Aktualisiert 07.12.2010 11:10

«Inakzeptabel»

Uri will einen neuen Gotthard-Tunnel

Die Röhre durch den Gotthard muss saniert – und deshalb gesperrt werden. Der Kanton Uri will das nicht akzeptieren. Die Regierung fordert einen Ersatztunnel.

von
kub/mlu
Der Gotthard-Strassentunnel soll für drei Jahre saniert werden.

Der Gotthard-Strassentunnel soll für drei Jahre saniert werden.

Anstelle der Sanierung des heutigen Gotthard- Strassentunnels schlägt die Urner Regierung eine neue Tunnelröhre vor. Eine Sperrung des Tunnels während der Sanierung ist für sie inakzeptabel. Was mit dem alten Tunnel geschieht, soll später entschieden werden.

Der 30 Jahre alte Gotthard-Strassentunnel muss zirka 2025 umfassend saniert werden. Je nach Sanierungskonzept bleibt der Tunnel dann zwischen zweieinhalb und dreieinhalb Jahren gesperrt; unter anderem wird erwogen den Tunnel jeweils im Sommer offen zu halten.

Wie das Verkehrsaufkommen am Gotthard in dieser Zeit bewältigt werden soll, darüber gehen die Meinungen auseinander. Die Minimalvariante wäre der Autoverlad per Bahn, die Maximalvariante der Bau einer zweiten Röhre.

Verlagerungsziel nicht gefährden

Die Urner Regierung hat am Dienstag an einer Medienkonferenz eine weitere Variante vorgestellt: Der Bau einer Ersatzröhre und der Verzicht auf die Sanierung des heutigen Tunnels. Es handelt sich dabei um einen Gegenvorschlag zu einer Initiative der Jungen SVP Uri, die zwei Tunnels fordert, die aber nur je einspurig befahren werden dürften.

Die Urner Regierung lehnt diese Initiative ab. Sie befürchtet, dass mit zwei Tunnelröhren die Kapazitäten längerfristig erhöht werden und der Verlagerungsauftrag unter Druck geraten könnte. Mit dem Bau einer zweiten Röhre und dem Verzicht auf die Sanierung könnten ihrer Ansicht nach die Nachteile der Initiative vermieden werden.

Der geplante Gegenvorschlag verpflichtet den Kanton, beim Bund eine entsprechende Standesinitiative einzureichen. Die Urner Regierung unterbreitet ihren Vorschlag nun dem kantonalen Parlament, das voraussichtlich im Januar darüber entscheiden wird.

Ein Vollausbau mit zwei Röhren und damit vier Fahrspuren wäre verfassungswidrig, weil zwecks Verlagerung des Schwerverkehrs von der Strasse auf die Schiene die Kapazität des Tunnels nicht erhöht werden darf.

Die Kosten

Eine Sperrung des Gotthard-Strassentunnels während der Bauzeit ist für Uri inakzeptabel. Dies würde sich negativ auf die Volkswirtschaft entlang der Gotthardachse auswirken, sowohl in Uri wie auch im Tessin - aber auch in Graubünden. Den Autoverlad betrachtet die Regierung als sehr teuer und wenig kundenfreundlich.

Die Kosten für die Tunnel-Sanierung werden auf rund 900 Millionen Franken geschätzt. Bei ihrem eigenen Vorschlag rechnet die Regierung mit 1,1 bis 1,3 Milliarden Franken. Die Kosten der Umsetzung der JSVP-Initiative dürften bei 1,7 bis 1,9 Milliarden Franken liegen.

Wenn man die negativen volkswirtschaftlichen Folgen bei der Sanierung berücksichtige, könnte man beim Gegenvorschlag von einem «Nullsummenspiel» reden, sagte Regierungsrat Isidor Baumann am Dienstag vor den Medien. Landammann Markus Züst sprach von «einer vernünftigen und für uns akzeptablen Lösung».

Alpen-Initiative und VCS: «Untauglich!»

Was mit dem alten Tunnel geschieht, will die Regierung offen lassen für «eine spätere Neubeurteilung ohne zeitliche Not». Landammann Züst könnte sich vorstellen, dass in ferner Zukunft der Verkehr auf vier Spuren in zwei Tunnels fliesst - vorausgesetzt, das Ziel der Verlagerung des Schwerverkehrs ist erreicht.

Auf keine Gegenliebe stösst die Idee der Urner Regierung bei der Alpen-Initiative und beim Verkehrs-Club der Schweiz (VCS). Sie bezeichnen die Idee in ersten Stellungnahmen als «untauglich». Bei zwei gebauten Röhren werde der politische Druck, beide Tunnels voll zu nutzen, immens.

Die Alpen-Initiative, die sich die Verlagerung zum Ziel gesetzt hat, habe aufgezeigt, dass nach Eröffnung des Basistunnels der Neat die Bahn in der Lage sei, den gesamten Strassenverkehr zu übernehmen; die Lastwagen im Basistunnel, die Autos im heutigen Eisenbahntunnel Göschenen-Airolo.

Nach Ansicht des VCS würde mit dem Bau einer zweiten Röhre die Verlagerungspolitik sabotiert und der Volksentscheid über die Alpen- Initiative ausgehebelt.

Wie sollte der alte Strassentunnel im Falle einer Stilllegung genutzt werden? Schreiben Sie Ihre Vorschläge unten ins Talkback oder schicken Sie uns Ihren Photoshop-Vorschlag der etwas anderen Tunnel-Nutzung an community@20minuten.ch. (kub/mlu/sda)

Vom Autoverlad bis zum Vollausbau

In der Zeit von 2020 bis 2025 muss Gotthard- Strassentunnel saniert werden. Die Kostenschätzungen liegen zwischen 800 und 920 Millionen Franken. Während zweieinhalb bis dreieinhalb Jahren muss der Tunnel dann gesperrt werden.

Die Sperrzeiten hängen vom Sanierungskonzept ab. Bei einer durchgehenden Sperrung rechnet das Bundesamt für Strassen (Astra) mit zweieinhalb Jahren, bei einer Etappierung mit Öffnung des Tunnels im Sommer mit dreieinhalb Jahren Umbauzeit. Um das Verkehrsaufkommen zu bewältigen, zeichnen sich vier Möglichkeiten ab:

1. Autoverlad: Schwerverkehr über den Basistunnel der Neat; Personenwagen im heutigen Bahntunnel Göschenen-Airolo. Diese Lösung wird von Umweltverbänden bevorzugt.

2. Vollausbau: Der Bau einer zweiten Röhre und nach der Sanierung der alten Röhre je zwei Fahrbahnen in beide Richtungen. Diese Maximalforderung hat politisch wenig Chancen und widerspricht dem Verfassungsauftrag zur Verlagerung des Schwerverkehrs von der Strasse auf die Schiene.

3. Zwei Röhren - zwei Spuren: Der Bau einer zweiten Röhre und nach der Sanierung der alten Röhre weiterhin je eine Fahrbahn in beide Richtungen, aber richtungsgetrennt, also ohne Gegenverkehr. Diese Variante fordert die Junge SVP des Kantons Uri in ihrer Initiative «Für mehr Sicherheit im Gotthardstrassentunnel».

4. Verzicht auf Sanierung - neuer Tunnel: Die Urner Regierung schlägt jetzt den Bau einer neuen Tunnelröhre und den Verzicht auf die Sanierung des heutigen Tunnels aus dem Jahre 1980 vor. Damit könnte auf einer Sperrung des Tunnels während der Sanierung verzichtet werden. Die Kapazität würde dennoch nicht erhöht. (sda)

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