Aktualisiert 14.11.2011 18:02

Wallisellen ZH

Urteil gegen Heroindealer bestätigt

Ein mazedonischer Drogenhändler wurde in Wallisellen mit über 14 Kilogramm Heroin erwischt. Der geständige Familienvater hoffte vor Obergericht wegen seiner an Krebs erkrankten Tochter vergeblich auf eine Strafsenkung.

von
Attila Szenogrady

Es war am 3. Oktober 2009, als die Drogenfahnder in Wallisellen zum rechten Zeitpunkt und am richtigen Ort zuschlugen. Sie hielten an der Alten Winterthurerstrasse einen heute 45-jährigen Mazedonier an. Der angebliche Bulgare mit gefälschten Ausweisen wollte gerade eine Liegenschaft betreten, als er von den Polizeibeamten festgenommen wurde.

Über 14 Kilogramm Heroin im Auto deponiert

Die Verhaftung des verdächtigen Mannes entpuppte sich als Volltreffer. So stellen die Ermittlungsbeamten in seinem parkierten Auto über 14 Kilogramm Heroin sicher. Die harten Drogen waren in der Fahrertüre sowie in Kartonschachteln und weissen Kübeln versteckt. Die Untersuchungen ergaben, dass die Polizei gerade noch rechtzeitig eingegriffen hatte. So hatte der Mann das Rauschgift schon Ende September nach Wallisellen gebracht und im Keller einer Liegenschaft an der Alten Winterthurerstrasse gelagert. Nun wollte er die Drogen mit seinem Personenwagen abtransportieren und beim Bahnhof der Gemeinde an Dritte übergeben. Er hätte 30 000 Franken für seine Dienste kassiert. Bereits im April 2009 hatte der Beschuldigte in Wallisellen zwei Kilogramm Heroin an seine Abnehmer übergeben und als Belohnung 5000 Franken erhalten.

Krebskranke Tochter als Tatmotiv

Am Montag stand der Angeklagte vor dem Zürcher Obergericht und wehrte sich gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Bülach. Dieses hatte den Kellner bereits im letzten Mai anklagegemäss zu einer hohen Freiheitsstrafe von sieben Jahren verurteilt. Der Familienvater liess seinen Rechtsanwalt auf eine deutliche Strafsenkung auf noch vier Jahre Freiheitsentzug plädieren und machte ein menschliches Tatmotiv geltend. So sei eine seiner vier Töchter an Lungenkrebs erkrankt. Worauf er für die Operation ein Darlehen für rund 30 000 Franken aufgenommen habe. Später habe der Gläubiger massiv Druck auf ihn und seine Familie ausgeübt. Deshalb sei er gezwungen gewesen, die fraglichen Heroingeschäfte in Wallisellen abzuwickeln, gab er zu Protokoll.

Bereits einschlägig vorbestraft

Gegen den Angeklagten sprach allerdings die Tatsache, dass er bereits eine einschlägige Vorstrafe auf dem Kerbholz hatte. So wurde er 1994 wegen Heroinhandels im Kilobereich vom Landgericht München zu einer hohen Freiheitsstrafe von sechs Jahren und neun Monaten verurteilt. Der Verteidiger versuchte deshalb vergeblich, seinen Klienten als untergeordneten Kurier darzustellen. Das Obergericht hielt fest, dass der Angeklagte vielmehr eine gewisse Vertrauensstellung in der Organisation eingenommen habe. Aufgrund der schweren Drogendelikte, sahen die Oberrichter keinen Raum für eine Strafsenkung. Sie bestätigten das Bülacher Verdikt, wobei der Gerichtsvorsitzende Franz Bollinger zum Schluss verdeutlichte, dass die erstinstanzliche Strafe sogar eher zu milde ausgefallen sei.

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