Urteil im «Badewannen Mord» – Lebenslänglich für Mord an Ex-Frau
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MordanklageEx-Frau verbrüht und in Badewanne ertränkt – 50-Jähriger kassiert lebenslänglich

Der Mordfall kam vor Gericht, weil eine Versicherung misstrauisch geworden war. Nun hat das Bezirksgericht Meilen einen 50-jährigen IT-Spezialisten verurteilt.

von
Stefan Hohler
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Der Beschuldigte handelte aus Geldgier, gab sich der Staatsanwalt vor dem Bezirksgericht Meilen überzeugt.

Der Beschuldigte handelte aus Geldgier, gab sich der Staatsanwalt vor dem Bezirksgericht Meilen überzeugt.

20min/Stefan Hohler
Laut Anklage soll der 50-jährige IT-Spezialist seine Frau in der Badewanne ermordet haben.

Laut Anklage soll der 50-jährige IT-Spezialist seine Frau in der Badewanne ermordet haben.

20min/Thomas Mathis
Bereits vor der Tat soll es in den Ferien auf Mallorca zu einem Mordversuch gekommen sein. (Symbolbild)

Bereits vor der Tat soll es in den Ferien auf Mallorca zu einem Mordversuch gekommen sein. (Symbolbild)

Wikimedia / dronepicr / CC BY 2.0

Darum gehts

  • Ein 50-jähriger IT-Spezialist soll seine Ex-Frau ermordet und schon vor der Tat einen Mordversuch an ihr verübt haben.

  • Nun hat ihn das Bezirksgericht Meilen verurteilt.

Selten liegen in einem Mordprozess die Anträge der Staatsanwaltschaft und Verteidigung so weit auseinander. Der Staatsanwalt hatte wegen versuchten und vollendeten Mordes eine lebenslängliche Freiheitsstrafe verlangt. Die Verteidigerin des Beschuldigten forderte einen Freispruch und eine Genugtuung von 3,7 Millionen Franken für die über vierjährige Untersuchungs- und Sicherheitshaft.

Am Montag hat das Bezirksgericht Meilen nun ein Urteil gefällt. Der 50-jährige IT-Spezialist wurde wegen Mord und versuchtem Mord zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilt. «Für das Gericht gibt es keinen Zweifel, dass der Beschuldigte die Frau zuerst verbrüht und dann in der Badewanne ertränkt hat», sagte der vorsitzende Richter. Für den Tatnachmittag habe der Beschuldigte kein lückenloses Alibi und Hinweise auf eine unbekannte Drittperson gebe es weit und breit nicht.

Als Tatmotiv sieht das Gericht die Eliminierung eines «Störfaktors». Zudem habe auch ein finanzielles Interesse vorgelegen, habe der Beschuldigte doch eine Lebensversicherung über 500’000 Franken abgeschlossen. «Der Beschuldigte hat die Frau auf grausame Art und Weise getötet, sie hat mit den Verbrühungen und dem Ertrinken einen langsamen und qualvollen Tod erlitten.» Die Verteidigerin hat angekündigt, das Urteil weiterzuziehen.

Mordversuch auf Mallorca

Der Prozess wurde Anfang 2021 während fünf Tagen durchgeführt. Dem IT-Spezialisten wird vorgeworfen, im April 2014 seine gehbehinderte, geschiedene Ehefrau in ihrer Wohnung in Küsnacht in der Badewanne ertränkt zu haben. Schon zwei Jahre zuvor soll er versucht haben, sie in den Ferien auf Mallorca zu töten. Der Fall flog auf, als der Beschuldigte bei der Zürich-Versicherung Anspruch auf die, Jahre zuvor abgeschlossene, Todesfallversicherung in der Höhe von 500’000 Franken erhoben hatte.

Für Staatsanwalt Alexander Knauss ist das Mordmotiv klar: «Der Mann war der Frau überdrüssig und handelte aus Geldgier.» Der Beschuldigte habe ein Tatmotiv und Zugang zur Wohnung seiner Ex-Frau gehabt. Wesentlich für die Taten sei dessen Persönlichkeitsstruktur. Laut psychiatrischem Gutachten hat der Beschuldige eine narzisstische und dissoziale Persönlichkeitsakzentuierung mit hoher Aggressionsbereitschaft, Dominanzstreben und Kontrollbedürfnis.

Unfall oder gesundheitlicher Vorfall

Laut Caroline Engel, Verteidigerin des Beschuldigten, ist der Fall eine Katastrophe für ihren Mandanten. «Die Zürich-Versicherung hat mit allen Mitteln verhindert, damit sie die Lebensversicherungssumme von 500’000 Franken nicht bezahlen musste.» Der Staatsanwalt sei vom Jagdfieber gepackt worden. Der Tod der Frau in der Badewanne sei entweder ein Unfall oder ein gesundheitlicher Vorfall mit Todesfolgen.

Trauerst du oder trauert jemand, den du kennst?

Hier findest du Hilfe:

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen

Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29

Lifewith.ch, für betroffene Geschwister

Verein Regenbogen Schweiz, Hilfe für trauernde Familien

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Pro Senectute, Beratung älterer Menschen in schwierigen Lebenssituationen

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