17 Opfer: Angeklagte von «Charlie Hebdo»-Anschlag schuldig gesprochen
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17 OpferAngeklagte von «Charlie Hebdo»-Anschlag schuldig gesprochen

Von den Terrorplänen rund um die Attacken auf «Charlie Hebdo» und den koscheren Supermarkt wollen sie nichts gewusst haben. Das Gericht sieht das anders. 14 Personen wurden schuldig gesprochen.

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Vor knapp sechs Jahren kam es in Paris zu einem blutigen Anschlag auf die Redaktion des französischen Satiremagazin «Charlie Hebdo». 

Vor knapp sechs Jahren kam es in Paris zu einem blutigen Anschlag auf die Redaktion des französischen Satiremagazin «Charlie Hebdo».

Fredrik von Erichsen/dpa
14 Angeklagte wurden nun schuldig gesprochen.  In sechs Fällen haben die Richter den Vorwurf der terroristischen Vereinigung aber fallen gelassen. 

14 Angeklagte wurden nun schuldig gesprochen. In sechs Fällen haben die Richter den Vorwurf der terroristischen Vereinigung aber fallen gelassen.

REUTERS

Darum gehts

  • Alle Angeklagten im «Charlie Hebdo»-Prozess wurden schuldig gesprochen.

  • Vor Gericht stehen seit September 14 Verdächtige.

  • Im Januar 2015 kamen bei einem Terroranschlag in Paris 17 Menschen ums Leben.

Im Prozess um die blutigen Attacken auf das französische Satiremagazin «Charlie Hebdo» und einen koscheren Supermarkt in Paris vom Januar 2015 kam es am Mittwoch zur Urteilssprechung. Vor Gericht standen seit September elf Verdächtige, die bei den Terrorakten mit 17 Todesopfern geholfen haben sollen. Drei weitere Angeklagte konnten sich kurz vor den Bluttaten nach Syrien absetzen.

Das Gericht gab am Mittwochabend die Urteile bekannt: Alle 14 Angeklagten wurden schuldig gesprochen. In sechs Fällen haben die Richter den Vorwurf der terroristischen Vereinigung aber fallen gelassen. Mehrere erhalten Haftstrafen zwischen zehn und 20 Jahren. Einer der Hauptangeklagten ist zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Ali Riza Polat galt als rechte Hand des Attentäters Amèdiy Coulibaly.

Die anwesenden Beschuldigten kennen sich aus Cliquen oder aus dem Gefängnis und gaben im Prozess an, mit Terror nichts zu tun zu haben. Von den Motiven der Attentäter hätten sie nichts gewusst und hätten sich – wenn überhaupt – als Mittäter bei gewöhnlicheren Verbrechen wie bewaffnetem Raubüberfall gewähnt, erklärten sie.

Ein Angeklagter will während der Terrorserie vom 7. bis zum 9. Januar Tag und Nacht mit Glücksspiel zugebracht und erst nach dem Ausflug ins Kasino erfahren haben, was passiert war. Bei einem anderen handelte es sich um einen Krankenwagenfahrer mit Hang zu Marihuana. Ein dritter Angeklagter war ein Kindheitsfreund des Attentäters Amédy Coulibaly, der eine Polizistin im Süden von Paris erschoss und tags darauf vier Geiseln im Supermarkt tötete.

Hafstrafen ab fünf Jahren

Wegen der Corona-Infektion eines Hauptangeklagten wurde der Prozess für einen Monat unterbrochen. Der Mann fiel im Gericht wiederholt mit verbalen Ausbrüchen und Beschimpfungen auf, mehrmals rief ihn der Vorsitzende Richter daher zur Ordnung. Als einziger der Beschuldigten droht ihm lebenslange Haft. Ein Experte für Graphologie sagte vor Gericht aus, es sei der Hauptangeklagte gewesen, der eine Liste mit Waffen und Munition erstellt habe, die mit dem Anschlag in Verbindung gebracht werden.

Die von der Staatsanwaltschaft geforderten Haftstrafen beginnen bei fünf Jahren – so lange soll aus deren Sicht ein Beschuldigter hinter Gitter, der bei einem Waffen- und Autokauf mitgegangen und keine Fragen gestellt haben soll, als sein Freund den GPS-Tracker von einem Motorrad entfernte.

Ermittler arbeiteten sich für das Verfahren durch 37 Millionen Mitschnitte von Telefondaten, wie aus einer auf Video festgehaltenen Aussage der Polizei hervorging. Unter den Angeklagten, die gefesselt in verglasten Boxen im Gerichtssaal sassen, waren etliche, die mit dem Attentäter Coulibaly in den Tagen von dessen Tat per SMS oder telefonisch in Kontakt gestanden hatten. Den Austausch beschrieben sie als normale Kommunikation unter Bekannten.

Karikaturen des Propheten Mohammed

Unter den Zeugen waren die Witwen von Chérif und Saïd Kouachi, jenen Brüdern, die am 7. Januar 2015 die Redaktion von «Charlie Hebdo» in Paris stürmten und das Feuer eröffneten. Die Tat bezeichneten sie als Racheakt für vorangegangene Veröffentlichungen von Karikaturen des Propheten Mohammed. Bei diesem Anschlag kamen zwölf Menschen um, darunter die bedeutendsten Zeichner des Magazins.

Zunächst brachten die Gebrüder damals die Karikaturistin Corinne Rey in ihre Gewalt, die für eine Zigarettenpause vor die Tür gegangen war. Die Angreifer zwangen sie, den Zugangscode zur Redaktion einzutippen. Mit Entsetzen musste Rey dann mit ansehen, wie die Männer ihre Kollegen erschossen. Jahrelang hätten sie deswegen Schuldgefühle geplagt, weil ihr Leben verschont worden sei, erklärte sie. «Es hat eine Weile gedauert, bis ich verstanden habe, dass nicht ich die Schuldige an dem Ganzen bin. Die einzigen Schuldigen sind die Kouachis und deren Komplizen.» Während des Prozesses wurde Frankreich von neuen Terroranschlägen erschüttert.

(DPA/Fss)

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