Aktualisiert

Wohnheim statt JugendknastUrteil des Bezirksgerichts Horgen gemildert

Das Bezirksgericht Horgen hat einen 18-jährigen Albaner nach zehn Raubüberfällen und 20 Diebstählen in einer geschlossenen Einrichtung untergebracht. Nun darf er wegen Wohlverhalten in ein geführtes Wohnheim einziehen.

von
Attila Szenogrady

Obwohl der albanische Jugendliche bereits mit vier Jahren in die Schweiz gekommen war, konnte von einer Integration nie die Rede sein. Bereits im Alter von 14 Jahren beging er im Herbst 2006 im Bezirk Horgen den ersten Überfall auf einen Jugendlichen. Bis zum Oktober 2008 folgten neun weitere Raubtaten, die er vorwiegend in Gemeinden des linken Zürichseeufers verübte. Er nahm jeweils zusammen mit einigen Komplizen vornehmlich gleichaltrige Personen aus. In zwei Fällen setzte er ein Messer als Drohmittel ein. Hinzu kamen rund 20 Diebstähle, die er auf einer über ein-jährigen Flucht ausgeführt hatte.

Horgner Gericht für geschlossene Einrichtung

Im April 2009 kam es gegen den im Sachverhalt geständigen Jungkriminellen zu einem ersten Prozess vor dem Jugendgericht Horgen. Zu den Raubtaten gesellte sich ein Angriff hinzu. So hatte der Beschuldigte im Juli 2008 in einem geschlossenen Heim einen Mitinsassen so stark geschlagen, dass dessen Trommelfell riss.

Das Horgner Gericht sprach für alle Delikte nicht nur einen Freiheitsentzug von elf Monaten aus, sondern beschloss auch eine Unterbringung des Täters in einer geschlossenen Einrichtung. Ferner ordnete es eine ambulante Psychotherapie an.

Wohlverhalten belohnt

Der Angeklagte legte Berufung gegen den Horgner Entscheid ein. Einerseits betrachtete seine Verteidigung die Diebstähle als geringfügige Übertretungen.

Andererseits wollte der junge Mann die Unterbringung in einer geschlossenen Anstalt abwenden.

Bei den Diebstählen kam der Täter am Montag vor Obergericht nicht durch. Es hielt in seinem nun eröffneten Urteil fest, dass der Angeschuldigte zu seinem Überleben jeweils so viel wie möglich gestohlen habe. Wobei sich sein Vorsatz nicht auf eine sicher unter 300 Franken liegende Beute gerichtet habe.

Trotzdem kamen die Oberrichter bei der Strafe dem Angeschuldigten entgegen. So sahen sie von einer Einweisung des Albaners in eine geschlossene Anstalt ab. Stattdessen wiesen sie ihn in die gelockerte Vollzugsform eines geführten Wohnheims ein. Das Obergericht stützte sich dabei auf ein aktuelles Gutachten ab. Zudem verwies es auf die erfreuliche Tatsache, dass der Angeklagte schon seit rund zweieinhalb Jahren keine Delikte mehr verübt hat.

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