Händedruck-Affäre: «Ursache war ein Streit auf einer Schulreise»
Aktualisiert

Händedruck-Affäre«Ursache war ein Streit auf einer Schulreise»

Der Basler Handschlag-Streit soll sich anders zugetragen haben als bisher bekannt. Das behauptet zumindest ein Freund der Familie.

von
pat

Der Handschlag-Streit um zwei muslimische Brüder aus Therwil BL hat landesweit für Aufsehen gesorgt. Jetzt meldet sich erstmals auch die Seite der Teenager zu Wort. Peter Ziegler, Journalist und Mitglied der König-Faysal-Stiftung, rückt den Fall in ein neues Licht. Er kenne die Familie gut, denn der Vater der Brüder, Ibrahim S., predigte jeden Freitag als Imam in der Moschee.

«Die Ursache war ein Streit auf einer Schulreise», erzählt der 68-Jährige dem «Blick». Zwischen den Buben und einem Lehrer sei es zum Eklat gekommen: «Es ging um den Islam. Der Lehrer hat die Burschen massiv angegriffen und ist ausfällig geworden.» Es soll auch um den Propheten Mohammed gegangen sein. Die Lehrerin, die ebenfalls anwesend war, habe dem Kollegen den Rücken gestärkt. Seither weigerten sich die Buben, den beiden Pädagogen die Hand zu schütteln.

Es sei nie um alle weiblichen Lehrpersonen gegangen, sondern nur um die beiden Lehrer, sagt Ziegler. «Von der Schule wurde dann diese Geschichte daraus gemacht und aufgebauscht.»

Anonymer Gönner aus Saudiarabien

Die Schule steht nicht allein in der Kritik. Auch die König-Faysal-Moschee in Basel sorgte in der Vergangenheit schon für Negativschlagzeilen. Einerseits drangen wiederholt problematische fundamentalistische Inhalte nach aussen, andererseits kam es immer wieder zu Spannungen zwischen der Moschee und Quartierbewohnern.

Umstritten ist die Moschee auch, weil ihre Stiftung von einem anonymen Gönner über die Organisation Muslim World League (Islamische Weltliga) in Saudiarabien finanziert wird. Der Bundesnachrichtendienst soll die Moschee laut Sicherheitsexperten auf dem Radar haben. Zu Recht, findet die Zürcher Politologin Elham Manea, Co-Präsidentin der Inclusive Mosque Initiative, gegenüber «20 Minuten». «Das Ziel der Muslim World League ist die Verbreitung eines salafistischen Islam.» Dieser stehe häufig am Anfang einer Radikalisierung und verunmögliche die Integration.

«Wir sind Teil dieser Gesellschaft und akzeptieren keine Fundamentalisten», wehrt sich der Vorsteher der König-Faysal-Moschee, Nabil Arab in der «Basler Zeitung». Er werde mit den Brüdern das Gespräch suchen: «Sie sind jung und können sich die Zukunft kaputtmachen, wenn sie sich mit Fanatikern einlassen.»

IS-Videos auf Facebook gepostet

Erst gestern wurde publik, dass einer der beiden Teenager auf Facebook mehrere Propagandavideos der Terrormiliz IS sowie ein Video des Salafisten-Predigers Pierre Vogel geteilt hatte. Die Polizei und die Jugendanwaltschaft Kanton Basel-Landschaft prüfen nun von Amtes wegen, ob sich der Schüler damit strafbar gemacht hat. Neben Videos vom Islamischen Staat finden sich auf der Facebook-Seite des Teenagers auch Fussball, japanische Comics und lustig grinsende Hunde. Daher glaubt Extremismusexperte und Psychologe Samuel Althof nicht an einen überzeugten Fundamentalisten: «Die Videos und die Konfrontation in der Schule sind typisch für einen Jugendlichen, der auf sich aufmerksam machen will», sagt er zur BaZ.

Nach der Berichterstattung sorgen sich nun Eltern um die Sicherheit ihrer Kinder. Ein Vater sagt zur Zeitung: «Die beiden Schüler handeln nach ihrer Überzeugung. Nun ist in ihrer Wahrnehmung die ganze Schweiz gegen sie. Was löst das in ihnen aus? Ich will nicht, dass ein junger Salafist an der Schule meines Sohnes Amok läuft, weil er sich nicht verstanden fühlt.»

Schule machte sich bereits im Dezember Sorgen

Die Leitung der Schule in Therwil hatte sich bereits im Dezember des vergangenen Jahres Gedanken zu einer möglichen Radikalisierung der beiden Schüler gemacht. In einem Brief an das Amt für Volksschulen, der kurz nach der ersten Händedruck-Weigerung verfasst wurde, schrieb die Schulleitung, die Brüder seien nach eigener Aussage über Internetpredigten auf die Regel gestossen, dass Hautkontakt zwischen den Geschlechtern bei verwandtschaftlich nicht gebundenen Personen eine Sünde sei. «Im Gespräch mit den Eltern, aber auch mit diversen anderen Personen konnten wir die Situation einordnen. Die religiöse Auslegung der Familie ist zwar extrem, aber nicht gefährlich radikal», sagt Rektor Jürg Lauener zur BaZ.

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