Aus Versehen: US-Agent feuerte fast auf Irans Präsidenten
Aktualisiert

Aus VersehenUS-Agent feuerte fast auf Irans Präsidenten

Es ist eine Episode, über die sowohl die USA als auch der Iran geschwiegen haben – aus gutem Grund. Eine versehentliche Schussabgabe in New York hätte beinahe schlimme Folgen gehabt.

von
gux

September 2006. In New York tagt die UNO-Vollversammlung, wo heftig über das iranische Atomprogramm gestritten wird. Die Beziehungen zwischen den USA und dem Iran sind schon lange vergiftet: George W. Bush wirft dem iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad zum wiederholten Male vor, Terroristen zu unterstützen und nach Atomwaffen zu streben.

Ahmadinedschad beharrt darauf, dass die atomaren Aktivitäten seines Landes «transparent, friedvoll und unter Beobachtung der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO)» seien. Ausgerechnet in diesem aufgeheizten Klima kommt es zu einem brenzligen Zwischenfall. Das Weisse Haus wird in seiner morgendlichen Sicherheits-Sitzung darüber informiert – und rundum bricht der Angstschweiss aus.

«Iraner schauten uns an, wir schauten die Iraner an»

Der kurze Bericht beginnt mit den Worten: «Aus der Waffe eines Agenten des US-Secret Service löste sich, offenbar aus Versehen, ein Schuss, gerade als der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad in sein Auto steigen wollte.» Ein anonymes Regierungsmitglied erinnert sich: «Ich weiss noch, wie ich nur noch die Augen schloss, als ich das las.»

Der Sicherheitsbeauftragte gehörte zum Konvoi des US-Präsidenten. Er war dabei, sein Gewehr im Innern des Fahrzeugs zu befestigen, als sich ein Schuss löste – genau in Richtung Ahmadinedschads, der eben in sein Auto steigen wollte.

«Alle blieben stehen. Die Iraner schauten uns an und wir schauten die Iraner an», so ein leitender Beamter des Secret Service. «Der Agent stammelte Entschuldigungen. Ahmadinedschad hat sich nur umgedreht und ist ins Auto gestiegen.»

Der Iraner sprach nie darüber

Das Weisse Haus war der Panik nahe: Was, wenn Ahamadinedschad den Unfall vor der tagenden UNO-Vollversammlung zugunsten Irans ausspielt und behauptet, die USA hätten einen Mordanschlag auf ihn verüben wollen? Die Stimmung gegen den Iran und sein Atomprogramm könnte zum Nachteil der USA kippen – immerhin hatte sich der französische Staatspräsident Jaques Chirac bereits für eine Aussetzung der Sanktionsdrohung ausgesprochen.

Die amerikanischen Befürchtungen erwiesen sich als unbegründet. Der iranische Präsident verlor nie ein Wort über den Zwischenfall.

Die Episode und die iranische Reaktion darauf hätten zu einem Umdenken bei einigen White-House-Sicherheitsexperten geführt, schreiben die Journalisten Marc Armbinder und D.B. Grady. «Der Zwischenfall legte nahe, dass der Iran strategischer vorging als bislang angenommen. Seine Ziele dürfte er deswegen unter grosser Vorsicht verfolgen.»

Der diplomatische Albtraum vom September 2006 wird im Buch «Deep State: Inside the Government Secrecy Industry» beschrieben, das im April herauskommt und in Auszügen bereits vorliegt. Die beiden profilierten US-Journalisten Marc Armbinder und D.B. Grady arbeiten darin zahlreiche Staatsgeheimnisse und ihre Vertuschung auf.

Deine Meinung