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Kurzbotschaft von Jesus«Uriellas Leben steht auf Messers Schneide»

Die Sektenführerin Uriella ist offenbar todkrank. Dies geht aus einem internen Papier des Weltuntergangsordens Fiat Lux hervor.

von
Andy Fischer

Im Ordenszentrum im Südschwarzwald ist der Teufel los. Offenbar beten die Uriella-Anhänger zu wenig für ­ihre schwerkranke Anführerin. In einer angeblichen «Kurzbotschaft von Jesus Christus» vom 8. Februar gibt es an die Jünger eine «Anweisung von Gottvater betr. Stundengebete für Uriella». Zur Begründung heisst es: «Ihr Leben steht auf des Messers Schneide!» Für Sektenexperte Christian Ruch ist das «die erste offi­zielle Bestätigung für eine schwere Erkrankung Uriellas».

Wer der Gebetsaufforderung nicht folgt, dem wird offen gedroht: «Sie mögen sich vom Orden distanzieren. Dadurch erfolgt auch die Trennung im Jenseits.» Oder ganz einfach: Wer nicht gehorcht, fährt zur Hölle.

Offenbar wurden diese Aufforderungen nicht ernst genommen. In einer weiteren Botschaft vom Uriella-Heiland vom 20. März heisst es nämlich: «90 Prozent aller Ordensträger weigern sich, einen Auftrag zu erfüllen.» Offensichtlich geht es hier um den Gebetsbefehl.

Für Fiat-Lux-Kenner Ruch ist klar: «Das sind erste deutliche Auflösungserscheinungen.» Den Grund dafür sieht er auch in den Prophezei­ungen Uriellas, die allesamt nicht eingetroffen sind.

Uriellas Ehemann Icordo wollte sich am Telefon zu den internen Schreiben, die 20 Minuten zugespielt worden waren, nicht äussern. «Ich ­sage nichts dazu, danke.» Dann legte er auf.

Rettung durch Raumschiff

Uriella, die mit bürgerlichem ­Namen Erika Bertschinger heisst, erlitt 1973 bei einem Reitunfall schwere Kopfverletzungen. Die Schweizerin behauptete danach, hellsichtig geworden zu sein und Botschaften direkt von Jesus zu erhalten. Später gründete sie den Orden Fiat Lux. Die 80-Jährige kündigte immer wieder den Weltuntergang an, vor dem sich nur Fiat-Lux-Jünger retten könnten. Diese würden dann mit Raumschiffen ins Uriella-Paradies ­Amora ausgeflogen. Das so­genannte «Heiligtum» der Sekte ­befindet sich im deutschen Ibach im Schwarzwald.

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