal, Schulanlagen und rund um das Einkaufszentrum Frohwies anzutreffen sein werden.

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