Aktualisiert 26.07.2011 19:37

Bestattungen

Urne verdrängt Sarg

Sargbestattungen waren gestern. Heute wählen die meisten eine Kremation. Besonders im protestantischen Kanton Bern boomt nun das Urnen-Geschäft.

von
Bigna Silberschmidt
Jasskarten oder Blattgold: Alice Hofer designt Urnen nach jedem Gusto. (Alessandro Meocci)

Jasskarten oder Blattgold: Alice Hofer designt Urnen nach jedem Gusto. (Alessandro Meocci)

Eigentlich sind Alice Hofers Kerngeschäft ausgefallene Särge. Doch in ihrem Sarg-Atelier in Thun designt die Künstlerin immer mehr individuelle Urnen: «Die Nachfrage ist in den letzten Jahren stark gestiegen.» Auch beim kantonal tätigen Bestattungsunternehmen Aurora sind die Behälter für die letzten Überreste gefragter denn je. Der Berner Stadtgärtner Christoph Schärer weiss, warum: «Kremationen sind heute ethisch akzeptiert, und für viele ist es die hygienischste Bestattungsart.» In der Stadt Bern würden sich mittlerweile 88 Prozent einäschern lassen. Für Angehörige ist das ein Vorteil. «Urneneinzelgräber kommen deutlich billiger zu stehen als Sargeinzelgräber», sagt Schärer. So kostet die günstigste Urnenbeisetzung in Bern mit 2500 Franken über 1000 Franken weniger als eine Erdbestattung.

Dass die Zahl an Kremierungen im Kanton Bern besonders hoch sei, habe aber nicht nur Kostengründe: «Katholiken sowie Leute vom Land wünschen öfter Sargbestattungen als das protestantische Bern», so Schärer. Doch auch im katholischen Kanton Freiburg verzichten bereits viele auf ein Leichenbegräbnis: Laut dem Bestattungsinstitut Murith SA wählen selbst in Freiburg schon 80 Prozent die Urne als letzte Ruhestätte – Tendenz steigend.

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