Ist er schuldig?: Urteil im «Heiler»-Prozess wird eröffnet
Aktualisiert

Ist er schuldig?Urteil im «Heiler»-Prozess wird eröffnet

Er soll 16 Menschen vorsätzlich mit Aids infiziert haben. Heute eröffnet das Gericht das Urteil über den «Heiler von Bern». 15 Jahre Freiheitsstrafe werden gefordert. 20 Minuten ist vor Ort.

von
ann

Um 10 Uhr gibt das Regionalgericht Bern-Mittelland das Urteil im «Heiler»-Prozess bekannt. Der Staatsanwalt fordert für den Angeklagten X., der zwischen 2001 und 2005 16 Menschen mit Aids infiziert zu haben soll, 15 Jahre Gefängnis. Für ihn ist erwiesen, dass X. seine Musikschüler und Patienten gezielt mit verseuchten Nadeln gestochen und damit absichtlich angesteckt hat.

Der Verteidiger hingegen fordert einen Freispruch. Es gebe «zu viele Zweifel», dass die Darstellung der Staatsanwaltschaft wirklich zutreffe. Deshalb gelte der Grundsatz «In dubio pro reo» (Im Zweifel für den Angeklagten).

Der Heiler war bewaffnet

«Heiler» beteuerte seine Unschuld

Der Angeklagte war am Montagnachmittag wieder im Gerichtssaal. Er war letzte Woche nicht mehr am Prozess erschienen und hatte sich stattdessen in seinem Haus verschanzt. Erst nach 24 Stunden konnte ihn die Polizei überwältigen und in Haft nehmen.

Der Heiler ist gefasst

Zum Abschluss des Prozesses hatte der «Heiler» das letzte Wort Er beteuerte noch einmal seine Unschuld. «Ich kann nur wiederholen, was ich bei meinen Einvernahmen gesagt habe: Ich kann mit diesen Taten nichts zu tun haben. Dafür liebe ich die Menschen zu sehr.» Er habe sich in der Schweiz völlig integriert und immer alle Regeln respektiert. Mit Ausnahme dieses Verfahrens sei sein Strafregister blank. «Ich bitte Sie, mich nicht zu verurteilen.»

Seit den letzten Plädoyers am Montag sitzt X. in Untersuchungshaft – vorläufig bis zur Eröffnung des Urteils. Das entschied der zuständige Haftrichter am Montagnachmittag. Die Opferanwälte wollen sicherstellen, dass der «Heiler» im Fall eines Schuldspruchs nicht mehr auf freien Fuss kommt, obgleich er das Urteil anfechten kann. Sie verlangen deshalb vom Gericht die Anordnung einer Sicherheitshaft.

20 Minuten Online ist vor Ort, wenn das Gericht das Urteil eröffnet.

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