Aktualisiert 25.02.2019 17:29

Sektenexperte

«Uriella wurde geliebt und gefürchtet»

Kurz nach ihrem 90. Geburtstag ist Uriella gestorben. Sektenexperte Georg Schmid kannte das geistige Oberhaupt der Sekte Fiat Lux persönlich.

von
qll
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Die Schweizer Sektenführerin Uriella ist tot.

Die Schweizer Sektenführerin Uriella ist tot.

Keystone/Walter Bieri
Sie ist mit 90 Jahren am Sonntagnachmittag gestorben.

Sie ist mit 90 Jahren am Sonntagnachmittag gestorben.

Keystone/Michaela Rehle
Die Traueranzeige.

Die Traueranzeige.

ZVG

Im Alter von 90. Jahren ist Uriella am Sonntagnachmittag gestorben. Dies berichtet der «Südkurier». Sektenexperte Georg Schmid zeigt sich wenig überrascht: «Uriella war seit Jahren krank.» Er kannte das geistige Oberhaupt der Sekte Fiat Lux: «Persönlich empfand ich Uriella immer als tragische Figur. Ich hatte das Gefühl, dass sie irgendwie auf der Flucht war. Flucht aus der Realität hinein in ihren Traum. Manche Ängste jagten sie: vor den nahen Katastrophen, vor falschem Essen, vor Medikamenten und so weiter.»

Schmid ist bewusst, dass Uriella für die Fiat-Lux-Anhänger die Rettung in Person darstellt: «Für die Fiat-Lux-Mitglieder war sie jedoch die Lichtgestalt in unserer apokalyptisch gedeuteten Gegenwart. Sie versprach den Übergang aus dieser gegenwärtigen dunklen Welt in die gereinigte, neue Welt.» Uriella habe als Heilerin und als Sprachrohr Gottes unendliches Vertrauen genossen. Schmid: «Für Aussenstehende, die sie lose kennenlernten, war sie eine harmlose Märchenfee, oft auch eine mit Augen zwinkernde Lachnummer, geschmückt wie ein Christbaum.»

Erst durch eine intensive Beschäftigung mit Uriellas Person hätten sich die Schattenseiten ihrer Bewegung gezeigt: «Uriella wurde nicht nur geliebt, sondern auch gefürchtet.» Sie habe ihre Gemeinschaft fest im Griff gehabt. So seien ihre Essensvorschriften und andere Regeln göttliches Gebot gewesen.

«Alles hängt nun von Icordo ab»

Welche Bedeutung Uriellas Tod für die Fiat-Lux-Anhänger habe, hänge davon ab, wie die Gemeinschaft auf diesen Tod vorbereitet worden sei. «Falls man intern immer noch mit einer Heilung

rechnete, dann ist jetzt die Ernüchterung gross», erklärt Schmid. «Falls man aber schon seit einiger Zeit überzeugt ist, dass Uriella in die reine Welt Amora vorausgeht und ihre Getreuen bald mitnimmt, dann wird sich die kleine Gemeinschaft noch einige Zeit erhalten.»

Ob die Fiat-Lux-Gemeinschaft erhalten bleibe, hänge stark von Icordo, dem Ehemann von Uriella, ab. «Er ist jetzt die alles bestimmende Autorität», erklärt Schmid, «ich vermute, dass es Icordo gelingen wird, die kleine Gemeinschaft durch diese Krise des Abschieds hindurchzuführen und die Hoffnung auf die neue, lichtvolle Welt aufrechtzuerhalten».

Laut Schmid schare sich die Gemeinschaft jetzt im Hinblick auf die Beerdigung von Uriella vermutlich intensiver um Icordo: «Man bestätigt sich gegenseitig und feiert den Abschied von Uriella als weiteren, gottgewollten Schrift auf dem Weg in die neue Welt. Uriella hat sich nach Ansicht der Eingeweihten nie getäuscht. Also ist auch ihr Tod kein Unglück, sondern vom Himmel so vorgesehen.»

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