Aktualisiert 23.06.2015 18:46

AbschussUrner Wolf kommt vor die Flinte

Ein Wolf, der vermutlich in den letzten zwei Wochen in Isenthal UR über 30 Schafe gerissen hat, darf getötet werden.

von
fal
Zu viele Schafe gerissen: Ein Wolf im Kanton Uri wird abgeschossen. (Archiv)

Zu viele Schafe gerissen: Ein Wolf im Kanton Uri wird abgeschossen. (Archiv)

Der Urner Sicherheitsdirektor Beat Arnold verfügte den Abschuss am Dienstag, wie die Staatskanzlei des Kantons Uri mitteilte. Die Bewilligung ist auf 60 Tage befristet. Es gehe dabei nicht um eine Bestrafungsaktion gegen den Wolf, sondern um «die Vermeidung von weiteren Schäden an Nutztieren», heisst es.

Gemäss Urner Wolfskonzept darf ein Wolf abgeschossen werden, wenn er innerhalb eines Monats mehr als 25 Nutztiere reisst. Die Schadensschwelle sei in diesem Fall deutlich überschritten.

Besserer Herdenschutz gefordert

Die in der Zentralschweiz zuständige interkantonale Kommission für Raubtierfragen hatte bereits am Montag einstimmig dem Abschussentscheid der Urner Behörden zugestimmt. Der Kommission gehören die Jagdverwaltungen der Kantone Uri, Nidwalden, Obwalden, Luzern und Bern und die Sektion Wildtiere des Bundesamts für Umwelt an.

Parallel zum Entscheid verlangt die Urner Regierung von den Haltern einen besseren Herdenschutz. Denn: Künftig werden für Abschussentscheide in diesem Gebiet nur noch Risse gezählt, wenn für deren Herden «alle technisch möglichen, praktikablen und finanzierbaren» Schutzmassnahmen getroffen worden sind.

WWF verurteilt Abschuss

Dem WWF ist der Abschussentscheid ein Dorn im Auge: «Es kann nicht sein, dass der Wolf immer wieder dafür bestraft wird, dass wir in der Schweiz unsere Hausaufgaben noch nicht gemacht haben», sagt Grossraubtier-Experte Gabor von Bethlenfalvy. So fordert der WWF einen flächendeckend umgesetzten Herdenschutz. «Die Vorfälle auf der Alp Gitschenen zeigen klar, was passiert, wenn keine Schutzmassnahmen umgesetzt werden», so der Experte.

Am Calandamassiv kenne man solche Probleme nicht: Dort habe trotz ständiger Präsenz eines Wolfsrudels dank Herdenschutz die Zahl der Risse nicht zugenommen. Zudem ist laut WWF ein Abschuss keine Lösung, da schon bald ein neuer Wolf den Platz des erlegten einnehmen könne.

Autofahrer fotografiert Wolf

Die Angriffe auf die Schafe in Isenthal waren bereits der dritte Vorfall innert zehn Tagen im Grenzgebiet von Uri und Nidwalden, bei dem mutmasslich ein Wolf beteiligt war. Am 5. Juni wurden in Emmetten acht Schafe gerissen und getötet – vermutlich von einem Wolf. Dasselbe Tier soll am Vortag bei Isleten unterwegs gewesen und von einem Autofahrer fotografiert worden sein.

Der Kanton Uri zählt über 70 Schafalpen mit total über 16'000 Tieren. Gut die Hälfte davon lebt im Urserntal. Die grösste Schafalp mit gegen 1400 Tieren befindet sich im Gebiet Furka. Schäden durch Wölfe werden den Tierhaltern zu 80 Prozent vom Bund und zu 20 Prozent vom Kanton entschädigt. Je nach Zuchtwert liegen die Entschädigungen zwischen rund 150 und 1600 Franken.

15 tote Wölfe seit 1998

In den vergangenen zwei Jahren wurden in der Schweiz 31 verschiedene Wölfe identifiziert. Sieben davon waren Weibchen, wie aus dem Raubtiermonitoring des Bundes KORA hervorgeht.

Seit 1998 bis heute wurden 15 tote Wölfe gefunden. Acht von ihnen wurden mit einer Bewilligung (VS 7, GR 1) abgeschossen, zwei wurden gewildert (VS 1, GR 1) und ein Wolf irrtümlich geschossen (GR 1). Drei weitere Wölfe wurden von einem Zug überfahren (je einer in BE, ZH und TI), und ein Wolf kam 1999 im Simplon-Gebiet angeblich unter einen Schneepflug.

Die Zahl der Risse durch Wölfe beläuft sich auf 100 bis 300 Nutztiere pro Jahr. Opfer sind neben Wildtieren (Hirsche, Rehe etc.) hauptsächlich Schafe und Ziegen, selten Rindvieh. (fal/sda)

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