Aktualisiert 08.02.2010 10:53

Schwere Krawalle in ZürichUrheber bleiben weiterhin unklar

Keine politische Aussage, dafür eine Spur der Verwüstung: Die unbewilligte Demo in der Nacht auf Sonntag hat die Polizei überrumpelt, machtlos musste sie der Zerstörung zusehen. Nun fordern erste Politiker mehr Polizei an den Wochenenden. Von den Urhebern der Demo fehlt derweil weiterhin jede Spur.

von
amc

Eingeschlagene Scheiben, zertrümmerte Schaufenster, vollgesprayte Hausfassaden: Die Woche begann für zahlreiche Unternehmer in den Stadtkreisen 4 und 5 in Zürich mit Aufräumarbeiten. Die Krawalle von Samstagnacht hinterliessen eine Spur der Verwüstung. Mehrere Hunderttausend Franken betragen die Schäden der 400 bis 500 «Demonstranten» gemäss ersten Schätzungen. «Gut möglich, dass im Verlauf des Montags weitere Schäden gemeldet werden», sagt Jüdith Hödl, Sprecherin der Stadtpolizei Zürich.

Worum es den Demonstranten ging, ist weiterhin unklar. Auch zwei Tage nach den Ausschreitungen fehlt jede Spur einer Begründung oder eine politische Aussage. Die Polizei hat weder ein Bekennerschreiben erhalten, noch gibt es Anzeichen auf die Urheber der Kundgebung. Zahlreiche Sprayereien sind mit Bezug aufs Weltwirtschaftsforum WEF, den 1. Mai und den Kapitalismus generell hinterlassen worden. Auf der Internetsite antifa.org findet sich ein Aufruf zu weltweiten Demonstrationen am 6. Februar. Protestiert werden solle gegen eine neue Weltordnung und das faschistische Regime. «Wir klagen unsere Politiker für die begangenen Verbrechen an», heisst es weiter. Nebst rund 100 Personen aus der linksautonomen Szene haben sich aber rund 400 weitere Personen dem Demozug angeschlossen, wie die Polizei mitteilte. «Es wurde einfach gegen alles protestiert», sagte Cortesi noch am Samstag.

Polizei musste machtlos zu sehen

Für die Stadtpolizei war es ein düsteres Wochenende. Fast machtlos mussten sie beobachten, wie sich die Gruppe von Chaoten am Samstagabend gegen 22 Uhr beim Carparkplatz in der Nähe des Hauptbahnhofes spontan versammelte. Die Gruppe formierte sich zu einem «äusserst militanten Demozug» und zog durch die beiden Stadtkreise 4 und 5. Erst an der Stauffacherbrücke konnte die Polizei die «Kundgebung» stoppen, wobei es zu einer heftigen Auseinadersetzungen zwischen Polizei und den Chaoten kam.

Politiker: «Es braucht mehr Polizei und mehr Geld»

«Die Demonstration hat die Polizei überrascht», sagte Polizeisprecher Cortesi. Es habe keine entsprechenden Hinweise gegeben. Um auf die spontane Kundgebung zu reagieren, fehlten der Polizei die Einsatzkräfte. «Es stellt sich nun die Frage, ob es künftig nötig sein wird, übers Wochenende regelmässig 40 bis 50 Leute in Reserve zu haben», sagte Cortesi. Aktuell habe man dafür die Mittel nicht. Man müsse und werde sich aber entsprechende Gedanken machen, sagte Cortesi. Unterstützung erhält seine Überlegung nun von Politikern von links bis rechts.

SVP-Gemeinderat Mauro Tuena fordert im «Tages-Anzeiger» vom Montag, «mehr Geld für die Sicherheit in der Stadt». Derweil fordert Urs Egger (FDP) mehr Polizei an den Wochenende. «Es braucht Präsenz an neuroalgsichen Orten.» Aber nicht nur die Bürgerlichen fordern mehr Polizei und mehr Geld. Claudia Nielsen von der SP will prüfen, ob der Wochenenddienst der Polizei ausgebaut werden müsste. Es dürfe aber nicht zu Lasten der anderen Dienste gehen. Für Nielsen scheint aber klar, es braucht mehr Polizisten, so Nielsen im «Tagi».

So werden Sie Leser-Reporter:

MMS mit dem Stichwort REPORTER und Ihrem Text an die Nummer 2020, Orange-Kunden an die Nummer 079 375 87 39 (70 Rappen pro MMS). Oder mailen Sie es an .

Auch via iPhone und Web-Upload können Sie die Beiträge schicken. Wie es geht, erfahren Sie .

Für einen Abdruck in der Zeitung erhalten Sie bis zu 100 CHF.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.