Aufrechter Gang: Urzeitechse ging als erstes Tier auf geraden Beinen
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Aufrechter GangUrzeitechse ging als erstes Tier auf geraden Beinen

Einen Schönheitspreis wird Bunostegos akokanensis nicht gewinnen. Trotzdem ist das etwa kuhgrosse Reptil eine kleine Sensation.

von
jcg
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Der Bunostegos akokanensi hatte im Gegensatz zu seinen breitbeinig stehenden Zeitgenossen gerade Beine, wie wir sie heute von Kühen oder Pferden kennen.

Der Bunostegos akokanensi hatte im Gegensatz zu seinen breitbeinig stehenden Zeitgenossen gerade Beine, wie wir sie heute von Kühen oder Pferden kennen.

Morgan Turner
Das Schultergelenk (1.), der Oberarmknochen (2.), ein Knie-ähnliches Ellbogengelenk (3.) und eine verlängerte Elle (4.) deuten darauf hin, dass der Bunostegos mit geraden Beinen unter seinem Körper dastand.

Das Schultergelenk (1.), der Oberarmknochen (2.), ein Knie-ähnliches Ellbogengelenk (3.) und eine verlängerte Elle (4.) deuten darauf hin, dass der Bunostegos mit geraden Beinen unter seinem Körper dastand.

Morgan Turner
Dies im Gegensatz zu seinen Zeitgenossen und heutigen Echsen (im Bild eine Schmetterlingsagame), die breitbeinig und lang ausgestreckt durchs Leben gehen.

Dies im Gegensatz zu seinen Zeitgenossen und heutigen Echsen (im Bild eine Schmetterlingsagame), die breitbeinig und lang ausgestreckt durchs Leben gehen.

epa/World Wildlife Fund Cambodia/handout

Vor 260 Millionen Jahren muss der Bunostegos akokanensis seinen Zeitgenossen einen verblüffenden Anblick geboten haben. Während andere Tiere, die zu dieser Zeit die Welt bevölkerten, auf krummen Beinen lang ausgestreckt über den Boden schlurften, stand er erstmals aufrecht auf geraden Beinen. Zu diesem Schluss kommen Forscher des Royal Ontario Museums in Kanada und der Brown University im US-Bundesstaat Rhode Island nach der Analyse der Knochen des Urzeit-Reptils.

Demnach zeigt das Schultergelenk seiner Vorderbeine nach unten, so dass der Oberarmknochen, der zum Ellbogen führt, senkrecht unter dem Körper stand. Dies im Gegensatz zu all seinen zeitgenössischen Verwandten, deren Oberarmknochen seitlich vom Körper abging. Die Beine knickten bei ihnen erst nach dem Ellbogen nach unten ab, so wie es heute zum Beispiel beim Krokodil noch der Fall ist.

Ausserdem war das Ellbogengelenk des etwa kuhgrossen Pflanzenfressers in seiner Beweglichkeit eingeschränkt. Der Unterarm konnte nur nach vorne oder nach hinten schwingen, ähnlich wie beim menschlichen Knie.

Einzigartige Vorderbeine

Morgan Turner von der Brown University sagte dazu: «Die Bestandteile der Vorderbeine ermöglichen keine breitbeinige Position. Das ist einzigartig.» Dass das Tier lernte, auf allen Vieren aufrecht zu stehen, mag mit seinem Lebensraum zusammenhängen, sagen die Wissenschaftler, die ihre Studie in der Fachzeitschrift «Journal of Vertebrate Paleontology» veröffentlicht haben.

Die Knochen mehrerer dieser Tiere waren im Niger gefunden worden, der vor 260 Millionen Jahren in der Periode des Perm eine trockene Gegend war. Auf allen Vieren aufrecht zu gehen, ist energieeffizienter als eine breitbeinige Gehweise und erlaubte es den Tieren, auf der Futtersuche längere Strecken zurückzulegen. Das Stehen auf allen Vieren entwickelte sich bei den Reptilien und den Säugetieren an mehreren Zeitpunkten der Entwicklungsgeschichte unabhängig voneinander.

Auch das Aussehen konnten die Forscher anhand der gefundenen Fossilien rekonstruieren. Ko-Autorin Linda Tsuji vom Royal Ontario Museum beschreibt das Tier wie folgt: «Stellen sie sich ein kuhgrosses, pflanzenfressendes Reptil vor, das einen höckerigen Schädel hat und einen knochigen Körperpanzer auf dem Rücken trägt.»

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